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Sonntag, 8. Dezember 2013

Tollwood setzt Zeichen gegen Massentierhaltung

"ARTgerecht" - unter diesem Motto steht das Münchner Tollwood-Festival im Winter 2013. Im Mittelpunkt steht das "Café Bad Connection": Ein mehrstöckiges Gebäude aus Gitter, unterteilt in winzige Käfige. Besucher können so am eigenen Leib erfahren, wie Tiere unter der grausamen  Massenhaltung leiden.
Cafe Bad Connection  Foto: StopMeat


Das diesjährige Tollwood Winterfestival stellt gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund das Thema artgerechte Tierhaltung in den Mittelpunkt. Wer das Festivalgelände betritt, sieht einen riesigen Käfig - das "Café Bad Connection". Entworfen hat es der Aktionskünstler Wolfgang Flatz. "Legebatterien, Bullenmast, Schweinezucht, Kaninchenställe, Asylantenheime, Trabantenstädte und artverwandte Architekturen vebinden wir im allgemeinen mit unwürdiger Unterbringung von Tieren und Menschen", ist auf einem Schild an dem Käfig zu lesen. "Weder Tier noch Mensch wollen oder brauchen das", stellt Flatz klar: "Geschuldet ist diese Form von Einrichtungen der Massenhaltung einer Konsum- Mehrwert- und Profitgesellschaft, die rücksichtslos auf Kosten anderer Lebewesen Produktionsmethoden entwickelte, die sich weder an der Art noch am Leid, das durch diese Systemarchitektur entstand, orientiert oder beeindrucken lässt."

Artgerecht? Foto: StopMeat
Das Leid in der Massenhaltung wird so für jeden Besucher, der sich in einen der kleinen Käfige zwängt, physisch erfahrbar. Der Unterschied: Die Käfige sind nicht abgeschlossen, schnell ist man wieder draußen in der Freiheit, nachdem man den grandiosen Ausblick auf das Festivalgelände vom oberen Stock des Kunstwerks genossen hat. Viele Besucher wirken amüsiert, auf ihrem Kurztrip in die Hölle der industriellen Massenhaltung- und vernichtung. Aber Millionen Tiere müssen ihr komplettes kurzes Leben in einem solchen Käfig verbringen,. Da bleibt zu hoffen, dass der Besuch des "Café Bad Connection" bei einigen Besuchern auch ein Umdenken bewirkt. Immerhin hängen am Eingang und am Ausgang Untertschriftenlisten aus. Dort - und auch online - können Besucher für die Abschaffung der industriellen Massentierhaltung unterschreiben.

Nackt und schutzlos wie die Tiere

Am Samstag, den 14. Dezember 2013 haben 63 Menschen bei eisiger Kälte nackt und schutzlos in dem dreistöckigen Gitterkäfig gegen die Massentierhaltung demonstriert. Mit dem Auftritt wollten die Demonstranten die Beklemmung und Würdelosigkeit in den Tierfabriken zum Ausdruck bringen. Die Aktion "Krönung der Schöpfung" von Wolfgang Flatz war Teil der Kampagne "ARTgerecht: Lasst Tiere wie sie sind", sie wurde von der Fotografin Nomi Baumgartl begleitet und dokumentiert

 "'ARTGerecht" zielt auf Lebensbedingungen von Tieren in Zucht und Aufzucht, die ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechen. Denn hier wird grausam gesündigt - das Stichwort lautet industrielle Massentierhaltung. Hühnern werden die Schnäbel gekürzt, Schweinen die Schwänze abgeschnitten, Kühe werden enthornt, alles mit dem Ziel, möglichst viel Fleisch zu erwirtschaften", erklärt Tollwood-Chefin Rita Rottenweiler.

In einem eigenen Kinderzelt  können sich auch die Kleinen schon darüber informieren, unter welchen Bedingungen die geliebten Tiere gehalten werden. Dafür werden Werkstätten angeboten, die das Thema spielerisch veranschaulichen. Was bedeutet artgerechte Tierhaltung? Wie kann jeder beim Einkauf den Tieren helfen? Legen die Hühner Eier damit wir sie essen? Das sind Fragen, um die es dabei geht.

So lobenswert es ist, auf das Problem der Massentierhaltung aufmerksam zu machen - konsequent ist es nicht, wenn gleichzeitig zahlreiche Stände die Besucher mit toten Tieren verköstigen. Hier könnte das Festival noch viel mutiger sein. Immerhin werden seit jeher auch viele vegetarische Gerichte angeboten. Ein echtes Zeichen könnte das Tollwood setzen, wenn es ausschließlich veganes Essen verkaufen würde. Immerhin wurden dieses Jahr auf dem selben Gelände erstmals in der Geschichte des größten Massenbesäufnisses der Welt vegane Speisen auf dem Oktoberfest angeboten.



Montag, 21. Oktober 2013

Stoppt Tierversuche in Europa - der Countdown läuft!

Tierversuche gehören zu den größten Schandflecken der Menschheit. Sie sind nicht nur grausam - auch ihre Sinnlosigkeit für den Menschen ist längst belegt, da sich Mensch und Tier eben doch zu sehr unterscheiden. "Schluss mit der Vivisektion, dieser Schande für Europa", fordert deshalb die Europäische Bürgerinitiative STOP VIVISECTION.

Es sind nur noch zehn Tage (Stand 21. Oktober 2013) - bis dahin müssen mindestens eine Million Unterschriften europaweit zustande gekommen sein, damit dieses Ziel eine Chance auf Verwirklichung hat. Aber noch immer fehlen zahlreiche Stimmen. Es wäre in der Tat eine Schande für Europa, das sich gerne als Trutzburg von Demokratie, Aufklärung und Rechtsstaatlichkeit darstellt, wenn nicht einmal dieses Mindestziel erreicht würde.

Also bitte noch fleißig unterschreiben und die Kampagne teilen und weitersagen. Auch wenn der Prozess ein wenig umständlicher als bei sonstigen Petitionen ist, da es sich hier um ein offizielles Instrument der EU handelt - es lohnt sich und dauert auch nur ein paar Minuten. Die Bürgerinitiative stellt eine der wenigen Möglichkeiten dar, sich auf europäischer Ebene direktdemokratisch zu beteiligen und sollte daher auch von möglichst vielen Menschen genutzt werden. Geben wir denen eine Stimme, die nicht für sich selbst sprechen können und befreien wir sie von ihrem sinnlosen Leid: 
Hier geht's zur Online-Petition STOP VIVISECTION. Alle EU-Bürger können sich daran beteiligen. 

Die Forderung der Bürgerinitiative im Wortlaut:
"Drängen wir die Europäischen Kommission, die Richtlinie 2010/63/EU zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere außer Kraft zu setzen und einen neuen Vorschlag zu unterbreiten, der auf der Abschaffung der Tierversuche beruht und stattdessen - in der biomedizinischen und toxikologischen Forschung - verbindlich den Einsatz von Daten vorschreibt, die direkte Relevanz für den Menschen haben."

Unter dem Motto "Medizinischer Fortschritt ist wichtig - Tierversuche sind der falsche Weg" setzt sich der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" aus ethischen, medizinischen und wissenschaftlichen Gründen schon seit langem für eine Abschaffung von Tierversuchen ein. Zuletzt hat sich die Vereinigung als erste deutsche Partnerorganisation mit Cruelty Free International (CFI)  zusammengeschlossen, einer weltweit agierenden Organisation, die dich zum Ziel gesetzt hat, ein globales Verbot von Kosmetik-Tierversuchen zu erreichen. Am 11. März 2013 ist die letzte Stufe der europaweiten Verbots für Kosmetik-Tierversuche in Kraft getreten - und damit ein wichtiger Etappensieg erreicht worden. Aber in den meisten Ländern der Welt sind Tierversuche leider nach wie vor erlaubt - und werden teilweise sogar gefordert. 

In einem eindrucksvollen animierten Aufklärungsvideo veranschaulichen die "Ärzte gegen Tierversuche" die Sinnlosigkeit von Tierversuchen: 

Unsinn Tierversuch





Genauso vermeidbar wie Tierversuche wäre auch der Konsum von Fleisch: 250 Millionen Tonnen Fleisch verzehrt die Menschheit jährlich. Das bedeutet unermessliches Leid für die Tiere, die ihr kurzes Leben unter unvorstellbar grausamen Bedingungen fristen müssen. Aber auch die Folgen für Umwelt und Menschen sind drastisch. Der Dokumentarfilm "Akte Fleisch" klärt über die globalen Auswirkungen des nach wie vor zunehmenden Fleischkonsums auf.

Sonntag, 17. März 2013

Vegane Ostern

Vegane Ostern. Foto: StopMeat
Wer zu Ostern wieder eifrig Eier mit schönen Farben bemalen will, sollte sich eine unschöne Tatsache ins Bewusstsein rufen: Jedes Jahr werden allein in Deutschland 40 Millionen geschlüpfte männliche Hühnerküken bei lebendigem Leib zerschreddert. Weil sie keine Eier legen - und damit wertlos für den Eierproduzent sind. Tierrechtsorganisationen warben deshalb am 16. März mit Livemusik, Essen und Infoständen für ein veganes Osterfest.

"Gerade zu Ostern werden viele Kaninchen und Hasen verschenkt und landen nach dem Fest im Tierheim. Der Konsum von Fleisch und Eiern ist ebenfalls einer der typischen Brennpunkte", schreibt die Tierrechtsinitiative München, die auf dem Münchner Marienplatz mit Infoständen und einer Kochshow für ein "Veganes Ostern" warb: "Soll ein Osterfest nicht Freude machen statt Leid in der Tierwelt zu erzeugen und die Umwelt zu belasten?".
Vertreten waren auch Tierrechtsorganisationen wie Ärzte gegen Tierversuche, Animal Peace, Animal 2000 oder Sea Shepherd.

Schlange stehen für den Veggie Döner. Foto: StopMeat
Mit zahlreichen veganen Spezialitäten, von Grillwürsten, über Käse bis zu Capuccino konnte sich jeder Besucher davon überzeugen, dass für ein leckeres Essen keine tierischen Produkte nötig sind. Am Stand von Royal Kebaphaus-Chef Erbil Günar, dem Erfinder des veganen Döner, bildete sich eine beachtlich lange Schlange. Das Team kam kaum hinterher, den inzwischen berühmten Döner aus Seitan unter die Leute zu bringen.

Es sieht ganz danach aus, dass auch der konservative Durchschnittskonsument seine Scheu vor veganen Produkten verliert. Dass die rund 700 000 in Deutschland lebenden Veganer immer mehr in der Mitte der Gesellschaft ankommen ist auch Thema eines längeren Artikels in der aktuellen Ausgabe des "Spiegel". "Mit ihrer neuen Gelassenheit sind die Veganer auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft ein gutes Stück vorangekommern", heißt es darin. Nach Angaben des Vegetarierbundes (Vebu) ist die Zahl der Vegetarier in Deutschland von 2009 bis heute von etwa 6,3 Millionen auf 6,9 Millionen gestiegen - wobei der Anteil der Veganer unter ihnen mittlerweile stärker wächst. Und mit jedem neuen Lebensmittelskandal werden es mehr.

Freitag, 14. Dezember 2012

Philosophen zwischen Sein und Sollen


Oder: Warum Peter Sloterdijk sein Leben ändern muss


"Wie die Hausfrau, die die Stube gescheuert hat, Sorge trägt, dass die Türe zu ist, damit ja der Hund nicht hereinkomme und das getane Werk durch die Spuren seiner Pfoten entstelle, also wachen die europäischen Denker darüber, dass ihnen keine Tiere in der Ethik herumlaufen"
Albert Schweitzer ("Ehrfurcht vor den Tieren")

Von den Philosophen können sich die geschundenen Tiere in unserer Gesellschaft wohl am wenigsten Rettung erhoffen. Die Zunft der Denker schwadroniert zwar allzu gerne von Ethik und Moral, auch wenn es um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier geht; wenn es aber konkret wird, entpuppt sich ihr Gerede leider viel zu oft als heiße Luft, entlarven sich ihre hehren Gedanken als leere Worthülsen.  

Foto: ulitie  / pixelio.de
"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern." Der berühmte Satz von Karl Marx kommt mir unweigerlich in den Sinn, wenn ich an den Philosophen Peter Sloterdijk denke. Insbesondere wenn man davon ausgeht, dass jede Veränderung zunächst von  einem selbst ausgehen muss. Wie wollen wir Missstände anprangern, wenn wir selbst ein Teil davon sind?  "Wasser predigen und Wein trinken" ist noch so eine bekannte Redewendung, die gut auf Sloterdijk anwendbar ist - wobei es hier überhaupt nicht um alkoholische Getränke geht. In diesem Fall müsste es heißen: "Tierrechte predigen und Fleisch essen."

Denn Sloterdijk ist ein durchaus profilierter Kopf in Sachen Tier und Mensch. Als Schirmherr der "Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt" stellt sich  der Kulturwissenschaftler in die erste Reihe einer Bewegung, die sich die Förderung der Tierrechte auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Tierethik im weiteren Sinne hat eine lange Tradition in der Ideengeschichte. Schon der berühmte antike Philosoph und Vorsokratiker Pythagoras (etwa 582 - 496 v. Chr.) stellte die Frage: "Wer mit dem Messer die Kehle eines Rindes durchtrennt und beim Brüllen der Angst taub bleibt, wer kaltblütig das schreiende Böcklein abzuschlachten vermag und den Vogel verspeist, dem er selbst das Futter gereicht hat - wie weit ist ein solcher noch vom Verbrechen entfernt?".

Der Kosmopolit Plutarch (45 – 120 n. Chr.) schreibt: "Könnt ihr wirklich die Frage stellen, aus welchem Grunde sich Pythagoras des Fleischessens enthielt? Ich für meinen Teil frage mich, unter welchen umständen und in welchem Geisteszustand es ein Mensch das erste Mal über sich brachte, mit seinem Mund Blut zu berühren, seine Lippen zum Fleisch eines Kadavers zu führen und seinen Tisch mit toten, verwesenden Körpern zu zieren, und es sich dann erlaubt hat, die Teile, die kurz zuvor noch gebrüllt und geschrieen, sich bewegt und gelebt haben, Nahrung zu nennen. (...) Um des Fleisches willen rauben wir ihnen die Sonne, das Licht und die Lebensdauer, die ihnen von Geburt an zustehen."

Der englische Philosoph und Begründer des Utilitarismus, Jeremy Bentham (1748 – 1832), formulierte als einer der ersten Befürworter von Tierrechten den entscheidenden Satz: "Die Frage hat für die Menschheit nicht zu lauten: Können die Tiere denken? Sondern sie muss zu lauten: Können die Tiere leiden?"


Als wichtigster Vertreter der zeitgenössischen Tierrechtsbewegung ist wohl der australische Philosoph Peter Albert David Singer zu nennen. In seinem 1975 verfassten Werk "Animal Liberation" (Die Befreiung der Tiere), das zu einem Klassiker der Tierrechtsbewegung wurde, beschreibt er die Diskriminierung und Ausbeutung von Tieren durch den Menschen aufgrund ihrer Spezieszugehörigkeit (Speziesismus).  Singer wird als Mitbegründer der modernen Tierethik angesehen. 

"Er schaut sich alles an, auch die allerunangenehmsten Sonderfälle, und lässt sich auf Dinge ein, an denen sich andere Leute vorbeischummeln, um sich ein harmloseres Weltbild bewahren zu können", sagt Sloterdijk über Singer in einem Interview mit der österreichischen Zeitung der Standard. Auf die simple Frage, "sind Sie Vegetarier?" antwortet er: "Nein. Aber wir schränken den Fleischkonsum ein wenig ein."  Ein einfaches und ehrliches "Nein" hätte es auch getan. Den Fleischkonsum "ein wenig einschränken" – das ist also die wegweisende Antwort des großen Philosophen Sloterdijk auf die Tierrechtsfrage. Noch vor über zehn Jahren prognostizierte er, dass die jüngeren Menschen in der Bevölkerung sich gegen die Tiermisshandlungen der industriellen Fleischproduktion wenden würden. Aber wie kann man  Hoffnungen auf andere richten, wenn man selbst nichteinmal dazu bereit ist, sein Leben entsprechend zu ändern?

Ausgerechnet "Du musst dein Leben ändern" lautet eines seiner Essays. Peter Sloterdijk, hiermit fordere ich dich auf: Fang bei dir selbst an, ändere dein Leben! Dann kannst du auch Interviewfragen offen und ehrlich beantworten. Für den Anfang: Ändere deine Ernährungsgewohnheiten, höre damit auf, Tiere zu essen. Du musst es nur wollen – das ist der Weg vom  Sollen zum Sein. 

Verdrängungskünstler

Ähnlich inkonsequent wie Sloterdijk laviert sich der Philosoph Robert Spaemann im Gespräch mit Richard David Precht durch die Tierrechtsthematik. So hält er es zwar für "verwerflich und unmoralisch, Tieren absichtlich Leid zuzufügen", im selben Atemzug aber hält er es für gerechtfertigt, Tiere zu töten ("weil Tiere keine Biographie haben"). Genau damit fügt er aber dem Tier vermeidbares Leid zu. Seine revolutionäre Konsequenz aus dem Umstand der vorherrschenden grausamen Massentierhaltung: "Ich esse nicht mehr jede Form von Fleisch". Auf diesen Minimalkonsens könnte sich wohl jeder Fleischesser einigen, denn wer isst schon "jede Form von Fleisch". Dann wiederum meint er, Menschen dürften immerhin keine Primaten töten. Weil die doch recht schlau seien. Es komme aber nicht auf die Intelligenz, sondern auf die Leidensfähigkeit eines Lebewesens an, hält ihm Precht entgegen.  Da flüchtet sich Spaemann in stumpfen Speziesismus: Allein die Tatsache Mensch zu sein, nicht Vernunft oder Leidensfähigkeit, entscheide, ob ein Lebewesen getötet werden darf oder nicht. Dann gibt er zu, dass jede Tötung mindestens einen Augenblicksschmerz verursacht. Es bleibt letztlich bei einem vagen "es kommt immer darauf an", so das erschreckend nichtssagende Fazit des Philosophen Spaemann. Mal sagt er so, dann wieder so, Tiere töten ist irgendwie schlecht, aber dann auch wieder irgendwie nicht, er biegt sich die Welt immer so zurecht, wie es ihm gerade passt. 

Precht bilanziert daraufhin: "Es ist unserer Verdrängungskunst geschuldet, dass es nicht mehr Vegetarier gibt". Und weiter: "Das, was unter der Decke stattfindet, das Treiben in den Schlachthäusern ist eine Grausamkeit, ein industrieller Tiertod unvorstellbaren Ausmaßes, viel brutaler als in den Zeiten des Barock. Wenn wir das tagtäglich vor Augen geführt bekommen, würden wir entweder wieder verrohen oder wir würden sofort sagen: Das muss alles abgeschafft werden!" Es scheint, dass auch die Philosophen wahre Meister in der Kunst des Verdrängens sind. Hauptsache der eigene alteingefahrene Lebensstil wird nicht hinterfragt. Und selbst Precht gesteht, seine Predigten nicht konsequent zu praktizieren: Denn "dann wäre man nicht nur Vegetarier, sondern Veganer" - und das ist auch dem lederschuhtragenden Moralisten zu anstrengend.


Die heutigen Mainstream-Philosophen scheinen unfähig, brauchbare Antworten auf drängende Probleme unserer Zeit zu finden – zugunsten der eigenen Bequemlichkeit. Von der Vorbildfunktion ganz zu schweigen. Bleibt die Frage: Wofür brauchen wir sie eigentlich, die Philosophen?




Sonntag, 4. November 2012

Tierbefreiungsdemo in München: "Tiere haben Rechte, Fleisch ist Mord!"

Für die Rechte der Tiere haben Tierbefreiungsaktivisten am 03.11.2012 in München demonstriert. Die Demonstranten hielten vor einigen Tierausbeutungsstätten an und machten dort auf die problematische Situation der Tiere aufmerksam. Sie stießen auf überwiegend verständnislose Münchner in teuren Pelzmänteln. Die bayerische Landeshauptstadt machte ihrem Ruf als borniertes und blasiertes Provinznest wieder einmal alle Ehre. 

Leben, Freiheit, Unversehrtheit. Foto: StopMeat
München hat rund 1,4 Millionen Einwohner. Zehn davon engagieren sich aktiv für die Rechte der Tiere - das zumindest war die Zahl der Teilnehmer, die am dritten November durch München zogen, um bei strahlendem Sonnenschein gegen die Ausbeutung der Tiere zu demonstrieren. Am Wetter kann die geringe Beteiligung also nicht gelegen haben. 

Die NoLogo-Demo startete um 12 Uhr am Max-Joseph-Platz in der Nähe des Marienplatzes. Unter "NoLogo" wird verstanden: Keine Organisationslogos auf der Demo, Flyer und Transparente sind selbstgemalt und ohne Logo. Die Demonstranten machten Station an verschiedenen Stätten der Tierausbeutung wie Metzgereien auf dem Viktualienmarkt, Pelz- und Ledergeschäften, Vivisektionslaboren und einem Schlachthof. 

Demonstranten vor Ludwig Beck. Foto: StopMeat
"Sie haben gelebt, geatmet wie wir, Fleisch ist ein Stück ermordetes Tier" skandierten sie: "Ob Pelz oder Leder - Mord bleibt Mord. Pelze raus aus den Regalen", forderten sie vor dem Kaufhaus Ludwig Beck am Marienplatz. Begleitet wurden die zehn Demonstranten auf ihrem Zug von ebenso vielen Polizisten und zwei Polizeiautos. Viele Passanten schüttelten verständnislos den Kopf: "So a Aufwand für de Paar Hanseln", meinte eine alte Münchnerin.

Weiter gings zu Mc Donalds im Tal: "Mc Burger, Big Mac - Mc Donalds muss weg!" forderten die Demonstranten vor den Augen der überraschten Fast-Food-Fans: "Die Regenwälder werden abgeholzt, weil wir ein Übermaß an Fleischkonsum haben", erklärte eine Demonstrantin. Menschen und Tiere hätten elementare Interessen wie das Vermeiden von Leid: "Tiere sind Gefangene in einem ausbeuterischen Herrschaftsverhältnis", damit müsse Schluss sein. Für die Grundrechte der Tiere Leben, Freiheit und Unversehrtheit sei eine vegane Ernährung unerlässlich. Angesichts der Bilder gequälter Tiere in Schlachtfabriken, die ihnen die Demonstranten vorhielten, verging einigen Burgerfans dann doch der Appetit. Langsam leerten sich die Tische vor dem Fast-Food-Haus - immerhin ein Teilerfolg. 
"KFC, auch du bist schuld!" Foto: StopMeat

"Schluss mit dem Profit auf Kosten der Tiere", forderten die Demonstranten auch vor dem Burger King, gleich neben McDonalds.  "Dann muss ja jeder Metzger weg", bemerkte ein Passant. Recht hat er, genau so ist es. Auch Kentucky Fried Chicken (KFC) - ebenfalls im Münchner Tal - bekam sein Fett weg: "50 Millionen Küken werden allein in Deutschland an ihrem ersten Lebenstag vergast und geschreddert, weil sie sich für die Mastproduktion nicht eignen", klärten die Aktivisten die Konsumenten auf: "KFC, auch du bist Schuld". "Die Demonstranten tun doch niemandem etwas, da muss man doch nicht die Polizei hinterherschicken", meinte eine Frau. Das mag sein, aber wer weiß, ob nicht der eine oder andere aufgebrachte Fleischfresser auf die Demonstranten losgegangen wäre... Fleisch macht ja bekanntlich aggressiv.

Vor der Schrannenhalle wurde gegen den ach so feinen "Feinkost"-Käfer demonstriert, der Stopfleber als "Delikatesse" unters Volk bringt. Käfer steht auf Platz 1 der skrupellosesten Stopfleberverkäufer in Deutschland. Sowohl im Online-Shop als auch im Restaurant ("Käfer Schänke") wird das widerwärtige Produkt verkauft. Für Stopfleber, auch Foie gras genannt (französisch für "fette Leber"), werden Gänse oder Enten in den letzten 20 bis 30 Tagen ihres Lebens zwangsernährt. Dabei wird ihnen drei bis vier mal pro Tag mit einem Rohr ein Brei aus Mais und Schweineschmalz in den Magen gepumpt. Das führt dazu, dass die Lebern statt der üblichen 300 Gramm 1000 bis 2000 Gramm zum Tötungszeitpunkt wiegen. 

Es sind drängende und wichtige Themen, auf die die Demonstranten aufmerksam machen. Warum aber war die Resonanz nur so gering? Vielleicht lag es daran, dass die Demonstranten "Personen mit antiemanzipatorischem Gedankengut" auf der Demo für unerwünscht erklärt hatten. Vielleicht wollen einige Organisationen auch nur mitmachen, wenn sie mit einem Logo Werbung für ihren Verein machen können. Dabei sollte es in der Tierrechtsbewegung niemals um die Interessen einzelner Organisationen, sondern um die Interessen der Tiere gehen - dazu müssen wir alle an einem Strang ziehen und sollten niemanden im Vorneherein ausschließen oder verschrecken. 

Start auf dem Max Jospeh Platz. Foto: StopMeat



Sonntag, 16. September 2012

Akte Fleisch: Einblicke in eine mörderische Industrie

250 Millionen Tonnen Fleisch verzehrt die Menschheit jährlich. 250 Millionen Tonnen Leid. Tendenz: steigend – mit drastischen Folgen für die Umwelt. Aber es steigt auch die Zahl der Stimmen, die es satt haben, sich an diesem Verbrechen zu beteiligen. Der Dokumentarfilm „Akte Fleisch“ befasst sich mit den globalen Auswirkungen einer mörderischen Industrie und lässt Ärzte, Wissenschaftler und Ernährungsexperten zu Wort kommen. Auch Metzger und Schlächter erzählen von ihrem blutigen Alltag. 

"Das Fleisch, das wir essen, ist ein zwei bis fünf Tage alter Leichnam" (Volker Elis Pilgrim, Schriftsteller).

Gerd Altmann  / pixelio.de

Fleisch und Gesundheit


1950 lag der Fleischverbrauch pro Kopf in Europa noch bei 26 Kilogramm, 2012 liegt er bei über 60 Kilogramm. Dieser Anstieg ist nicht folgenlos für die Gesundheit der Konsumenten. Dr. Annemarie Groß vom Internationalen Institut für Ernähurungsheilkunde erklärt, dass Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Gicht, Gelenkerkrankungen und Tumorerkrankungen mit dem Fleischkonsum zunehmen.


"Wissenschaftlich längst widerlegt" sei, dass Fleisch für die menschliche Gesundheit notwendig ist, sagt Doktor Hans-Günther Kugler, Experte für Mikronährstoffmedizin.  Das Schlaganfallrisiko bei Frauen korreliere mit dem Fleischkonsum. Wohlstandskrankheiten verursachen rund 30 Prozent aller Ausgaben im Gesundheitssystem. Tendenz steigend.  1,7 Milliarden Übergewichtige gibt es nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Übergewicht ist die Hauptursache für Diabetes.  Prof. Dr Claus Leitzmann vom Institut für Ernährungswissenschaften in Gießen ergänzt: "Cholesterin findet sich nur in tierischen Lebensmitteln., auch gesättigte Fettsäuren überwiegend in tierischen Lebensmitteln, ebenso Purine, die zur Gicht führen können.“


Auch das Risiko für Darmkrebs und Magenkrebs steigt. Argentinien und Uruguay, die beiden Länder mit dem meisten Rindfleischkonsum, verzeichnen die höchste Rate an Brust- und Darmkrebs. Fleisch kann auch die Gedächtnisleistung negativ beeinflussen. Es gebe Hinweise für einen Zusammenhang mit Alzeimer, sagt Kugler. Die Aussage "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft" ist "fahrlässig, wenn nicht absurd", resümiert Kugler.

Fleisch und Hunger


Jährlich werden unvorstellbare 250 Millionen Tonnen Fleisch verbraucht, 2050 sollen es sogar nochmal doppelt soviel sein, laut einer Prognose der Welternährungsorganisation FAO. Das hat drastische Folgen für Umwelt, Klima, Tiere - und Menschen. Rund ein Drittel der weltweiten Getreideernte wird als Tierfutter verwender. "Ohne den Umweg über den Tiermagen könnten mit der gleichen Menge Soja und Getreide rund zehnmal so viele Menschen satt werden", heißt es in dem Film. Zudem trage die Nutztierhaltung in großem Umfang zur Abholzung des Regenwaldes bei: 70 Prozent der abgeholzten Regenwaldfläche in Lateinamerika ist in Weidefläche umgewandelt worden.


Für die Herstellung von nur einem Kilo Fleisch werden bis zu 20.000 Liter Wasser verbraucht und 50 Quadratmeter Regenwald zerstört., die Umweltbelastung entspricht einer Autofahrt von etwa 259 Kilometern. Skandalös, dass angesichts dieser Fakten die Fleischproduktion über verschiedene Subventionen auch noch zusätzlich politisch unterstützt wird. Es ist eine Irrlehre, Fleisch sei ein Grundnahrungsmittel. Nicht zuletzt deshalb fordert unter anderem die Welternährungsorganisation FAO die Einführung einer Fleischsteuer in ihrem Jahresbericht 2009: „Das ist ein möglicher Weg um sicherzustellen, dass Produzenten, deren Tätigkeiten zu Umweltschäden führen, auch für diese Schäden gerade stehen müssen“. Indess schreitet der Klimawandel weiter voran. „Der blaue Planet wird durch die Fleischproduktion zerstört – das ist wissenschaftlich belegt und wir müssen davon abkommen“, resümiert Dr. Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater der Tierrechtsorganisation Peta.

Fleisch und Tierleid 

 

98 Prozent der angebotenen Fleischprodukte stammen aus konventioneller Massentierhaltung – also auch die Produkte vom „Metzger nebenan“. BUND-Chef Hubert Weigert fordert deshalb, die  Haltungsbedingungen zur Abschreckung auf den Etiketten der Fleischprodukte abzubilden. Schweine gelten als ebenso intelligent wie ein dreijähriges Menschenkind. Sie weinen, empfinden Trauer und Angst. Das gilt für Bio-Schweine genauso, wie für alle anderen. Das Schreien der Tiere, die einen mit großen Augen angucken, die Tränen der Kälber, wie hält man das aus? Der ehemalige Schlachter Hubert Liebertz bestätigt, was jeder ahnt: „Wenn man den Beruf eine gewisse Zeit lang macht, stumpft man einfach nur ab“. Die meisten seiner Kollegen seien irgendwann zu Alkoholikern geworden. Er selbst konnte irgendwann nicht mehr. Als er ein weinendes Kalb sah, hängte seinen Beruf  an den Nagel und wurde zum Vegetarier. Es ist die Banalität des Bösen, die ein anderer Metzger, angesprochen auf seine Tätigkeit, ausspricht: „Der Tod im Lebensmittelbereich gehört mit zum Leben. Wir produzieren hochwertigste Lebensmittel für den Verbraucher. Insofern ist das Thema Blut für mich zum Prozess gehörig.“ Ein anderer Schlachter spricht die ganze Verlogenheit der verbrecherischen Fleischindustrie in einem einzigen entlarvenden Satz aus: „Wir wollen Menschen nicht an die Tötung eines Tieres heranführen. Da würden wir Befindlichkeiten wecken, die wir nicht wecken wollen.“

 „Wären Schlachthäuser aus Glas, wäre jeder Vegetarier“, hatte der Vegetarier Paul McCartney einmal gesagt. Das ist wohl nur eine Wunschvorstellung. Man kann aber davon ausgehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine Tiere mehr essen würde, wenn die Tötungsstätten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden. Tiere werden nur noch als Produktionsmittel und nicht mehr als Lebewesen gesehen. Massentierhaltung gehört zu den schlimmsten Verbrechen der Menschheit. Es ist höchste Zeit, die Menschheit damit zu konfrontieren. 

"Akte Fleisch"- Der komplette Film:





 


 

Sonntag, 19. August 2012

Das Ende des Schlachtens?

Steaks aus Biotinte mit dem 3D-Drucker - das US-Unternehmen Modern Meadow plant nichts Geringeres, als die Revolutionierung der Fleischindustrie. Die Methode würde das grausame Schlachten überflüssig machen und Ressourcen schonen.

Ist Tiermord bald Geschichte? Foto: Stefan Schneider/pixelio
 Mit der Technik des Bioprinting will die Firma essbares Fleisch und Leder aus lebenden Zellen erzeugen.  Ein 3D-Drucker verhilft dem Gewebe zu einer festen Konsistenz. In einem Bioreaktor soll das Gewebe anschließend zu einem fertigen Produkt reifen. Hinter der Firma stehen Gabor und Andras Forgacs, die bereits die Bioprinting-Firma Organovo ins Leben gerufen haben. Organovo produziert organisches Gewebe für medizinische Zwecke, wie zum Beispiel Transplantationen. Andras Forgacs appeliert mit dem Vorhaben an das Gewisssen der Fleischkonsumenten: "Die Verwendung von Ressourcen bei der Herstellung eines Hamburgers ist eine Umweltkatastrophe", sagte Forgacs dem Newsportal Cnet. Die Produktion von Fleisch aus Biotinte würde außerdem verhindern, dass Tiere in Massenhaltung leiden und sterben müssten.

Wie umweltschädlich die Produktion von Fleisch ist, wird erneut in einer Studie deutlich, die das Journal of Animal Science veröffentlicht hat: Demnach werden für einen Hamburger aus 125 Gramm drei Kilo Fleisch, 200 Liter Wasser, sieben Qaudratmeter Land und über 40 Kilogramm Kohlendioxid verbraucht. Das entspricht einer Autofahrt von rund 200 Kilometern. Die 3D-Druck-Methode würde hingegen eine deutlich bessere Ökobilanz ermöglichen: Informationen des Guardian zufolge, werden bei der Herstellung von Loaborfleisch 96 Prozent weniger Treibhausgase und 55 Prozent weniger Energie verbraucht.

Untersützung soll von der Stiftung des Milliardärs Peter Thiel im Rahmen des Programms Breakout Labs kommen, der das Projekt mit 350.000 US-Dollar vornantreiben will. "Modern Meadow kombiniert regenerative Medizin mit dem 3D-Druck, um sich eine wirtschaftliche und mitfühlende Lösung für ein globales Problem vorzustellen", begründete Lindy Fishburne, die Leiterin von Breakout-Labs die Unterstützung: "Wir hoffen, unsere Unterstützung wird sie durch das frühe Entwicklungsstadium bringen, damit sie ihre spannende Vision umsetzen können." Werden Schlächter also bald arbeitslos? Hoffen wir´s.



Sonntag, 29. Juli 2012

Marathonläufer Mark Hoffmann: "Vegane Ernährung ist die Abkehr vom Extremen"

"Laufen gegen Leiden" lautet das Motto des 35-jährigen Marathonläufers Mark Hoffmann. Der Veganer setzt seine Energie dafür ein, auf das Unrecht und Leid aufmerksam zu machen, das den Tieren täglich angetan wird - in einer Gesellschaft, die an ihrer Doppelmoral krankt. Hoffmann will Vorbild für einen verantwortungsbewussten Lebensstil sein, ohne andere dabei zu missionieren.

Marathonläufer Mark Hoffmann
"Es dauerte knapp bis vor einem Jahr als mich nach dem Konsum meiner letzten fleischhaltigen Mahlzeit ein starkes Gefühl des Ekels und der Schuld überkam. Ich erkannte plötzlich, dass ich Teil von etwas Furchtbarem war und dies nie wieder sein wollte", beschreibt Hoffmann seine Abkehr von der tierischen Ernährungsweise: "Ich sah mich konfrontiert mit dem gesammten Elend und Leid dieser Welt und hundertausend Augen sahen mich an. Und ich war völlig nackt und hatte zu meiner Verteidigung nichts zu sagen."

Noch immer glauben viele, vegane Ernährung würde zwangsläufig zu Mangelerscheinungen führen. Dass dem nicht so ist, dass tierfreie Ernährung sogar förderlich zur Erlangung sportlicher Höchstleistungen sein kann, hat schon Patrik Baboumioan bewiesen, Gewinner der "Strongman-Meisterschaften" 2011 und damit "stärkster Mann Deutschlands". Wie Hoffmann setzt sich auch Baboumian öffentlich für die Rechte der Tiere und eine vegane Ernährung ein.

In einem Spiegel-Interview erklärt Hoffman, warum eine vegane Ernährung nicht "extrem" ist, wie die Frage des Journalisten suggeriert, sondern das genaue Gegenteil: "Ich finde es viel extremer, Tiere genetisch zu optimieren und unter Drogen gesetzt in enge Boxen einzupferchen. Tierversuche, Massentierhaltung - das ist extrem." Allerdings wolle er niemanden missionieren: "Das löst bei vielen den gegenteiligen Effekt aus. Ich lebe lieber vor und hoffe auf Nachahmer."

Hoffmann läuft gegen die vorherschende Gleichgültigkeit und die Doppelmoral, die es ermöglicht, dass Milliarden Tiere unter katastrophalen Bedingungen gehalten und misshandelt werden. Ihm geht es darum, "auf die schrecklichen Dinge hinzuweisen, vor denen ich selbst jahrelang den Kopf in den Sand gesteckt habe". Das erfordert eine Auseinandersetzung mit "der industriellen Massentierhaltung und deren abscheulichen Erfindungen und Praktiken. Mit dem Schulterzucken der Pelzträger. Mit der Doppelmoral welche es gesellschaftlich ächtet, einem Hundewelpen ins Gesicht zu treten, aber gleichgültig der Tatsache gegenübersteht, dass männliche Küken in Fabriken mit Schaufeln in überdimensionale Schredder geschippt werden. Mit der Entrechtung von Tieren."
  
Hoffmanns nächstes Projekt ist ein Spendenmarathon am 28. Oktober 2012 in Frankfurt am Main zugunsten von Seashepherd. Die Tierschutzorganisation setzt sich dafür ein, "die Zerstörung der Lebensräume und das Abschlachten der Tiere in den Weltmeeren zu beenden, um die Ökosysteme und Spezies nachhaltig zu schützen und zu erhalten". 

In der Zeit von 17. bis 20. Mai 2013 soll der "Staffellauf B12" folgen - ein Ultramarhonlauf entlang der 440 Kilometer langen Bundesstraße 12. Ausschließlich vegane Läufer sollen die jeweils 50 Kilometer langen Streckenabschnitte in gleichstarken Gruppen absolvieren. 

Donnerstag, 12. Juli 2012

Ethik und Ernährung: Süddeutsche Zeitung fordert Fleischverbot

Ernährung ist keine Privatsache. Das hat nun auch die Süddeutsche Zeitung erkannt. In einem aufrüttelnden Artikel schildert SZ-Autorin Petra Steinberger, warum wir kein Fleisch mehr essen sollten.

Foto: Dieter Schütz / pixelio
Ohne Umschweife kommt der Artikel zur Sache und nennt wesentliche (eigentlich hinlänglich bekannte) Problematiken der tierischen Ernährung: "Welthunger, Massentierhaltung, Kohlendioxid-Problem, überfischte Meere". In den vergangenen drei Jahrnzehnten hat sich der weltweite Fleischkonsum verdreifacht. Massentierhaltung ist eine der grausamen Folgen der Industrialisierung. Pro Jahr verschlingt der Durchschnittsdeutsche fast 100 Kilo Fleisch und Fisch  - damit muss Schluss sein.

"Es wird Zeit, sich vom Konsum von Tieren zu verabschieden" stellt Steinberger klar, denn wir brauchen kein Fleisch zum überleben.Vielmehr könnte es überlebenswichtig werden, kein Fleisch mehr zu essen: "Wir riskieren das Leben auf diesem Planeten, das ökologische Gleichgewicht, und ganz oben bei den Schuldigen steht unser Fleischverzehr. Der Konsum getöter Land- und Wassertiere. Wir werden ihn einschränken müssen, drastisch. Ihn vielleicht ganz aufgeben. Das gilt nicht nur für Rind, Schwein oder Geflügel. Es gilt genauso für Fische; und langfristig wohl auch für die Menge und Art, in der wir tierische Produkte insgesamt gebrauchen".

Für die perverse Gier nach Tier werden weltweit pro Jahr 53 Milliarden Landtiere ermordet, "oft nach Lebensumständen, die wir unseren Haustieren niemals zumuten würden".  Steinberger erklärt das so: "Der Skrupel, den die ersten Zivilisationen bei der Tötung von Tieren empfanden und den sie durch Rituale aufzufangen suchten, haben wir längst verdrängt. Vielleicht weil wir einen neuen Namen für diese biologische Lebensform gefunden haben: Vieh. Das klingt weniger nach Tier. Weniger nach Lebewesen." 

Es sind diese Bilder, die der Fleischesser gekonnt verdrängt, wenn er sich sein nächstes Schnitzel oder den tausendsten Hamburger in einer der Massentötungs-Fast-Food-Ketten reinzieht: "Tiere stehen in ihrem Kot, leben in ewiger Dunkelheit, Kälber werden der Mutter weggenommen, die Milch und noch mehr Milch produzieren muss, Schnäbel, Hörner, Schwänze, Hoden werden routinemäßig ohne Betäubung entfernt. Fische sind von Geschwüren übersät, werden von ihren Artgenossen erstickt und kannibalisiert, Rinder, Schweine, Vögel werden mit gebrochenen Gliedern zur Schlachtbank gezerrt, schwitzen Todesangst, sind oft nicht einmal tot, wenn sie aufgeschnitten, gerupft, in kochendes Wasser geworfen werden." Es ist traurig, dass man diese Bilder immer wieder bemühen muss, um gegen das Verdrängen anzukämpfen. Aber anders geht es nicht.

Hier sind die Medien in die Pflicht zu nehmen. Leider viel zu oft aber wird der Fleischkonsum angepriesen und dem Leser schmackhaft gemacht - auch im wöchentlich erscheinenden Magazin der SZ, wo sogenannte "Sterne-Köche" regelmäßig fleischlastige Rezepte vorstellen. Im Gegensatz zu vielen anderen Blättern ist die SZ aber zumindest schon das eine oder andere Mal mit fleischkritischen Artikeln aufgefallen. Etwa zu den gesundheitlichen "Folgen der Fleischeslust" anlässlich der Grillsaison, während von der Boulevardpresse nichts als unkritische Grilltipps zu lesen sind. Es wird höchste Zeit umzudenken. Tipp an die Presse: Einfach mal vegetarische Grillrezepte veröffentlichen.

Link zum Artikel: Nicht Fisch! Nicht Fleisch!





Sonntag, 10. Juni 2012

Bürgerinititative und Verein gegen Tierfabriken wehren sich gegen geplante Schweinefabrik

1080 Schweine sollen in einer geplanten Tierfabrik in Attendorf bei Graz auf engstem Raum eingesperrt werden. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative, die vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) unterstützt wird.

Foto: Vier Pfoten - Stiftung für Tierschutz  / pixelio
Am 30. Juni 2012 wollen sich 1080 Menschen versammeln - stellvertretend für die 1080 Schweine, die in dem Schweineknast eingepfercht werden sollen - um gegen den Bau dieser und anderer Tierfabriken zu demonstrieren. Die geplante Grundfläche des Baus wird abgesteckt und soll für die Dauer von etwa einer halben Stunde mit den 1080 Menschen gefüllt werden. Dazu wird es am Grazer Hauptplatz eine Versammlung geben. Außerdem sollen die Menschen in den betroffenen Gemeinden informiert, und die Aufklärungsarbeit zu dem dubiosen Projekt verstärkt werden.

Der für den Bau der Tierfabrik verantwortliche Schweinebauer habe bereits 2009 bekanntgegeben, seinen Betrieb vergrößern zu wollen. Damals habe er sogar 1200 Schweine einsperren wollen. Das hatte zu einem großen Aufschrei in der Bevölkerung geführt, wie der Verein gegen Tierfabriken in Österreich berichtet: "Nun, mehr als zwei Jahre später, gibt es neue Pläne: der Bauplatz ist ein paar Meter vom Dorf weggerückt, und 'nur' noch 1080 Tiere sollen in die Halle. Laut Bauplan stehen jedem Schwein exakt 0,7 m² zur Verfügung - genauso viel, wie das Gesetz minimal vorschreibt."

Das Anliegen der Bürgerinitiative sind zum einen der Schutz der Schweine und zum anderen der Schutz ihres eigenen Lebensraumes:  "Denn solche Tierfabriken bringen auch für die Umgebung Lärm-, Geruchs- und Staubbelastung mit sich. Und ein Betonklotz, von dem die AnrainerInnen wissen, wie viel Tierleid darin verborgen ist, belastet ebenfalls. Die Folge ist auch eine Abwertung der Grundstücke - neben der Abwertung der Lebensqualtiät der Menschen, die bereits dort wohnen", schreibt der Verein gegen Tierfabriken weiter.

Die Familie des Bauwerbers betreibe auf dem Bauernmarkt am Lendplatz in Graz seit einigen Jahren einen Stand - genauso wie der Bürgermeister, der bei dem Bauvorhaben ebenfalls eine fragwürdige Rolle spiele. Daraufhin hatten Aktivisten der Bürgerinitiative und von VGT eine gemeinsame Versammlung in der Nähe des Bauernmarktes abgehalten, Flugblätter verteilt und Unterschriften gegen den Bau der Schweinefabrik gesammelt.





Samstag, 9. Juni 2012

Stärkster Mann Deutschlands ist Veganer

Der Leistungssportler und Veganer Patrik Baboumian darf sich seit seinem Sieg bei den "Strongman-Meisterschaften" im August 2011 offiziell der "stärkste Mann Deutschlands" nennen. Er ist der Beweis, dass Kraft - entgegen gerne verbreiteter Klischees - nichts mit Fleischkonsum zu tun hat.

"Die stärksten Tiere der Welt sind Pflanzenfresser: Büffel, Gorillas, Elefanten und ich". Mit diesem Slogan wirbt Baboumian für die Tierrechtsorganisation Peta. 200 Kilo kann er über seinen Kopf stemmen. "Ich bin ein Mensch, der sehr schlecht mit Widersprüchen in seinem eigenen Verhalten klarkommt", begründet der Psychologie-Student, der sich selbst als tierlieb bezeichnet, seinen Verzicht auf Fleisch.

Nach seiner Ernährungsumstellung ist er nicht etwa schwächer, sondern sogar stärker geworden:  "Aus einem ganz einfachen Grund: Fleisch ist eine riesige Belastung für den Stoffwechsel". Ohne Fleisch sei man in der Lage, mehr von den Sachen zu essen, die den Körper weniger belasten. Die nötigen Kalorien holt sich der Potsdamer gerne auch im veganen Restaurant des Berliner Kochs Björn Moschinski, mit dem er befreundet ist.

Über seinen Alltag als Sportler, seine Ernährung und den Bruch mit der tierverarbeitenden Industrie, die Tiere als Ware ansieht und versklavt, sprach der Veganer am 8. Juni 2012 in der NDR-Talkshow:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndr_talk_show/videos/ndrtalkshow1433.html

Donnerstag, 7. Juni 2012

Peta macht mit Sex-Domain und "Hardcore-Videos" auf Tierleid aufmerksam

Sex sells: Diesen Leitsatz macht sich Peta schon seit langem zunutze - etwa mit der Kampagne "Lieber nackt als im Pelz" - um auf das unbeschreibliche Leid aufmerksam zu machen, das Menschen den Tieren jeden Tag weltweit zufügen. Nun ist die Tierrechtsorganisation einen Schritt weiter gegangen und hat eine Sex-Domain gestartet, auf der unter anderem "Hardcore-Videos" und "Sexy Photos" zu sehen sind.

Mit nackter Haut gegen Tierleid. Foto: Peta
Auf www.peta.xxx findet der User Photos von Peta-Kampagnen auf denen leichtbekleidete Frauen Schilder in der Hand halten, mit Aufschriften wie "Only Animals Should Wear Fur" (Nur Tiere sollten Pelz tragen) oder "Animals Are Not Ours to Wear" (Tiere sind nicht dazu da, von uns getragen zu werden). Die Rubrik "Sex Tipps" stellt die Vorzüge von Gemüse vor. Beispielsweise von Spargel, der die Hormonproduktion ankurbelt oder der Karrote, die dank ihres hohen Gehalts an Vitamin A die Spermienproduktion anregt.

Wer auf die "Hardcore Videos" klickt, findet weniger leicht verdauliche Kost: Hier zeigt Peta die nackte und traurige Wahrheit der modernen Tierquälerei. Das Video "Meet your Meat" zeigt die Grausamkeiten der Massentierhaltung. Verkrüppelte Hühner, die nicht mehr stehen können, Hühner die bei lebendigem Leib entfedert werden, die ihr Dasein in Käfigen fristen müssen, die so eng sind, dass sie sich nicht einmal bewegen können.
Weiter geht es mit Kühen, die bereits lahm sind, wenn sie vor den Schlachter geführt werden, deren Babys ihnen kurz nach der Geburt entrissen werden, Schweinen, die nie in ihrem Leben das Tageslicht sehen, gefangen in Käfigen, gerade einmal so groß wie sie selbst, schreienden Ferklen die kurz nach der Geburt bei lebendigem Leib kastriert werden... die Liste der Grausamkeiten könnte beliebig fortgesetzt werden.

Es sind Bilder, die sprachlos machen, auch wenn man sie nicht zum ersten Mal sieht. Wer immer noch Appetit auf Fleisch hat, nachdem er diese Videos gesehen hat, dem ist nicht mehr zu helfen.
Weitere Videos zeigen etwa das Leid von Zirkustieren oder Mäusen in Versuchslaboren.

"Es gibt mehr im Leben als Sex und wir wissen, dass du viele Interessen hast", begründet Peta die neue Kampagnge: "Jetzt ist es an der Zeit, ein paar Videos zu sehen, die als dermaßen 'hardcore' und 'widerwärtig' eingestuft werden, dass sich kein Fernsehkanal getraut hat, sie zu zeigen. Peta glaubt, dass Tiere nicht zum gegessen oder getragen werden oder für Experimente und Unterhaltung da sind. Wir nutzen jede vorhandene Möglichkeit, diese Botschaft zu verbreiten. Für Tiere kann sie den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten."

Peta-Doku "Meet Your Meat"

Donnerstag, 24. Mai 2012

Neues Tierschutzgesetz ist unzureichend

Das neue Tierschutzgesetz, welches das Bundekabinett laut Regierungskreisen beschlossen hat, bringt keine strengeren Auflagen für die Massentierhaltung insgesamt. Die lediglich kosmetischen Verbesserungen betreffen nur ein paar Tierarten. Peta bezeichnet das Gesetzesvorhaben als "Lachnummer"

Die Gesetzesnovelle von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) soll im Herbst dieses Jahres in Kraft treten. Dann sollen für Forschung, Züchtung und Zirkusse strengere Vorschriften gelten. So soll es künftig nicht mehr erlaubt sein, Pferde mit einem Brandeisen zu markieren, Tierversuche mit Menschenaffen sollen weitgehend untersagt werden und Ferkel ab 2017 nicht mehr ohne Betäubung kastriert werden.

Die Pläne der Bundesregierung sind damit völlig unzureichend und bleiben weit hinter den erforderlichen Maßnahemn und der gesellschaftlichen Entwicklung zurück. Die Grüne Bundestagsfraktion fordert unter anderem, dass Ferkel ab sofort nur noch mit Betäubung kastriert werden müssten und dass Tiertransporte nicht länger als vier Stunden dauern dürften.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, sind auch für Zirkustiere Beschränkungen geplant: "Nach Kritik an den Haltungsbedingungen von Zirkustieren sieht der Gesetzentwurf eine Ermächtigung vor, dass bestimmte Wildtierarten in der Manege per Verordnung verboten werden können, wenn bisherige Maßnahmen nicht reichen. Der Bundesrat hatte ein Verbot etwa für Bären und Elefanten gefordert, da Tierschutzprobleme bei häufigen Transporten nicht zu vermeiden seien." Die Tierrechtsorganisation Peta kritisiert diesen unkonsequenten Vorstoß und unterstreicht ihre Forderung, alle Wildtiere in Zirkusbetrieben zu verbieten: "Alles andere als ein komplettes Verbot wäre eine beschämende Lachnummer, die Peta nicht akzeptieren wird", so Peta-Wildtierexperte Peter Höffken.

Völlig ad absurdum wird das Gesetz mit der geplanten Regelung geführt, den freien Auslauf von Hauskatzen per Verordnung zu verbieten. Tiere per Gesetz einsperren zu lassen, kann beim besten Willen nicht im Sinne eines artgerechten Tierschutzes sein. 

Ein Tierschutzgesetz, das diesen Namen auch verdient, müsste ohnehin auf einem völlig anderen Fundament stehen: Nicht das kastrieren von Schweinen ohne Betäubung verbieten, sondern das Kastrieren von Schweinen überhaupt verbieten. Nicht die Zeiten von Tiertransporten verkürzen, sondern Tiertransporte grundsätzlich untersagen. Nicht die Bedingungen von Schlachttieren minimal verbessern, sondern das Halten von Schlachttieren prinzipiell verbieten. Erst ein Gesetz, welches das Töten, Quälen und Essen von Tieren vollständig verbietet, hat den Namen eines Tierschutzgesetzes verdient. Das erfordert allerdings letzlich einen Paradigmenwechsel - weg von schützenwerten Objekten, hin zu Subjekten, die ein Recht auf ein unversehrtes Leben in Freiheit haben. Ein Gesetz unter diesen Bedingungen würde nicht beim bloßen Schutz stehen bleiben sondern die Rechte der Tiere betonen.

So allerdings bleibt das "Tierschutzgesetz" nichts weiter als ein billiges Feigenblatt der Bundesregierung.



Sonntag, 15. April 2012

Das Leben der Schweine

Sie werden geboren, um geschlachtet zu werden. Durchschnittlich lebt ein Schwein in Deutschland gerade mal sieben Monate, bevor es getötet wird - dabei könnten die Tiere über zehn Jahre alt werden. Schweine sind intelligent, empfindsam - und uns Menschen ähnlicher als die meisten denken. Dennoch kennen die meisten Vertreter unserer Gattung Schweine nur als Schnitzel oder Wurst auf ihrem Teller. "Was ist das Schwein eigentlich für ein Mensch?" - dieser Frage geht das Wissenschafts-Fernsehmagazin des WDR "Quarks&Co" in der Reportage "Ein Schweineleben" vom 14. 04. 2012 nach - und räumt mit alten Vorurteilen auf.

"Schweine sind uns Menschen ähnlicher als man meint", erklärt Moderator Ranga Yogeshwar. Sie sind intelligenter als Hunde, Katzen oder Pferde und haben mit den Menschen genetisch viel gemeinsam. Doch die sensiblen und geselligen Tiere "sind hierzulande immer mehr so etwas wie Produktionsware auf vier Beinen", sagt der Physiker und Wissenschaftsjournalist. Schweinefleisch ist nach wie vor unglaublich günstig. Durchschnittlich 40 Kilogramm Schweinefleisch konsumiert jeder Deutsche pro Jahr.

Ein normales Schweineleben in Deutschland sei den Zuschauern nicht zumutbar, bekam das Fernsehteam in der Landwirtschaftskammer von Nordrhein-Westfalen bei seinen Recherchen zu hören. "Ich kann dem nur zustimmen", gesteht Yogeshwar, bei dem Film habe man einige besonders grausame Bilder daher außen vor gelassen.

"Doch wenn man ehrlich ist, wenn man über Fleisch redet, dann muss man eigentlich auch die anderen Bilder sehen", meint Yogeshwar. So zeigt die Doku zum Beispiel männliche Ferkel, die bei lebendigem Leib, ohne Narkose, kastriert werden - 30 Millionen Mal pro Jahr! Erst 2017 soll diese grausame und sinnlose Prozedur in Deutschland verboten werden.

600 Schweine pro Jahr erzeugt ein mittelgroßer Betrieb. Das ist nur möglich, wenn man Fleisch wie am Fließband produziert. Jedes Jahr werden hierzulande 60 Millionen Schweine geschlachtet. Das hat auch Folgen für die Umwelt, zum Beispiel für den Regenwald in Südamerika: 2,2 Millionen Hektar werden dort als Anbaufläche für Soja verwendet, nur um die Schweine in Deutschland zu ernähren. 2, 2 Millionen Hektar - das entspricht der Fläche des Bundeslandes Hessen.

Das Schwein ist der Deutschen Lieblingstier - leider nur auf dem Teller. Deutschland ist der größte Schweinefleischerzeuger in der Europäischen Union. Der Großteil dieser Tiere verbringt sein kurzes Leben in grausamer Massenhaltung. Und die Deutschen werden immer dicker und kränker.

Link zur Sendung "Quarks&Co":  http://www.wdr.de/tv/quarks/

Dienstag, 10. April 2012

Skandalkonzern Wiesenhof: Tierquäler sollen bestraft werden

Der Massentötungskonzern "Wiesenhof" kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen heraus. Mehrmals wurden tierquälerische Zustände nachgewiesen, die bei dem Geflügelkonzern Methode haben. Ein Verfahren gegen Wiesenhof  wurde wieder eingestellt. Nun sollen die Tierquäler doch noch wegen "Vergehens gegen das Tierschutzgesetz" bestraft werden.

Aufzucht von Legehennen. Foto: Peta Deutschland e.V. / pixelio.de

Wie die Taz berichtet, gibt es nun doch eine Chance, dass Führungskräfte und mehrere Mitarbeiter von Deutschlands größtem Geflügelfleischkonzern wegen Tierquälerei vor Gericht müssen: "Die Generalstaatsanwaltschaft Celle hat angeordnet, die Ermittlungen wegen Misshandlung von Hühnern auf einer Farm in Twistringen wieder aufzunehmen".  
   
Die Staatsanwaltschaft Verden hatte das Verfahren Ende vergangenen Jahres zunächst wieder eingestellt. Grund waren nicht etwa falsche Beschuldigungen, sondern die "rechtswidrige" Aufnahme eines Videos. Der Film zeigte unter anderem das Genickbrechen von Hühnern ohne Betäubung.

Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Jörg Fröhlicher, widerspricht nun der Staatsanwaltschaft Verden:. „Angesichts des Ausmaßes der möglichen Vergehen gegen das Tierschutzgesetz sind wir zu dem Schluss gekommen, dass kein Beweisverwertungsverbot vorliegt“

"Das System Wiesenhof - Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet"
Januar 2010: Das ARD-Politmagazin "Report Mainz" deckt schwere Tierschutzverletzungen (Haltungsbedingungen und Tötungsmethodik)  in einem niedersächsichen Hühnerzuchtbetrieb auf. Daraufhin entschuldigt sich Wiesenhof und trennt sich von verantwortlichen Mitarbeitern und Fremdfirmen.
"Hinter der Wiesenhof-Kulisse herrschen extrem tierquälerische Zustände, die keine Ausnahme, sondern die Regel sind": Diese Aussage der Tierrechtsorganisation PETA wird durch die ARD-Reportage "Das System Wiesenhof - Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet" erneut bestätigt: Aufnahmen, die nachweisbar in einem PHW-Betrieb von Tierschützern gemacht wurden, bekräftigen die Vorwürfe. Die Tierhaltung und der Wiesenhofbetrieb waren auf dem Videoausschnitt eindeutig zu erkennen.
Pro Woche schlachtet die PHW-Gruppe rund 4,5 Millionen Hähnchen.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wiesenhof

Samstag, 31. März 2012

Nie wieder Fleisch!

"Nie wieder Fleisch?" heißt ein sehenswerter Film beim Arte Themenabend. Der Dokumentarfilm setzt sich kritisch mit dem verlogenen Mythos der Fleischindustrie auseinander, die den Konsumenten eine heile Welt mit gesunden Produkten vorgaukelt. 

"Nie wieder Fleisch?" geht den globalen Folgen der Massentierhaltung und Massenproduktion auf den Grund.  "Was auf dem Teller liegt, entspricht nicht dem was uns die Werbung verspricht", kritisiert Christoph Labbé, Journalist bei dem französichen Wochenmagazin "Le Point". "In der Realität leben die meisten Tiere weder im grünen, noch ist ihr Fleisch besonders gesund", stellt die Doku klar: "Viele Hühner überstehen die kurze Mastzeit in Massenhaltung nicht ohne Medikamente - und die können durch Rückstände im Fleisch auch für den Menschen schädlich sein. Dicht an dicht zusammengepfercht auf dem eigenen Kot, werden die durch schnelles Wachstum gezüchteten Tiere oft krank". Kritisch setzt sich der Film auch mit dem dubiosen Massentötungsbetrieb "Wiesenhof" auseinander, der es mit seiner skandalösen Tierhaltung jüngst wieder in die Schlagzeilen geschafft hat.


Arlarmierend: In den letzten 50 Jahren hat sich der weltweite Fleischkonsum verfünffacht 

 Besonders in China nimmt der tägliche Fleischkonsum explosionsartig zu. 1980 aß jeder Chinese im Schnitt 14 Kilo Fleisch pro Jahr, mittlerweile hat sich der Fleischverzehr in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde mehr als vervierfacht. Eine der Folgen: immer mehr Chinesen leiden an Krankheiten, die zuvor nur im Westen bekannt waren - jeder dritte erwachsene Chinese hat inzwischen extremes Übergewicht. Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen steigen rasant an. Regelmäßiger Fleischkonsum erhöht das Risiko, frühzeitig an Krebs oder Herzinfarkt zu sterben, wie Harvard-Forscher herausgefunden haben.

Eine Drehgenehmigung in einem Schlachthof zu bekommen, sei fast unmöglich - und wenn dann nur unter der Auflage, dass man die Schlachtungen nicht zeigen dürfe, heißt es in dem Film: "Die Unternehmen gleichen oft streng bewachten Festungen, so, als hätte man etwas zu verbergen".
Immer wieder passiert es, dass betäubte Schweine aufwachen und bei lebendigem Leib ausgenommen werden. Schlachthöfe können die Mindestandards des Tierschutzes aufgrund der enormen Produktion nicht mehr einhalten, kritisieren Beobachter. Der Film zeigt auch Aufnahmen von Rindern, die bei lebendigem Leib aufgehängt und getötet werden. Das sei in vielen Betrieben die Regel und nicht die Ausnahme, sagen Experten. Auch Probleme wie die Zersörung des Klimas aufgrund von Methangasen durch die Massenhahltung von Rindern oder die Zerstörung von Märkten in Armutsregionen werden thematisiert. "Europa setzt auch weiter darauf, die Welt mit Fleisch zu versorgen. Es scheint egal zu sein, welchen Preis wir dafür zahlen", resümiert der Film.

Link zum Arte Themenabend "Nie wieder Fleisch?":
http://www.arte.tv/de/6449602.html

Samstag, 18. Februar 2012

Was sind "glückliche Schweine"?

Es ist der Gipfel der Perversion, was sich der Wurstverkäufer und PR-Mann in eigener Sache, Dennis Buchmann, da ausgedacht hat: Er will der Wurst "ein Gesicht geben". Ähnlich einer Partnerbörse sollen Konsumenten per Internet ein Schwein kennenlernen und aussuchen. Anschließend können sie gleich das Produkt auswählen, zu dem "ihr" Schwein verwurstet werden soll. Per Webcam soll der Käufer seinem todgeweihten "Schützling" vorher beim aufwachsen zusehen. Das Ziel: Dem Konsumenten das schlechte Gewissen nehmen.

Will Schweinefleisch zum Wohlfühlprodukt machen: Der "Pig Brother-mäßige" Biologe Buchmann
 "Ganze zehn Monate, und damit weit länger als seine Artgenossen im konventionellen Mastbetrieb, durfte Schwein 2 nach Lust und Laune fressen, grunzen, sich im Dreck wälzen. Möglich wurde soviel tierisches Glück, weil Dennis Buchmann eine Idee hatte", berichtet Spiegel.de euphorisch. Buchmanns Idee lautet: "meine kleine Farm", ein "Projekt", mit dem er per Internet Fleisch von "glücklichen Schweinen" (Spiegel.de) verkauft und vertreibt. Konsumenten sollen die todgeweihten Tiere vorher per Webcam "kennenlernen" - damit soll ein "bewussterer Fleischkonsum erzielt werden". In Buchmanns "Schweineshop" kann man sich ein Schwein online "auswählen". Auf der Webseite kann man sich Fotos des Schweins anschauen, um im Anschluss dann gleich die "Produkte " auszuwählen, zu denen das "glückliche Schwein" verarbeitet werden soll - Schlackwurst oder Mett etwa.

Per "Schweine-Pig-Cam", einer installierten Kamera, soll der Konsument dem Schwein "Pig Brother-mäßig" beim aufwachsen zugucken, soll sogar einen "Schweineführerschein" machen und etwas über die Schweine lernen.
Der Biobauer Bernd Schulz, der mit Buchmann zusammenarbeitet, schickt die Schweine dann auf ihre "letzte Reise". In einem Hänger verbringen die "glücklichen Tiere" dann die letzte Nacht vor der Schlachtung, wo sie sich noch einmal richtig ausscheißen sollen - "ausnüchtern" im Schweinebauernjargon. Am nächsten Tag werden die Schweine zum Schlachter gefahren.

Mit dieser Methode will Buchmann den Konsumenten das schlechte Gewissen nehmen, ihnen eine "positive Motivation" geben. Auf das fertige Produkt wird dann zum Schluss ein Foto des Schweins gedruckt, damit sich der Konsument sein auserwähltes Opfer vor dem Verzehr noch einmal ansehen kann.

Nun muss man fairerweise sagen, dass der Ansatz "Bewusstsein" zu schaffen völlig richtig ist, und dass eine solche Haltung in jedem Fall der grausamen Massentierhaltung vorzuziehen ist. Es ist ja gerade die Absicht der verlogenen modernen Fleischindustrie, den Konsumenten am besten gar nicht mehr daran zu erinnern, dass das anonyme Stück Fleisch auf seinem Teller einmal ein lebendes, fühlendes Wesen war.
Nur, wie kann ein Mensch, der auch nur ein bisschen empathiefähig ist, zu einem Lebewesen - das die gleichen Grundemotionen wie ein Mensch hat - erst eine Beziehung aufbauen, nur um es anschließend zu essen? Die Konsequenz sollte doch die sein, das Schwein am Leben zu lassen - gerade weil man erfahren hat, dass dieses Tier Emotionen besitzt und ganz bestimmt nicht "glücklich" ist, wenn es vor seinem Schlachter steht.

Buchmann möchte den Fleischessern das "schlechte Gewissen" nehmen. Wir leben allerdings in einer Gesellschaft, in der wir uns völlig problemlos ausgewogen ernähren können, ohne dass Tiere dafür leiden und sterben müssten. Mit diesem Bewusstsein kann es keinen Verzehr von Tieren ohne ein schlechtes Gewissen geben.

Auf der Internetseite des Wurstverkäufers Buchmann ist übrigens folgender Spruch zu lesen: "Wer auf anonymes Massenfleisch verzichtet und stattdessen nur ab und zu Fleisch mit Gesicht von glücklichen Schweinen kauft, der bringt gutes Karma für sich, die Tiere und den Rest der Welt."
Tiere töten als hipper Zeitvertreib für gelangweilte Großstädter - und obendrein gut fürs Karma? Damit entlarvt sich Buchmann gänzlich als Zyniker. Kritisch mit diesem "unideologischen" Lifestyle 2.0-Ansatz ("Schlachten per Mausklick") setzt sich in ihrem Blog auch die Autorin Kathrin Hartmann auseinander: "Ich stelle hier mal die kühne Behauptung auf, dass Schweine auf gutes Karma scheißen, sofern es bedeutet, dass sie dafür abgestochen und zu Wurst vermatscht werden, ja, selbst wenn die dann als "Meat on a Mission" verkauft wird": 
http://www.ende-der-maerchenstunde.de/index.php?/archives/154-Fleisch-essen-fuers-Karma-eine-Gute-Schlacht-Geschichte.html

Donnerstag, 26. Januar 2012

Tiere sind auch nur Menschen

Ein wegweisendes Essay von Iris Radisch aus der Zeit vom 12.08.2010, das den Argumenten unverbesserlicher Fleischesser mit überzeugenden Argumenten den Wind aus den Segeln nimmt.

Wer darf wen töten und warum? Es gibt keine ethische Begründung für die Schlachthäuser. Ein Plädoyer für den Vegetarismus

Wer darf wen töten und warum? Es gibt keine ethische Begründung für die Schlachthäuser. Ein Plädoyer für den Vegetarismus
Die alles entscheidende Frage, dürfen wir Tiere töten, um ihre Leichen zu essen, haben wir seit Ewigkeiten beantwortet. Vielleicht nicht mit dem Kopf, aber doch mit den Zähnen. Der Tieresser steht auf der Siegerseite der Evolution. Er ist der König der Nahrungskette.

Ausgiebiger Fleischgenuss signalisierte lange Zeit Wohlstand, und Wohlstand signalisierte soziale Integration. Je bedeutender der Mensch, desto größer die Fleischportion auf seinem Teller. Vegetarismus hingegen war eine Lebensweise mit dem zweifelhaften Odium einer sektiererhaften Marotte. Sie berief sich zwar gelegentlich auf eine ferne antike Überlieferung (die Orphiker und die Pythagoräer waren Vegetarier), entstand aber im fleischessenden Abendland recht eigentlich erst in den unübersichtlichen Umtrieben der Lebensreformbewegung am Ende des 19. Jahrhunderts, die ihrerseits eine politisch unzuverlässige, teils radikaldemokratische, teils völkische, in jedem Fall widerspenstige und anarchische Reaktion auf die Zwänge der beginnenden Industrialisierung war.

Der Vegetarier war ein Sonderling, ein Außenseiter der Gesellschaft. An ihm haftete der Makel, sich einem zentralen Übereinkommen des vernünftigen Zusammenlebens zu widersetzen. Wer nicht wie alle anderen Fleisch aß, war womöglich auch sonst zu nichts Ordentlichem zu gebrauchen. Zahlreich waren die Anekdoten, die das berufliche Missgeschick dieses oder jenes Großonkels auf die in meiner Familie seit Generationen verbreitete Unfähigkeit, Tiere zu essen, zurückführten.

Das alles scheint lange her zu sein und ist doch erst seit Kurzem vorbei. Heute ist der Vegetarismus in jedem Sinn in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vegetarische Speisegaststätten gibt es überall in den Innenstadtvierteln, in Berlin hat soeben die erste vegetarische Mensa eröffnet. Es gibt viele Intellektuelle und Künstler, die sich für den Vegetarismus einsetzen. Und es gibt einen Vegetarismus-Chic in den besseren Kreisen. Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Safran Foer hat gerade ein sehr erfolgreiches und viel diskutiertes Buch veröffentlicht, das uns in schönster Offenheit dazu auffordert, am besten keine und am zweitbesten weniger Tiere zu essen. Alles schön und gut. Bleibt nur noch die Frage, ob wir Tiere überhaupt töten dürfen.

Normalerweise werben die Vegetarier für ihre Lebensart, indem sie den Fleischessern die gesundheitlichen Nachteile ihrer Ernährungsweise mahnend vor Augen halten. Dazu zählen die vielen Herz- und Krebsleiden, die Übertragung von Viren und Giftstoffen, die Gefahr, an Osteoporose, Gicht, Rheuma, Bluthochdruck, Adipositas und so weiter zu erkranken. Das alles ist bedenkenswert. Für die Frage nach unserem Recht, Tiere zu töten, um sie zu essen, sind diese luxuriösen Diskussionen um die möglichen Zuwachsraten unseres ohnehin bereits beträchtlichen leiblichen Wohlergehens aber unerheblich.

Das gilt auch für den noch viel gewichtigeren Trumpf in der Hand der Vegetarier: die ungeheuere Belastung der Erde durch die Treibhausgasemissionen, die durch die Massentierhaltung entstehen. Gerade veröffentlichte das unabhängige Washingtoner Worldwatch Institute seine jüngsten Messungen, nach denen die Massentierhaltung nicht nur wie bisher angenommen für 18 Prozent, sondern sogar für über 50 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Fleisch essen ist schlimmer als Auto fahren.

Von dem unverantwortlichen Wasserverbrauch, der unwirtschaftlichen Vernichtung von Anbaufläche, der Rodung der Wälder zur Vermehrung von Weideflächen noch gar nicht zu reden. Niemand bezweifelt diese für unsere Überlebensaussichten äußerst betrübliche Diagnose. Sie ist ein starkes Argument für eine drastische Senkung des Fleischkonsums. Doch erspart auch sie uns nicht die alles entscheidende Frage, die man auch unseren ökologisch korrekten Urahnen hätte stellen müssen: Wer darf wen töten und warum?

Die Entscheidung ist bereits gefallen. Der Mensch genießt das Recht auf leibliche Unversehrtheit. Das Recht des Tieres, das wir ihm einräumen, besteht demgegenüber darin, vor dem Zerstückelt- und Ausgenommenwerden durch einen Metallbolzen, der ihnen den Schädel spaltet, betäubt oder an einem Haken kopfüber aufgehängt durch ein elektrisches Wasserbad gezogen zu werden.
Das Ungleichgewicht der Rechte springt ins Auge, wird aber außer von einigen Tierethikern wie Peter Singer, Tom Regans, Helmut F. Kaplan, Ursula Wolf und den unermüdlich, teils auch radikal kämpfenden Tierrechtsorganisationen wie Peta kaum infrage gestellt. Es ist die Grundlage dessen, was wir als Normalität bezeichnen. Aber was, wenn wir uns einfach geirrt haben? Ist es möglich, dass, was seit Jahrtausenden als normal gilt, dennoch ein ungeheueres Unrecht ist?

Ja, es ist möglich. Die Gründe, die wir für das eklatante Ungleichgewicht der Rechte zwischen Mensch und Tier geltend machen, sind allesamt windig. Überdies sind sie widersprüchlicher Natur. Sie stehen sich gegenseitig im Weg, weil sie sich wahlweise auf den tierischen oder auf den göttlichen Ursprung des Menschen berufen. Einerseits, heißt es, tötet der Mensch Tiere, weil er – selbst ein Tier – nicht anders kann.
Das ist die sogenannte Naturthese: Tiere fressen eben Tiere. Andererseits behauptet man, gerade die evolutionäre Überlegenheit des Menschen erlaube ihm, das Tier zu töten und mit seinen Leichenteilen Handel zu treiben. Das wäre die Kulturthese: Der Mensch isst Tiere, weil er besser ist als sie. Beide Begründungen hinken und sollten uns nicht ruhig schlafen beziehungsweise essen lassen. Einzig wer meint, dass man Tiere schon allein deswegen töten darf, weil ihre sterblichen Überreste, gut gebraten und gewürzt, gut schmecken, kann sich unbesorgt zu Tisch setzen (und wird betrüblicherweise spätestens an dieser Stelle die Lektüre des Artikels abbrechen).

 Welche Entschuldigung haben wir den vier Rindern, 46 Schweinen, vier Schafen, 46 Truthähnen, zwölf Gänsen, 37 Enten und 945 Hühnern, die jeder Fleischesser durchschnittlich in seinem Leben verspeist, für ihren Tod also zu bieten? Betrachten wir zunächst die Naturthese. Fleisch essen gehöre angeblich zur menschlichen Natur. Doch was ist die Natur des Menschen? Vor allem ist sie ein Wort, das, wenn es im Sinn von Ursprünglichkeit oder Gottgegebenheit verwendet wird, jede Diskussion beendet (siehe Natur der Frau, Natur der Schwarzen und so weiter).

Die akademische Debatte darüber, ob der Steinzeitmensch eher ein Pflanzen- oder ein Fleischfresser war, verliert sich schnell im Nachmessen der Darmzotten und des Zungendurchmessers. Die eine Fraktion beruft sich auf die Reißzähne und die Magensäure des Menschen, um ihn den Karnivoren zuzuschlagen. Der anderen gilt als Beweis für sein natürliches Pflanzenfressertum, dass er anders als jedes karnivore Tier Fleisch im rohen Zustand nicht herunterbekommt.

Für die Frage, ob wir dürfen, was wir tun, nämlich morden, um zu essen, spielt dieser Streit um die Ernährungsgewohnheiten des Menschen in der Frühzeit keine Rolle. Denn selbst wenn der Urmensch die Tiere den Blättern vorgezogen hat oder vorziehen musste, ist dies kein Grund, ihm nachzueifern. Seit Jahrtausenden ist der Mensch damit beschäftigt, die rohen Sitten seiner Urahnen zu zähmen und zu kultivieren. Ein Vorgang, den man Zivilisation nennt und der uns immerhin schon so weit gebracht hat, Zeitung zu lesen, zum Mond zu fliegen und von der Unsitte des angeblich besonders schmackhaften Menschenfleischverzehrs abzulassen (es gibt Berichte von bekehrten Wilden, die auf dem Totenbett in Erinnerung an die Menschenfleischgenüsse ihrer Kindheit vor Sehnsucht geweint haben sollen). Warum sollten wir ausgerechnet an der Fleischtheke in der Steinzeit stehen bleiben?

Auch die Mär, dass der Mensch von Natur so eingerichtet sei, dass er sich nur mit Fleisch gesund erhalten kann – noch vor wenigen Jahren häufig in seriösen Publikationen nachzulesen –, ist, abgesehen von kleinen Problemen bei einer dauerhaft veganen Ernährung, reiner Unsinn. Die Ernährungswissenschaft hat inzwischen nichts mehr gegen eine völlig fleischfreie Kost einzuwenden.
Womit das Naturargument an sein verdientes Ende kommt: Tiere essen ist purer Luxus. Nichts als ein paar Sekunden Gaumenkitzel, der einen blutigen Preis hat. Doch selbst die Fleischeslust kann völlig verschwinden. Wer noch nie Fleisch gegessen hat, kennt sie nicht einmal. Sie ist offensichtlich kein dunkler, unbeherrschbarer Naturtrieb, sondern nur eine Gewohnheit unter anderen Gewohnheiten. Eine, die man in der modernen Welt mühelos in wenigen Generationen verlernen könnte.
Bleibt das Kulturargument. Es läuft, vereinfacht gesagt, darauf hinaus, dass der Mensch das Tier essen darf, weil er Verstand und das Tier keinen hat. Der Mensch kann Klavier spielen und Porsche fahren, das Schwein kann sich nur im Sand suhlen. Was also liegt da näher, als es zu essen?

Was für ein Hochmut! Ein paar minimale Unterschiede im genetischen Code sollen uns dazu berechtigen, unsere nahen Verwandten, die Kühe, Schweine, Pferde und Schafe, essen zu dürfen? Das Tier, sagt die im Christentum gepflegte Legende, könne nicht denken und habe keine Seele. Sein »Mangel an Vernunft«, so Kirchenvater Augustinus, bestimme es zum Schlachtvieh, die »gerechte Anordnung des Schöpfers« habe sein »Leben und Sterben unserem Nutzen angepasst«. Im Inneren der Tiere befinde sich, glaubte Descartes, nur eine »Maschine«, im Inneren der Menschen hingegen »eine vernünftige Seele«. Mit solchen und ähnlichen Phrasen geben wir uns bis heute zufrieden, wenn wir festlegen, welches Leben wertvoll und zur Erhaltung und welches wertlos und zur Vernichtung bestimmt ist.
Was die Herren offenbar nicht bedachten: Setzte man sie einsam auf einer Palme im Dschungel aus oder hieße sie, im Winter nach Afrika zu fliegen, wären sie samt ihrer vernünftigen Seele ziemlich ratlos. Denn Tiere, zumindest unsere Verwandten, die Säuge- und Wirbeltiere, sind nur anders schlau als wir. Es wäre »pervers«, so der Harvard-Forscher Steven Pinker, »den Säugetieren das Bewusstsein abzusprechen«. Auch Vögel und andere Wirbeltiere hält er für »beinahe bei Bewusstsein«, nur bei niederen Tieren wie Austern und Spinnen verlieren sich die Gewissheiten in den unerfindlichen Abgründen der Schöpfung.

Das Rätsel des tierischen Innenlebens werden wir, eingesperrt in die menschliche Sicht der Dinge, nie ganz lösen, auch wenn wir uns mit dressierten Affen ganz passabel in Zeichensprache unterhalten, mit Pferden flüstern und unserem Hund ohnehin jeden Wunsch von den Augen ablesen können. Tiere leben in einem anderen Universum, die Botschaften, die wir von dort erhalten, können wir nicht alle verstehen. Doch der Respekt vor der fremden Intelligenz muss heute die alte Überheblichkeit ablösen.
Was, wenn die Tiere uns für ebenso seelenlos halten wie wir sie, nur weil wir so anders sind? Und was, wenn die Evolution noch eine Ehrenrunde dreht und eine Spezies hervorbringt, die uns für zu dumm hält und deswegen einsperrt und auffrisst? »Eines Tages«, frohlockte der erste Tierrechtler und Philosoph Jeremy Bentham im Jahr 1789, »wird man erkennen, dass die Zahl der Beine, die Behaarung der Haut und das Ende des os sacrum sämtlich unzureichende Gründe sind, ein lebendiges Wesen schutzlos den Launen eines Peinigers auszuliefern.« Der Tag ist gekommen.

Heute weiß man, dass sich der Mensch entgegen den frommen Wünschen der christlichen Philosophen hinsichtlich der Erbinformation nur geringfügig von den anderen Säugetieren unterscheidet. Das Nervensystem, die Verarbeitung von Reizen, Emotionen wie Angst und Panik sowie das Empfinden von Schmerzen sind bei Mensch und Tier identisch. Das komplizierte Paarungsverhalten, das Zusammenleben in Gruppen und Familien, die Fähigkeit, vorzusorgen und zu planen, die vielfältigen wortlosen Verständigungssysteme der Tiere untereinander weisen sie als unsere nächsten Verwandten aus. Die Unterschiede, die zwischen uns und ihnen bestehen bleiben, sind nur gradueller, aber keineswegs prinzipieller Natur.

In vielem sind Tiere dem Menschen sogar weit überlegen. Der Seh-, Hör- und Tastsinn ist bei den meisten Säugetieren höher entwickelt als bei uns. Vom genialen tierischen Navigationssystem, von den Feinheiten der Brutpflege, der beneidenswerten animalischen Work-Life-Balance, der Schönheit und Eleganz der Bewegung, dem bewundernswert genügsamen Lebensstil der Tiere gar nicht erst zu reden. Kurzum: Es gibt überhaupt keinen Grund, den Menschen Leidensfähigkeit und Lebensrecht zuzusprechen und es den Tieren abzuerkennen.

 Auch die sogenannte Kulturthese, nach der wir töten dürfen, weil wir so besonders klug sind, gehört also auf den Friedhof für ausgediente Ideologien. Rechtfertigen sollten sich nicht mehr diejenigen, die keine Tiere essen, sondern diejenigen, die es dennoch tun. Denn abgesehen von den kognitiven Fähigkeiten sind Tiere genauso Menschen wie Menschen umgekehrt Tiere sind. Doch während das Menschliche im Tier in seinen Angstschreien und seiner Todespanik in den Schlachthäusern nur allzu deutlich wird, hat der Mensch das Tier in sich auf seinem zivilisatorischen Siegeszug gezähmt oder ausgerottet. Furchtbares – so eine der zentralen Thesen der Frankfurter Schule – habe die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen, geschaffen war. Etwas von dieser Selbstverstümmelung, behauptete Max Horkheimer, werde in jeder Kindheit wiederholt. Und, genau besehen, auch bei jedem Mittagessen.

Die Verstümmelung und Herabwürdigung der Tiere zur toten Ware, und zwar ausgerechnet solcher Tiere, die uns am ähnlichsten sind (aus welchem anderen Grund sollten wir lieber Schafe und Schweine als Würmer und Käfer essen?), setzt die Gewalt gegen das Tier in uns selbst fort. »Es herrscht nicht nur Krieg zwischen uns und ihnen«, schreibt Jonathan Safran Foer in seinem neuen Buch, »sondern zwischen uns und uns.«
Wir haben das Tier in uns vergessen und vergessen das Tier, sobald es auf unserem Teller liegt. Das gehört zur Verhaltensweise der Kälte, der vielleicht zentralsten psychosozialen Technik fortgeschrittener Kulturen. Dennoch dürfte es wenige Fleischesser geben, die unbeeindruckt blieben, wenn sie sich der Unbequemlichkeit aussetzten, beispielsweise einen Film anzusehen, der ihnen zeigt, wie das Fleisch auf ihre Teller kommt (sehr häufig werden Tiere in der industriellen Schlachthausroutine nicht gründlich genug betäubt und schreiend bei lebendigem Leib gehäutet und zerstückelt). Der südafrikanische Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee erinnert in seiner bewegenden Erzählung Das Leben der Tiere an die »gewaltige gemeinschaftliche Anstrengung«, derer es bedarf, um »unsere Herzen vor den Schlachtstätten zu verschließen«.

Gleichwohl kultivieren wir inmitten dieser offensichtlichen Mitleidslosigkeit sonderbare Mitleidsnischen. Niemand möchte seinen eigenen Hund oder sein eigenes Pferd essen, obgleich Hunde und Pferde durchaus gegessen werden. Für unsere Katzen kaufen wir altersgerechtes Katzenfutter und lassen sie beim Tierarzt gegen Diabetes behandeln, während wir Kühe und Hühner, sauber in Cellophan verpackt, in der Tiefkühltruhe aufbewahren. Dabei ist die Artengrenze, die festlegt, welches Tier geliebt und welches gemordet wird, völlig willkürlich und abhängig von den Sitten und Moden.
Wenn wir die Tiere selbst töten müssten, die wir essen, würde der Fleischkonsum, der sich in den letzten 40 Jahren weltweit verdreifacht hat, vermutlich sprunghaft zurückgehen. Doch die Fleischindustrie, die uns das tote Tier, von Blut gesäubert und zur Unkenntlichkeit zerstückelt, ins Haus liefert, betäubt unsere Empathiefähigkeit. Es fällt uns schwer, uns in unsere Opfer hineinzuversetzen, sie uns als lebendige Individuen überhaupt noch vorzustellen. In diese Vorstellungslücke stoßen die Tiere als Haustiere, Filmhelden, Comic- oder Plüschfiguren.
Sie sind die einzigen Tiere, die viele Kinder neben den gebratenen Tierresten auf ihrem Teller noch kennenlernen. Doch sie sind nur Dekor, Erinnerungsstücke an die wirkliche Tierwelt, die selbst nicht mehr zu sehen ist. »Der Blick zwischen Tier und Mensch«, schreibt der Schriftsteller John Berger, »mit dem alle Menschen noch bis vor weniger als einem Jahrhundert gelebt haben, wurde ausgelöscht.«
Was folgt nun aus alldem? Für Jonathan Safran Foer folgt daraus, dass wir zumindest die industrielle Massenhaltung der Tiere unbedingt boykottieren sollten. Tiere müssen wieder artgerecht gehalten und sorgfältig, nicht am Fließband, geschlachtet werden. Und weil aber nahezu alle Tiere, die wir essen, aus Massentierhaltung stammen und in Todesfabriken geschlachtet werden, empfiehlt selbst der Wohlfühlvegetarier Foer, auf Fleisch ganz zu verzichten. Und nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Eier und Fisch, wenn uns das Leben der Legehennen und der sinnlose Tod unzähliger Meerestiere dauert, die für jedes Sushi-Essen als Beifang gestorben sind und wieder ins Meer geworfen werden.
Dem Mitleidsgebot – du darfst die dir verwandten Tiere überhaupt nicht töten, nur weil sie dir schmecken – weicht Foer aus. Er sei, schreibt er, »nicht allgemein dagegen, Tiere zu essen«. Das Glück der Tiere und die Qualität ihres Fleisches liegen ihm mehr am Herzen als ihr Recht auf Leben. Für ihn gibt es, was für mich undenkbar ist: »ethisch unbedenkliches Fleisch«.

 So viel Versöhnlichkeit mag die Argumentation dieses eindrücklichen Buches schwächen, aber sie ist nicht unvernünftiger als die Wirklichkeit: 94 Prozent der Deutschen essen gern tote Tiere. Foer agiert wie ein Emissär mit weißer Fahne, der im unversöhnlichen Krieg zwischen der winzigen Minderheit der Tierrechtler und der überwältigenden Mehrheit der Tieresser Frieden stiften will, um das schwerfällige Rad der Geschichte gemeinsam ein wenig zugunsten der Tiere voranzudrehen. Das ist schon viel.
Am Ende wird der Verzicht auf Fleisch allen helfen, den Tieren und den Menschen. Er wird nicht alle Menschheitsprobleme lösen. Er löst noch nicht einmal alle moralischen Probleme, vor die uns unser Hunger stellt. Die Grenzen des Tötungsverbots sind niemals eindeutig zu bestimmen in der unendlichen Kette der Lebewesen. Warum verschone ich die Kuh und töte die Fliege? Ist das Seepferdchen weniger wert als das Pony? Und was ist mit dem Seelenleben der Pflanzen? Der grelle Scheinwerfer der Erkenntnis durchdringt die Materie, doch die meisten Geheimnisse des Lebens bleiben im Dunkeln. Es ist unmöglich, in unserem Zusammenleben mit den Tieren alles richtig zu machen. Doch gibt uns das noch lange nicht das Recht, alles falsch zu machen.

Quelle: www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Essay