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Sonntag, 30. November 2014

Tollwood im Zeichen des Schweins

Das Tollwood Festival in München setzt weiterhin mit Kunst, Aktionen und Tierrechtsorganisationen ein Zeichen gegen Massentierhaltung. Das Motto zum diesjährigen Winterfestival lautet "Lebewesen". 

Skulptur "Armes Schwein" auf dem Tollwood (Foto: StopMeat)
Im Mittelpunkt des diesjährigen Tollwood Festivals steht eine riesige Holzskulptur von einem Schwein, das in einem winzigen Käfig gehalten wird, in dem es sich nicht bewegen kann. Gestaltet hat das Kunstwerk mit dem passenden Titel "Armes Schwein" der ungarische Künstler Gabor Miklos Szoke. Das Schwein steht stellvertretend für das Leid seiner Millionen Artgenossen, die tagtäglich für einen kurzen Gaumenkitzel durch die Hölle gehen. Im Schatten dieses im Stich gelassenen Lebewesens klären einige Tierrechtsorganisationen über den Umgang mit Tieren auf, und stellen ihr Engagement für den Schutz der Tiere vor.

"Animals Angels" beispielsweise setzen sich unter dem Motto "Wir sind bei den Tieren" gegen grausame Tiertransporte ein. Auch die Organisationen "Provieh", "respekTiere", "Soko Tierschutz" und die "Albert Scheitzer Stiftung" sind mit Infoständen vor Ort. Zudem war die Tierrechtlerin und Publizistan Hilal Sezgin zum Auftakt des Winterfestivals in einem Treppengespräch unter dem Motto "Artgerecht" im Weltsalon zu hören. "Mit entsetzen reagieren wir, wenn wir im Fernsehen Aufnahmen von siechenden Puten sehen oder Sauen, die sich nicht einmal zu ihren Ferkeln umdrehen können. Aber wir ziehen erstaunlich wenige Konsequenzen aus dem was wir wisen: das da ganz legal Millionen empfindungsfähige, neugierige sozial veranlagte Tiere ein erbärmliches Leben fristen und einen gewaltsamen Tod auf dem Schlachthof sterben", beschreibt Sezgin die fatale Schere in den Köpfen der meisten Menschen.

Teddybär im Fleischwolf (Foto: StopMeat)
Über die Doppelmoral in den Köpfen der Menschen nachzudenken, ermuntert auch der Hamburger Künstler und "Schlachtermeister" Miroslav Menschenkind. Auf dem Tollwood hat er einen eigenen Stand, in dem er Fleisch und Würste aus Kuscheltieren verkauft, die er dazu vorher durch den Fleischwolf quetscht. Hinter ihm hängen die Kuscheltierkadaver mit teils abgehackten Köpfen. "Jeder kennt Schachtereien und die darin dargebotenen Waren", so Menschenkind: "Dieses ist nichts anderes, nur dass die ehemals lebenden Tiere, durch mit Watte gefüllten Stoff - genannt Kuscheltiere - ersetzt werden."


Ihre Motivation ziehen die Tollwood-Organisatoren nicht zuletzt aus Umfragen, wonach die große Mehrheit der Deutschen gegen Massentierhaltung ist. Die regelmäßig auftretenden Lebensmittlskandale seien nur die Spitze des Eisbergs, heißt es im Programmheft zum Tollwood Winterfestival: "Kälbern werden die Hornanlagen ausgebrannt, Ferkel kastriert, Hühnern wird der Schnabel gekürzt - ohne Betäubung und unter großen Schmerzen. Damit sie das kurze, qualvolle Leben in den vollgepferchten, eintönigen Ställen bis zur Schlachtung 'überleben', werden in der Regel große Mengen an Antibiotika verabreicht. Der wahre Skandal also ist die Normalität in den Ställen der industriellen Intensivtierhaltung: das alltägliche Leid von Millionen Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten. In Deutschland. In Bayern. In Ihrer Nähe."

Da ist es nur konsequent, dass das Schwein die Schirmherrschaft für das Tollwood Winterfestival 2014 übernommen hat und mehr Respekt für seine Artgenossen von den Menschen einfordert: "Gerade ich als Schwein bin in vielen Bereichen dem Menschen recht ähnlich", schreibt es im Programmheft: "Ich liege gerne in der Sonne, dusche gerne, fresse für mein Leben gerne feine Dinge, und wenn ich behandelt werde, wie es sich gehört, rieche ich ganz wunderbar."

Um seinem Anspruch auch gatronomisch gerecht zu werden, gibt es zum Winterfestival 2015 erstmals ein rein vegetarisch-veganes Zelt auf dem Tollwood. Jetzt muss nur noch das restliche Festival auch noch vegan werden. Vielleicht schon zum nächsten Sommer? Denn artgerecht ist nur die Freiheit. Oder in den Worten von Hilal Sezgin: "Tiere sind unsere Mitbewohner auf diesem Planeten, nicht unsere Sklaven oder unser Essen.             

Auch zum vergangenen Sommerfestival wurde das Thema "Massentierhaltung" thematisiert. Das Motto: "Wir das Tier.

Tier-Demo, Sommer Tollwood 2014 Foto: StopMeat
Große Tierskulpturen am Eingang taten stellvertretend das, was Tiere nicht können: Für ihre Belange demonstrieren.

Das Tollwood Winterfestival 2013 stand bereits unter dem Motto "ARTgerecht", mit der Kunstinsallation "Café Bad Connection": Ein mehrstöckiges Gebäude aus Gitter, unterteilt in winzige Käfige. Besucher konnten so am eigenen Leib erfahren, wie Tiere unter der grausamen  Massenhaltung leiden.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Tollwood setzt Zeichen gegen Massentierhaltung

"ARTgerecht" - unter diesem Motto steht das Münchner Tollwood-Festival im Winter 2013. Im Mittelpunkt steht das "Café Bad Connection": Ein mehrstöckiges Gebäude aus Gitter, unterteilt in winzige Käfige. Besucher können so am eigenen Leib erfahren, wie Tiere unter der grausamen  Massenhaltung leiden.
Cafe Bad Connection  Foto: StopMeat


Das diesjährige Tollwood Winterfestival stellt gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund das Thema artgerechte Tierhaltung in den Mittelpunkt. Wer das Festivalgelände betritt, sieht einen riesigen Käfig - das "Café Bad Connection". Entworfen hat es der Aktionskünstler Wolfgang Flatz. "Legebatterien, Bullenmast, Schweinezucht, Kaninchenställe, Asylantenheime, Trabantenstädte und artverwandte Architekturen vebinden wir im allgemeinen mit unwürdiger Unterbringung von Tieren und Menschen", ist auf einem Schild an dem Käfig zu lesen. "Weder Tier noch Mensch wollen oder brauchen das", stellt Flatz klar: "Geschuldet ist diese Form von Einrichtungen der Massenhaltung einer Konsum- Mehrwert- und Profitgesellschaft, die rücksichtslos auf Kosten anderer Lebewesen Produktionsmethoden entwickelte, die sich weder an der Art noch am Leid, das durch diese Systemarchitektur entstand, orientiert oder beeindrucken lässt."

Artgerecht? Foto: StopMeat
Das Leid in der Massenhaltung wird so für jeden Besucher, der sich in einen der kleinen Käfige zwängt, physisch erfahrbar. Der Unterschied: Die Käfige sind nicht abgeschlossen, schnell ist man wieder draußen in der Freiheit, nachdem man den grandiosen Ausblick auf das Festivalgelände vom oberen Stock des Kunstwerks genossen hat. Viele Besucher wirken amüsiert, auf ihrem Kurztrip in die Hölle der industriellen Massenhaltung- und vernichtung. Aber Millionen Tiere müssen ihr komplettes kurzes Leben in einem solchen Käfig verbringen,. Da bleibt zu hoffen, dass der Besuch des "Café Bad Connection" bei einigen Besuchern auch ein Umdenken bewirkt. Immerhin hängen am Eingang und am Ausgang Untertschriftenlisten aus. Dort - und auch online - können Besucher für die Abschaffung der industriellen Massentierhaltung unterschreiben.

Nackt und schutzlos wie die Tiere

Am Samstag, den 14. Dezember 2013 haben 63 Menschen bei eisiger Kälte nackt und schutzlos in dem dreistöckigen Gitterkäfig gegen die Massentierhaltung demonstriert. Mit dem Auftritt wollten die Demonstranten die Beklemmung und Würdelosigkeit in den Tierfabriken zum Ausdruck bringen. Die Aktion "Krönung der Schöpfung" von Wolfgang Flatz war Teil der Kampagne "ARTgerecht: Lasst Tiere wie sie sind", sie wurde von der Fotografin Nomi Baumgartl begleitet und dokumentiert

 "'ARTGerecht" zielt auf Lebensbedingungen von Tieren in Zucht und Aufzucht, die ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechen. Denn hier wird grausam gesündigt - das Stichwort lautet industrielle Massentierhaltung. Hühnern werden die Schnäbel gekürzt, Schweinen die Schwänze abgeschnitten, Kühe werden enthornt, alles mit dem Ziel, möglichst viel Fleisch zu erwirtschaften", erklärt Tollwood-Chefin Rita Rottenweiler.

In einem eigenen Kinderzelt  können sich auch die Kleinen schon darüber informieren, unter welchen Bedingungen die geliebten Tiere gehalten werden. Dafür werden Werkstätten angeboten, die das Thema spielerisch veranschaulichen. Was bedeutet artgerechte Tierhaltung? Wie kann jeder beim Einkauf den Tieren helfen? Legen die Hühner Eier damit wir sie essen? Das sind Fragen, um die es dabei geht.

So lobenswert es ist, auf das Problem der Massentierhaltung aufmerksam zu machen - konsequent ist es nicht, wenn gleichzeitig zahlreiche Stände die Besucher mit toten Tieren verköstigen. Hier könnte das Festival noch viel mutiger sein. Immerhin werden seit jeher auch viele vegetarische Gerichte angeboten. Ein echtes Zeichen könnte das Tollwood setzen, wenn es ausschließlich veganes Essen verkaufen würde. Immerhin wurden dieses Jahr auf dem selben Gelände erstmals in der Geschichte des größten Massenbesäufnisses der Welt vegane Speisen auf dem Oktoberfest angeboten.



Freitag, 4. Oktober 2013

Oktoberfest 2013 - ein Paradigmenwechsel?

Auf dem "größten Fest der Welt" werden in München nicht nur Jahr für Jahr Unmengen an Bier getrunken, sondern auch unzählige Ochsen, Hähnchen und weitere Tiere konsumiert. Eine fleischlastige Ernährung , so scheint es, ist mit der bayerischen Kultur, und somit auch mit der "Wiesn", untrennbar verbunden. Regiert hier doch seit einer gefühlten Ewigkeit die konservative CSU - Partei der Fleisch- und Massentierhaltungslobby - zu deren Anhängern sich auch der Vegetarierhasser und Wurstfabrikant Uli Hoeneß zählt.

Doch die immer zahlreicher werdende Gruppe von Menschen, die bei Tierleid und Massentierhaltung nicht mehr mitmachen wollen, hat mit ihren Argumenten nun auch das große Fest der lederhosentragenden Fleischfresserei erreicht: Erstmals werden auf dem Oktoberfest 2013 vegane Speisen angeboten. Es sieht so aus, als hätte die Überzeugungsarbeit zahlreicher Tierrechtsorganisationen, die sich zum Oktoberfest 2012 auf dem Marienplatz zum "Wiesn Meat Out" versammelt hatten, um über das Leid der Tiere durch die Fleischindustrie aufzuklären, erste Früchte getragen hat.

Bislang mussten sich vegane Wiesngänger mit gebrannten Mandeln, Radi und Brezn zufrieden geben. Aber dieses Jahr gibt es im Herzkasperzelt auf der "Oiden Wiesn" erstmals auch vegane Käsespätzle, Salat mit gebratenem Gemüse oder veganen Apfelkuchen. Initiator der Neuerung ist Lorenz Hocke, der in dem veganen Münchner Restaurant Max Pett kocht. Er ist der Sohn des Besitzers von dem Herzkasperzelt. Als er seinem Vater vorschlug, vegane Speisen anzubieten, sei dieser sofort einverstanden gewesen, schreibt die taz:  Immer wieder gebe es große Gruppenreservierungen, manchmal von 150 bis 200 Personen. "Da kann man davon ausgehen, dass auch Veganer dabei sind", so sein Argument: "ich bin Gastwirt, warum soll ich dieser Kundschaft nicht auch was Ordentliches anbieten". 

Und auch ein zweites Festzelt bietet nun erstmals ein veganes Essen an: Im Ammerzelt gibt es Bio-Hühner-Frikassee aus Sojaschnitzel mit Spargel, Kapern, Erbsen und Reis. "Unsere veganen Wiesngäste können sich ihre Verpflegung doch nicht in der Tupperschüssel mitbringen", meint Geschäftsführerin Claudia Trott. Jetzt nimmt also auch der Mainstream die Veganer als zahlende Zielgruppe wahr. Bleibt zu hoffen, dass diese Zielgruppe mit den  neuen Angeboten weiter wächst und die der Fleischesser immer kleiner wird. Letzes Jahr spuckte Wiesn-Wirte-Sprecher Toni Roiderer noch ganz andere Töne: "Fleisch ist mein Gemüse. Ich komme aus einer Metzgerfamilie und mein Vater hat schon immer gesagt: Bua, Fleisch ist das beste Gemüse. Ich mische mich ja auch nicht ein, wenn die Vegetarier dem Vieh das Futter wegessen." Ob er dieses Jahr sein Fähnchen nach einem anderen Wind dreht und ein Loblied auf die fleischfreie Ernährung singt? Immerhin sind ja auch Veganer zahlende Gäste, und sie werden immer mehr…



Sonntag, 17. März 2013

Vegane Ostern

Vegane Ostern. Foto: StopMeat
Wer zu Ostern wieder eifrig Eier mit schönen Farben bemalen will, sollte sich eine unschöne Tatsache ins Bewusstsein rufen: Jedes Jahr werden allein in Deutschland 40 Millionen geschlüpfte männliche Hühnerküken bei lebendigem Leib zerschreddert. Weil sie keine Eier legen - und damit wertlos für den Eierproduzent sind. Tierrechtsorganisationen warben deshalb am 16. März mit Livemusik, Essen und Infoständen für ein veganes Osterfest.

"Gerade zu Ostern werden viele Kaninchen und Hasen verschenkt und landen nach dem Fest im Tierheim. Der Konsum von Fleisch und Eiern ist ebenfalls einer der typischen Brennpunkte", schreibt die Tierrechtsinitiative München, die auf dem Münchner Marienplatz mit Infoständen und einer Kochshow für ein "Veganes Ostern" warb: "Soll ein Osterfest nicht Freude machen statt Leid in der Tierwelt zu erzeugen und die Umwelt zu belasten?".
Vertreten waren auch Tierrechtsorganisationen wie Ärzte gegen Tierversuche, Animal Peace, Animal 2000 oder Sea Shepherd.

Schlange stehen für den Veggie Döner. Foto: StopMeat
Mit zahlreichen veganen Spezialitäten, von Grillwürsten, über Käse bis zu Capuccino konnte sich jeder Besucher davon überzeugen, dass für ein leckeres Essen keine tierischen Produkte nötig sind. Am Stand von Royal Kebaphaus-Chef Erbil Günar, dem Erfinder des veganen Döner, bildete sich eine beachtlich lange Schlange. Das Team kam kaum hinterher, den inzwischen berühmten Döner aus Seitan unter die Leute zu bringen.

Es sieht ganz danach aus, dass auch der konservative Durchschnittskonsument seine Scheu vor veganen Produkten verliert. Dass die rund 700 000 in Deutschland lebenden Veganer immer mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen ist auch Thema eines längeren Artikels in der aktuellen Ausgabe des "Spiegel". "Mit ihrer neuen Gelassenheit sind die Veganer auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft ein gutes Stück vorangekommern", heißt es darin. Nach Angaben des Vegetarierbundes (Vebu) ist die Zahl der Vegetarier in Deutschland von 2009 bis heute von etwa 6,3 Millionen auf 6,9 Millionen gestiegen - wobei der Anteil der Veganer unter ihnen mittlerweile stärker wächst. Und mit jedem neuen Lebensmittelskandal werden es mehr.

Sonntag, 4. November 2012

Tierbefreiungsdemo in München: "Tiere haben Rechte, Fleisch ist Mord!"

Für die Rechte der Tiere haben Tierbefreiungsaktivisten am 03.11.2012 in München demonstriert. Die Demonstranten hielten vor einigen Tierausbeutungsstätten an und machten dort auf die problematische Situation der Tiere aufmerksam. Sie stießen auf überwiegend verständnislose Münchner in teuren Pelzmänteln. Die bayerische Landeshauptstadt machte ihrem Ruf als borniertes und blasiertes Provinznest wieder einmal alle Ehre. 

Leben, Freiheit, Unversehrtheit. Foto: StopMeat
München hat rund 1,4 Millionen Einwohner. Zehn davon engagieren sich aktiv für die Rechte der Tiere - das zumindest war die Zahl der Teilnehmer, die am dritten November durch München zogen, um bei strahlendem Sonnenschein gegen die Ausbeutung der Tiere zu demonstrieren. Am Wetter kann die geringe Beteiligung also nicht gelegen haben. 

Die NoLogo-Demo startete um 12 Uhr am Max-Joseph-Platz in der Nähe des Marienplatzes. Unter "NoLogo" wird verstanden: Keine Organisationslogos auf der Demo, Flyer und Transparente sind selbstgemalt und ohne Logo. Die Demonstranten machten Station an verschiedenen Stätten der Tierausbeutung wie Metzgereien auf dem Viktualienmarkt, Pelz- und Ledergeschäften, Vivisektionslaboren und einem Schlachthof. 

Demonstranten vor Ludwig Beck. Foto: StopMeat
"Sie haben gelebt, geatmet wie wir, Fleisch ist ein Stück ermordetes Tier" skandierten sie: "Ob Pelz oder Leder - Mord bleibt Mord. Pelze raus aus den Regalen", forderten sie vor dem Kaufhaus Ludwig Beck am Marienplatz. Begleitet wurden die zehn Demonstranten auf ihrem Zug von ebenso vielen Polizisten und zwei Polizeiautos. Viele Passanten schüttelten verständnislos den Kopf: "So a Aufwand für de Paar Hanseln", meinte eine alte Münchnerin.

Weiter gings zu Mc Donalds im Tal: "Mc Burger, Big Mac - Mc Donalds muss weg!" forderten die Demonstranten vor den Augen der überraschten Fast-Food-Fans: "Die Regenwälder werden abgeholzt, weil wir ein Übermaß an Fleischkonsum haben", erklärte eine Demonstrantin. Menschen und Tiere hätten elementare Interessen wie das Vermeiden von Leid: "Tiere sind Gefangene in einem ausbeuterischen Herrschaftsverhältnis", damit müsse Schluss sein. Für die Grundrechte der Tiere Leben, Freiheit und Unversehrtheit sei eine vegane Ernährung unerlässlich. Angesichts der Bilder gequälter Tiere in Schlachtfabriken, die ihnen die Demonstranten vorhielten, verging einigen Burgerfans dann doch der Appetit. Langsam leerten sich die Tische vor dem Fast-Food-Haus - immerhin ein Teilerfolg. 
"KFC, auch du bist schuld!" Foto: StopMeat

"Schluss mit dem Profit auf Kosten der Tiere", forderten die Demonstranten auch vor dem Burger King, gleich neben McDonalds.  "Dann muss ja jeder Metzger weg", bemerkte ein Passant. Recht hat er, genau so ist es. Auch Kentucky Fried Chicken (KFC) - ebenfalls im Münchner Tal - bekam sein Fett weg: "50 Millionen Küken werden allein in Deutschland an ihrem ersten Lebenstag vergast und geschreddert, weil sie sich für die Mastproduktion nicht eignen", klärten die Aktivisten die Konsumenten auf: "KFC, auch du bist Schuld". "Die Demonstranten tun doch niemandem etwas, da muss man doch nicht die Polizei hinterherschicken", meinte eine Frau. Das mag sein, aber wer weiß, ob nicht der eine oder andere aufgebrachte Fleischfresser auf die Demonstranten losgegangen wäre... Fleisch macht ja bekanntlich aggressiv.

Vor der Schrannenhalle wurde gegen den ach so feinen "Feinkost"-Käfer demonstriert, der Stopfleber als "Delikatesse" unters Volk bringt. Käfer steht auf Platz 1 der skrupellosesten Stopfleberverkäufer in Deutschland. Sowohl im Online-Shop als auch im Restaurant ("Käfer Schänke") wird das widerwärtige Produkt verkauft. Für Stopfleber, auch Foie gras genannt (französisch für "fette Leber"), werden Gänse oder Enten in den letzten 20 bis 30 Tagen ihres Lebens zwangsernährt. Dabei wird ihnen drei bis vier mal pro Tag mit einem Rohr ein Brei aus Mais und Schweineschmalz in den Magen gepumpt. Das führt dazu, dass die Lebern statt der üblichen 300 Gramm 1000 bis 2000 Gramm zum Tötungszeitpunkt wiegen. 

Es sind drängende und wichtige Themen, auf die die Demonstranten aufmerksam machen. Warum aber war die Resonanz nur so gering? Vielleicht lag es daran, dass die Demonstranten "Personen mit antiemanzipatorischem Gedankengut" auf der Demo für unerwünscht erklärt hatten. Vielleicht wollen einige Organisationen auch nur mitmachen, wenn sie mit einem Logo Werbung für ihren Verein machen können. Dabei sollte es in der Tierrechtsbewegung niemals um die Interessen einzelner Organisationen, sondern um die Interessen der Tiere gehen - dazu müssen wir alle an einem Strang ziehen und sollten niemanden im Vorneherein ausschließen oder verschrecken. 

Start auf dem Max Jospeh Platz. Foto: StopMeat



Montag, 1. Oktober 2012

Oktoberfest 2012: Tierrechtler zeigen Präsenz in München

Tiere haben Rechte. Foto: StopMeat
Die jedes Jahr in München stattfindende "Wiesn" ist ein Fest der Superlative: Rund 3,6 Millionen Besucher aus aller Welt kamen bis zur Halbzeit dieses Jahr auf die Theresienwiese und tranken ebenso viele Maß Bier. Der Maßlosigkeit fallen aber nicht nur die alljährlichen "Bierleichen" zum Opfer, sondern auch mehr als 500.000 Hähnchen, über 100 Ochsen und unzählige weitere Tiere, die für das größte "Fest" der Welt gequält und getötet werden. Ein breites Bündnis von Tierrechtlern hat am 29. September 2012 seinen Unmut und Widerstand gegen diese Form des "Feierns" am Münchner Marienplatz deutlich gemacht.

Der Termin war gut gewählt: Der Marienplatz war trotz schlechten Wetters übervoll mit Oktoberfest-Besuchern aus aller Welt. Unter dem Motto "Wiesn Meat Out" haben sich erstmals mehrere Tierrechtsorganisationen zusammengeschlossen, um den Fleischessern die Augen zu öffnen. Auch der eingefleischteste Wiesn-Fan konnte die zahlreichen Stände nicht ignorieren. Viele blieben stehen, zeigten sich interessiert und teilweise auch schockiert angesichts der unbequemen Wahrheiten über die Fleischindustrie, die sie dort aufgetischt bekamen.


Animal Peace-Vorsitzende Silke Ruthenberg. Foto: StopMeat
Animal Peace war mit zahlreichen Mitgliedern vertreten und informierte ausführlich über die Geschöpfe, die zu Steak, Schnitzel, Wurst etc. verarbeitet werden. So konnte man beispielsweise erfahren, dass ein Rind eine natürliche Lebenserwartung von 30 Jahren hat, ein Huhn 10 Jahre und ein Schwein 15 Jahre alt werden kann. In der Fleischindustrie werden Rinder aber schon mit einem Jahr, Schweine mit 6 Monaten und Hühner nach 40 Lebenstagen geschlachtet: "Menschen essen Kinder!". Auch Vorsitzende Silke Ruthenberg, Autorin des Buches "Die Gefühle und Gedanken der Tiere", stand den Anwesenden Rede und Antwort. Sie informierte über die vielfältigen veganen Ernährungsmöglichkeiten. Gefragt, was sie Menschen sage, die aus traditionellen Gründen nicht  auf Fleisch verzichten wollen, antwortete sie: "Schlechte Traditionen muss man abschaffen, die guten muss man erhalten."


Stand von Animal Peace. Foto: StopMeat

Animal 2000, Landesband gegen Tierversuche, Intensivtierhaltung und sonstige Formen der Tierausbeutung, zeigte ebenfalls Präsenz mit einem eigenen Stand. Das Motto: "...denn Mitleid ist zu wenig". Der Verein informierte mit zahlreichen Broschüren über die Marter der Rinder ("Die meisten stehen im Stall - ohne Einstreu, auf Betonboden und oft angebunden an einer etwa 1 Meter kurzen Kette"), über das Leid der Schweine die verstümmet werden, "um sie der extremen Intensivhaltung anzupassen", oder das trostlose Dasein von Masthähnchen, Truthühnern, Enten und Gänsen. Auf einem Plakat mit einem Schwein ist zu lesen: "Mein Fleisch gehört mir! Falls Ihr trotzdem Fleisch essen wollt, beißt euch doch in den eigenen Arsch!"

"Mein Fleisch gehört mir!" Stand von Animal 2000. Foto: StopMeat

Sea Shepherd Conservation Society war auch mit einem Stand vertreten. Die 1977 gegründete internationale gemeinnützige Organisation widmet sich dem Schutz der maritimen Tierwelt: "Unsere Mission ist es, die Zerstörung der Lebensräume und das Abschlachten der Tiere in den Weltmeeren zu beenden, um die Ökosysteme und Spezies nachhaltig zu schützen und zu erhalten." Seit Beginn des Walfangverbots 1986 setzt sich die Organisation beispielsweise aktiv für den Schutz der Wale ein und rettete bereits mehr als 3.600 Walen das Leben.
Stand von Sea Shepherd Deutschland. Foto: StopMeat

Animals United, eine Gruppe junger Menschen, die sich aktiv für die Rechte der Tiere einsetzen, war ebenfalls mit einem eigenen Stand vertreten. Der Tierschutzverein besteht seit 2005 und ist seit 2011 ein gemeinnützig anerkannter eingetragener Verein: "Durch Teilnahme an friedlichen Demonstrationen versuchen wir die Menschen über das immer noch weit verbreitete Leid viele Tiere aufzuklären und aufzuzeigen, wie jeder in seinem Alltag mit seinem Handeln Tieren helfen kann." Der Verein setzt sich beispielsweise für einen "Veggietag" ein. Der fleischfreie Tag soll ein Zeichn für Klimaschutz, bewusstere Ernährung und nachhaltige Esskultur ohne Tierleid setzen. An der gestartete Initiative "Veggietag für München" beteiligen sich Kantinen, Mensen und andere städtische Einrichtungen. Auch Restaurants können Teilnehmen. "Man kann Traditionen und Feiern auch ohne Tierleid erleben", sagt Mitinitiatorin Julia Mandoki.

Stand von Animals United. Foto: StopMeat

Auch die Tierschutzpartei Mensch, Umwelt, Tierschutz zeigte mit einem eigenen Stand Präsenz. Die Partei sammelt Unterschriften um auch in den Parlamenten aktiv mitwirken zu können: "Wir treten für einen konsequenten Umwelt- und Tierschutz ein, nicht zuletzt, weil konsequenter Umwelt- und Tierschutz auch der beste Menschenschutz ist. Unsere Partei ist deshalb so außerordentlich wichtig, weil keine der etablierten Parteien bisher den Mut und die Einsicht gezeigt hat, alle heutigen Probleme in ihren ursächlichen Zusammenhängen zu verdeutlichen."

Stand der Tierschutzpartei. Foto: StopMeat

Das Oktoberfest stehe als Sinnbild  für das "unreflektierte Konsumverhalten in unserer Gesellschaft", kommentierte die Tierrechstinitiative München, die ebenfalls zur Demo aufgerufen hatte: "Geh mit uns auf die Straße um den Opfern dieses Wahnsinns eine Stimme zu geben."

Und was sagen die Wiesn-Wirte? "Fleisch ist mein Gemüse. Ich komme aus einer Metzgerfamilie und mein Vater hat schon immer gesagt: Bua, Fleisch ist das beste Gemüse", sagt Wiesn-Wirte Sprecher Toni Roiderer und ergänzt: "Ich mische mich ja auch nicht ein, wenn die Vegetarier dem Vieh das Futter wegessen." Bei so viel geballter Dummheit und Ignoranz fehlen einem einfach die Worte...