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Sonntag, 30. November 2014

Tollwood im Zeichen des Schweins

Das Tollwood Festival in München setzt weiterhin mit Kunst, Aktionen und Tierrechtsorganisationen ein Zeichen gegen Massentierhaltung. Das Motto zum diesjährigen Winterfestival lautet "Lebewesen". 

Skulptur "Armes Schwein" auf dem Tollwood (Foto: StopMeat)
Im Mittelpunkt des diesjährigen Tollwood Festivals steht eine riesige Holzskulptur von einem Schwein, das in einem winzigen Käfig gehalten wird, in dem es sich nicht bewegen kann. Gestaltet hat das Kunstwerk mit dem passenden Titel "Armes Schwein" der ungarische Künstler Gabor Miklos Szoke. Das Schwein steht stellvertretend für das Leid seiner Millionen Artgenossen, die tagtäglich für einen kurzen Gaumenkitzel durch die Hölle gehen. Im Schatten dieses im Stich gelassenen Lebewesens klären einige Tierrechtsorganisationen über den Umgang mit Tieren auf, und stellen ihr Engagement für den Schutz der Tiere vor.

"Animals Angels" beispielsweise setzen sich unter dem Motto "Wir sind bei den Tieren" gegen grausame Tiertransporte ein. Auch die Organisationen "Provieh", "respekTiere", "Soko Tierschutz" und die "Albert Scheitzer Stiftung" sind mit Infoständen vor Ort. Zudem war die Tierrechtlerin und Publizistan Hilal Sezgin zum Auftakt des Winterfestivals in einem Treppengespräch unter dem Motto "Artgerecht" im Weltsalon zu hören. "Mit entsetzen reagieren wir, wenn wir im Fernsehen Aufnahmen von siechenden Puten sehen oder Sauen, die sich nicht einmal zu ihren Ferkeln umdrehen können. Aber wir ziehen erstaunlich wenige Konsequenzen aus dem was wir wisen: das da ganz legal Millionen empfindungsfähige, neugierige sozial veranlagte Tiere ein erbärmliches Leben fristen und einen gewaltsamen Tod auf dem Schlachthof sterben", beschreibt Sezgin die fatale Schere in den Köpfen der meisten Menschen.

Teddybär im Fleischwolf (Foto: StopMeat)
Über die Doppelmoral in den Köpfen der Menschen nachzudenken, ermuntert auch der Hamburger Künstler und "Schlachtermeister" Miroslav Menschenkind. Auf dem Tollwood hat er einen eigenen Stand, in dem er Fleisch und Würste aus Kuscheltieren verkauft, die er dazu vorher durch den Fleischwolf quetscht. Hinter ihm hängen die Kuscheltierkadaver mit teils abgehackten Köpfen. "Jeder kennt Schachtereien und die darin dargebotenen Waren", so Menschenkind: "Dieses ist nichts anderes, nur dass die ehemals lebenden Tiere, durch mit Watte gefüllten Stoff - genannt Kuscheltiere - ersetzt werden."


Ihre Motivation ziehen die Tollwood-Organisatoren nicht zuletzt aus Umfragen, wonach die große Mehrheit der Deutschen gegen Massentierhaltung ist. Die regelmäßig auftretenden Lebensmittlskandale seien nur die Spitze des Eisbergs, heißt es im Programmheft zum Tollwood Winterfestival: "Kälbern werden die Hornanlagen ausgebrannt, Ferkel kastriert, Hühnern wird der Schnabel gekürzt - ohne Betäubung und unter großen Schmerzen. Damit sie das kurze, qualvolle Leben in den vollgepferchten, eintönigen Ställen bis zur Schlachtung 'überleben', werden in der Regel große Mengen an Antibiotika verabreicht. Der wahre Skandal also ist die Normalität in den Ställen der industriellen Intensivtierhaltung: das alltägliche Leid von Millionen Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten. In Deutschland. In Bayern. In Ihrer Nähe."

Da ist es nur konsequent, dass das Schwein die Schirmherrschaft für das Tollwood Winterfestival 2014 übernommen hat und mehr Respekt für seine Artgenossen von den Menschen einfordert: "Gerade ich als Schwein bin in vielen Bereichen dem Menschen recht ähnlich", schreibt es im Programmheft: "Ich liege gerne in der Sonne, dusche gerne, fresse für mein Leben gerne feine Dinge, und wenn ich behandelt werde, wie es sich gehört, rieche ich ganz wunderbar."

Um seinem Anspruch auch gatronomisch gerecht zu werden, gibt es zum Winterfestival 2015 erstmals ein rein vegetarisch-veganes Zelt auf dem Tollwood. Jetzt muss nur noch das restliche Festival auch noch vegan werden. Vielleicht schon zum nächsten Sommer? Denn artgerecht ist nur die Freiheit. Oder in den Worten von Hilal Sezgin: "Tiere sind unsere Mitbewohner auf diesem Planeten, nicht unsere Sklaven oder unser Essen.             

Auch zum vergangenen Sommerfestival wurde das Thema "Massentierhaltung" thematisiert. Das Motto: "Wir das Tier.

Tier-Demo, Sommer Tollwood 2014 Foto: StopMeat
Große Tierskulpturen am Eingang taten stellvertretend das, was Tiere nicht können: Für ihre Belange demonstrieren.

Das Tollwood Winterfestival 2013 stand bereits unter dem Motto "ARTgerecht", mit der Kunstinsallation "Café Bad Connection": Ein mehrstöckiges Gebäude aus Gitter, unterteilt in winzige Käfige. Besucher konnten so am eigenen Leib erfahren, wie Tiere unter der grausamen  Massenhaltung leiden.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Tollwood setzt Zeichen gegen Massentierhaltung

"ARTgerecht" - unter diesem Motto steht das Münchner Tollwood-Festival im Winter 2013. Im Mittelpunkt steht das "Café Bad Connection": Ein mehrstöckiges Gebäude aus Gitter, unterteilt in winzige Käfige. Besucher können so am eigenen Leib erfahren, wie Tiere unter der grausamen  Massenhaltung leiden.
Cafe Bad Connection  Foto: StopMeat


Das diesjährige Tollwood Winterfestival stellt gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund das Thema artgerechte Tierhaltung in den Mittelpunkt. Wer das Festivalgelände betritt, sieht einen riesigen Käfig - das "Café Bad Connection". Entworfen hat es der Aktionskünstler Wolfgang Flatz. "Legebatterien, Bullenmast, Schweinezucht, Kaninchenställe, Asylantenheime, Trabantenstädte und artverwandte Architekturen vebinden wir im allgemeinen mit unwürdiger Unterbringung von Tieren und Menschen", ist auf einem Schild an dem Käfig zu lesen. "Weder Tier noch Mensch wollen oder brauchen das", stellt Flatz klar: "Geschuldet ist diese Form von Einrichtungen der Massenhaltung einer Konsum- Mehrwert- und Profitgesellschaft, die rücksichtslos auf Kosten anderer Lebewesen Produktionsmethoden entwickelte, die sich weder an der Art noch am Leid, das durch diese Systemarchitektur entstand, orientiert oder beeindrucken lässt."

Artgerecht? Foto: StopMeat
Das Leid in der Massenhaltung wird so für jeden Besucher, der sich in einen der kleinen Käfige zwängt, physisch erfahrbar. Der Unterschied: Die Käfige sind nicht abgeschlossen, schnell ist man wieder draußen in der Freiheit, nachdem man den grandiosen Ausblick auf das Festivalgelände vom oberen Stock des Kunstwerks genossen hat. Viele Besucher wirken amüsiert, auf ihrem Kurztrip in die Hölle der industriellen Massenhaltung- und vernichtung. Aber Millionen Tiere müssen ihr komplettes kurzes Leben in einem solchen Käfig verbringen,. Da bleibt zu hoffen, dass der Besuch des "Café Bad Connection" bei einigen Besuchern auch ein Umdenken bewirkt. Immerhin hängen am Eingang und am Ausgang Untertschriftenlisten aus. Dort - und auch online - können Besucher für die Abschaffung der industriellen Massentierhaltung unterschreiben.

Nackt und schutzlos wie die Tiere

Am Samstag, den 14. Dezember 2013 haben 63 Menschen bei eisiger Kälte nackt und schutzlos in dem dreistöckigen Gitterkäfig gegen die Massentierhaltung demonstriert. Mit dem Auftritt wollten die Demonstranten die Beklemmung und Würdelosigkeit in den Tierfabriken zum Ausdruck bringen. Die Aktion "Krönung der Schöpfung" von Wolfgang Flatz war Teil der Kampagne "ARTgerecht: Lasst Tiere wie sie sind", sie wurde von der Fotografin Nomi Baumgartl begleitet und dokumentiert

 "'ARTGerecht" zielt auf Lebensbedingungen von Tieren in Zucht und Aufzucht, die ihren natürlichen Bedürfnissen entsprechen. Denn hier wird grausam gesündigt - das Stichwort lautet industrielle Massentierhaltung. Hühnern werden die Schnäbel gekürzt, Schweinen die Schwänze abgeschnitten, Kühe werden enthornt, alles mit dem Ziel, möglichst viel Fleisch zu erwirtschaften", erklärt Tollwood-Chefin Rita Rottenweiler.

In einem eigenen Kinderzelt  können sich auch die Kleinen schon darüber informieren, unter welchen Bedingungen die geliebten Tiere gehalten werden. Dafür werden Werkstätten angeboten, die das Thema spielerisch veranschaulichen. Was bedeutet artgerechte Tierhaltung? Wie kann jeder beim Einkauf den Tieren helfen? Legen die Hühner Eier damit wir sie essen? Das sind Fragen, um die es dabei geht.

So lobenswert es ist, auf das Problem der Massentierhaltung aufmerksam zu machen - konsequent ist es nicht, wenn gleichzeitig zahlreiche Stände die Besucher mit toten Tieren verköstigen. Hier könnte das Festival noch viel mutiger sein. Immerhin werden seit jeher auch viele vegetarische Gerichte angeboten. Ein echtes Zeichen könnte das Tollwood setzen, wenn es ausschließlich veganes Essen verkaufen würde. Immerhin wurden dieses Jahr auf dem selben Gelände erstmals in der Geschichte des größten Massenbesäufnisses der Welt vegane Speisen auf dem Oktoberfest angeboten.



Freitag, 4. Oktober 2013

Oktoberfest 2013 - ein Paradigmenwechsel?

Auf dem "größten Fest der Welt" werden in München nicht nur Jahr für Jahr Unmengen an Bier getrunken, sondern auch unzählige Ochsen, Hähnchen und weitere Tiere konsumiert. Eine fleischlastige Ernährung , so scheint es, ist mit der bayerischen Kultur, und somit auch mit der "Wiesn", untrennbar verbunden. Regiert hier doch seit einer gefühlten Ewigkeit die konservative CSU - Partei der Fleisch- und Massentierhaltungslobby - zu deren Anhängern sich auch der Vegetarierhasser und Wurstfabrikant Uli Hoeneß zählt.

Doch die immer zahlreicher werdende Gruppe von Menschen, die bei Tierleid und Massentierhaltung nicht mehr mitmachen wollen, hat mit ihren Argumenten nun auch das große Fest der lederhosentragenden Fleischfresserei erreicht: Erstmals werden auf dem Oktoberfest 2013 vegane Speisen angeboten. Es sieht so aus, als hätte die Überzeugungsarbeit zahlreicher Tierrechtsorganisationen, die sich zum Oktoberfest 2012 auf dem Marienplatz zum "Wiesn Meat Out" versammelt hatten, um über das Leid der Tiere durch die Fleischindustrie aufzuklären, erste Früchte getragen hat.

Bislang mussten sich vegane Wiesngänger mit gebrannten Mandeln, Radi und Brezn zufrieden geben. Aber dieses Jahr gibt es im Herzkasperzelt auf der "Oiden Wiesn" erstmals auch vegane Käsespätzle, Salat mit gebratenem Gemüse oder veganen Apfelkuchen. Initiator der Neuerung ist Lorenz Hocke, der in dem veganen Münchner Restaurant Max Pett kocht. Er ist der Sohn des Besitzers von dem Herzkasperzelt. Als er seinem Vater vorschlug, vegane Speisen anzubieten, sei dieser sofort einverstanden gewesen, schreibt die taz:  Immer wieder gebe es große Gruppenreservierungen, manchmal von 150 bis 200 Personen. "Da kann man davon ausgehen, dass auch Veganer dabei sind", so sein Argument: "ich bin Gastwirt, warum soll ich dieser Kundschaft nicht auch was Ordentliches anbieten". 

Und auch ein zweites Festzelt bietet nun erstmals ein veganes Essen an: Im Ammerzelt gibt es Bio-Hühner-Frikassee aus Sojaschnitzel mit Spargel, Kapern, Erbsen und Reis. "Unsere veganen Wiesngäste können sich ihre Verpflegung doch nicht in der Tupperschüssel mitbringen", meint Geschäftsführerin Claudia Trott. Jetzt nimmt also auch der Mainstream die Veganer als zahlende Zielgruppe wahr. Bleibt zu hoffen, dass diese Zielgruppe mit den  neuen Angeboten weiter wächst und die der Fleischesser immer kleiner wird. Letzes Jahr spuckte Wiesn-Wirte-Sprecher Toni Roiderer noch ganz andere Töne: "Fleisch ist mein Gemüse. Ich komme aus einer Metzgerfamilie und mein Vater hat schon immer gesagt: Bua, Fleisch ist das beste Gemüse. Ich mische mich ja auch nicht ein, wenn die Vegetarier dem Vieh das Futter wegessen." Ob er dieses Jahr sein Fähnchen nach einem anderen Wind dreht und ein Loblied auf die fleischfreie Ernährung singt? Immerhin sind ja auch Veganer zahlende Gäste, und sie werden immer mehr…



Montag, 31. Dezember 2012

Macka B: "Was ich esse"

Reggaesänger und Veganer Macka B (Foto: Macka B)
Er singt gegen Rassismus, gegen Atomkraft, für die Gleichberechtigung - und immer wieder für eine tierleidfreie Ernährung. Der britische Reggaesänger und Veganer Macka B schafft es, das schwierige Thema Ernährung in groovige und lebensbejahende Songs zu verpacken - und widerlegt damit spielerisch jedes Klischee vom humorlosen und drögen Vegetarier.  

Macka B (geboren als Christopher MacFarlane in England) beschäftigt sich in seinen sozialkritischen Liedern immer wieder mit dem Thema Ernährung. Auf Konzerten äußert er sich immer wieder kritisch zu Fastfood-Ernährung und den dazugehörigen Konzernen ("We don't want no Big Mack"). Als die BSE-Seuche wütete, schrieb er ein Lied über den Rinderwahnsinn, der sich von England aus verbreitete: "Mad Cow".

Der seit über dreißig Jahren tätige Musiker ist seit vielen Jahren überzeugter Veganer, und wer den lebensfrohen Sänger einmal live gesehen hat, weiß dass er  sich bester Gesundheit erfreut. Vegetariern und Veganern wird von Fleischlobbyisten immer wieder nachgesagt, sie seien humorlos oder langweilig - der FC-Bayern Präsident und Wurstlobbyist  Uli Hoeneß machte in einer Ansprache erst kürzlich Stimmung gegen Vegetarier: "Ich habe noch keinen Vegetarier, gesehen, der gelacht hat". Dabei passt der cholerische und altbackene Fußballfunktionär viel besser in dieses falsche Klischee als sämtliche Tierfreunde. Vielleicht sollte der Wurstfabrikant einfach einmal auf ein Macka-B-Konzert gehen, um sein krudes Weltbild gerade zu rücken.

Macka-B ließ sich von bekannten jamaikanischen Reggaekünstlern wie Burning Spear, Bob Marley, Peter Tosh und Count Ossie inspirieren. Der praktizierende Rastafari besuchte immer wieder Jamaica - die Insel, auf der nicht nur die Reggaemusik, sondern auch die vegetarische Ernährung (Ital Food) eine lange Tradition hat - um Musikalben aufzunehmen.

Zu einem regelrechten Kult-Song hat sich seine Veganer-Hymne "Wha me Eat" ("Was ich esse") entwickelt, die auf keinem seiner Konzerte fehlen darf. In diesem Lied beschreibt Macka B, wie er immer wieder komisch angesehen wird, wenn er sagt, dass er sich vegan ernährt. Denn die Leute wüssten einfach nicht, wie vielseitig eine vegane Ernährung sein kann. Dabei ist die Liste der Lebensmittel auf seiner Speisekarte beeindruckend lang, wie er in seinem Song beweist:

Macka B: "Wha Me Eat"



 Macka B:  "Wha me eat" ("Was ich esse", deutsche Übersetzung)

"Wir sind natürlich und vegan, wir essen von der Erde und lassen den Tieren ihr Leben. Kein totes Fleisch, kein Pelz, keine Federn. Wenn ich den Leuten erzähle, ich esse kein Fleisch, keinen Fisch oder Milchprodukte, sehen sie mich komisch an. Sie verstehen nicht, dass ich mich sehr abwechsungsreich ernähre. Sie fragen sich, was ich esse!

Wenn ich ihnen erzähle, ich esse weder Fisch noch Fleisch,  fragen sie sich, was ich esse, wenn ich ihnen sage, dass ich Veganer bin.

Ich esse weder Fisch, noch  Käse oder Eier. Nichts mit Füßen, Augen, Federn oder Kopf, nichts mit Lippen, Ohren, Zehen oder Beinen. Statdessen esse ich lieber Obst und Gemüse. Ich bin achtsam und wählerisch bei meiner Ernährung. Meine Medizin ist mein Essen, mein Essen ist meine Medizin.

Wenn ich den Leuten sage, dass ich diese Dinge nicht esse, sehen sie mich an, kratzen sich am Kinn und wundern sich. Was ich esse, sie fragen sich, was ich esse. Wenn ich ihnen sage, ich esse weder Fisch noch Fleisch, fragen sie sich was ich esse.

Wollt ihr hören was ich esse? Ich esse Callaloo, Ackee, Süßkartoffel, Jamswurzel. Banane, Tomaten, Kohl, Spinat, Avocado, Chayote, Bohnen., Reis, Kürbis, Mango, Guaven, Kichererbsen, Maniok, Rosenkohl und Blumenkohl, Zwiebel, Gurke, Pflaumen und Papaya, Aubergine, Linsen und Quinoa, Karotten, Tofu, Paprika, Brokkoli und Kokosnuss, Pfirsiche, Äpfel, Aprikosen, Grapefruit, Pistazien, Melone, Erbsen, Knoblauch, Kirschen, Erdbeeren ..." und so weiter...


"Wha Me Eat" Original Songtext (geschrieben  in English and Patois, Übersetzungen  in Klammern):

 "Selamta (Greetings in Amharic) Ital (natural) we Ital and Vegan we Vegan I and I (we) eat from the earth and leave the animals to give birth No deaders (dead flesh) No fur No feathers When I tell people I don't eat meat, fish or dairy They look at me strangely They don't realise I eat a very wide variety Listen to Macka.B Yo! Chorus x2 Wha me eat them a wonder wha me eat When me tell them say me nu (don't) eat no fish nor no meat no Wha me eat them a wonder wha me nyam (eat) When me tell them say that I'm a vegan Verse1 Well me nu eat no meat no fish no cheese nor no egg Nothing with no foot no eye no wing nor no head Nothing with no lip no ears no toe nor no leg Prefer fruit and vegetables instead Me careful and me choosy about what I'm eating My medicines my food my food is my medicine When I tell people that me nu eat dem deh (those) things They look at me and scratch their chin And start wondering Chorus Wha me eat them a wonder wha me eat When me tell them say me nu eat no fish nor no meat no Wha me eat them a wonder wha me nyam When me tell them say that I'm a vegan Wha me eat them a wonder wha me eat When me tell them say me nu eat no fish nor no meat no Wha me eat them a wonder wha me eat Dou you want to hear wha me eat? Verse 2 I eat Callaloo, Ackee, Sweet Potato, Yam, Banana and Tomato Cabbage, Spinach, Avocado, Cho Cho, Butter Beans ..."

Freitag, 14. Dezember 2012

Philosophen zwischen Sein und Sollen


Oder: Warum Peter Sloterdijk sein Leben ändern muss


"Wie die Hausfrau, die die Stube gescheuert hat, Sorge trägt, dass die Türe zu ist, damit ja der Hund nicht hereinkomme und das getane Werk durch die Spuren seiner Pfoten entstelle, also wachen die europäischen Denker darüber, dass ihnen keine Tiere in der Ethik herumlaufen"
Albert Schweitzer ("Ehrfurcht vor den Tieren")

Von den Philosophen können sich die geschundenen Tiere in unserer Gesellschaft wohl am wenigsten Rettung erhoffen. Die Zunft der Denker schwadroniert zwar allzu gerne von Ethik und Moral, auch wenn es um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier geht; wenn es aber konkret wird, entpuppt sich ihr Gerede leider viel zu oft als heiße Luft, entlarven sich ihre hehren Gedanken als leere Worthülsen.  

Foto: ulitie  / pixelio.de
"Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern." Der berühmte Satz von Karl Marx kommt mir unweigerlich in den Sinn, wenn ich an den Philosophen Peter Sloterdijk denke. Insbesondere wenn man davon ausgeht, dass jede Veränderung zunächst von  einem selbst ausgehen muss. Wie wollen wir Missstände anprangern, wenn wir selbst ein Teil davon sind?  "Wasser predigen und Wein trinken" ist noch so eine bekannte Redewendung, die gut auf Sloterdijk anwendbar ist - wobei es hier überhaupt nicht um alkoholische Getränke geht. In diesem Fall müsste es heißen: "Tierrechte predigen und Fleisch essen."

Denn Sloterdijk ist ein durchaus profilierter Kopf in Sachen Tier und Mensch. Als Schirmherr der "Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt" stellt sich  der Kulturwissenschaftler in die erste Reihe einer Bewegung, die sich die Förderung der Tierrechte auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Tierethik im weiteren Sinne hat eine lange Tradition in der Ideengeschichte. Schon der berühmte antike Philosoph und Vorsokratiker Pythagoras (etwa 582 - 496 v. Chr.) stellte die Frage: "Wer mit dem Messer die Kehle eines Rindes durchtrennt und beim Brüllen der Angst taub bleibt, wer kaltblütig das schreiende Böcklein abzuschlachten vermag und den Vogel verspeist, dem er selbst das Futter gereicht hat - wie weit ist ein solcher noch vom Verbrechen entfernt?".

Der Kosmopolit Plutarch (45 – 120 n. Chr.) schreibt: "Könnt ihr wirklich die Frage stellen, aus welchem Grunde sich Pythagoras des Fleischessens enthielt? Ich für meinen Teil frage mich, unter welchen umständen und in welchem Geisteszustand es ein Mensch das erste Mal über sich brachte, mit seinem Mund Blut zu berühren, seine Lippen zum Fleisch eines Kadavers zu führen und seinen Tisch mit toten, verwesenden Körpern zu zieren, und es sich dann erlaubt hat, die Teile, die kurz zuvor noch gebrüllt und geschrieen, sich bewegt und gelebt haben, Nahrung zu nennen. (...) Um des Fleisches willen rauben wir ihnen die Sonne, das Licht und die Lebensdauer, die ihnen von Geburt an zustehen."

Der englische Philosoph und Begründer des Utilitarismus, Jeremy Bentham (1748 – 1832), formulierte als einer der ersten Befürworter von Tierrechten den entscheidenden Satz: "Die Frage hat für die Menschheit nicht zu lauten: Können die Tiere denken? Sondern sie muss zu lauten: Können die Tiere leiden?"


Als wichtigster Vertreter der zeitgenössischen Tierrechtsbewegung ist wohl der australische Philosoph Peter Albert David Singer zu nennen. In seinem 1975 verfassten Werk "Animal Liberation" (Die Befreiung der Tiere), das zu einem Klassiker der Tierrechtsbewegung wurde, beschreibt er die Diskriminierung und Ausbeutung von Tieren durch den Menschen aufgrund ihrer Spezieszugehörigkeit (Speziesismus).  Singer wird als Mitbegründer der modernen Tierethik angesehen. 

"Er schaut sich alles an, auch die allerunangenehmsten Sonderfälle, und lässt sich auf Dinge ein, an denen sich andere Leute vorbeischummeln, um sich ein harmloseres Weltbild bewahren zu können", sagt Sloterdijk über Singer in einem Interview mit der österreichischen Zeitung der Standard. Auf die simple Frage, "sind Sie Vegetarier?" antwortet er: "Nein. Aber wir schränken den Fleischkonsum ein wenig ein."  Ein einfaches und ehrliches "Nein" hätte es auch getan. Den Fleischkonsum "ein wenig einschränken" – das ist also die wegweisende Antwort des großen Philosophen Sloterdijk auf die Tierrechtsfrage. Noch vor über zehn Jahren prognostizierte er, dass die jüngeren Menschen in der Bevölkerung sich gegen die Tiermisshandlungen der industriellen Fleischproduktion wenden würden. Aber wie kann man  Hoffnungen auf andere richten, wenn man selbst nichteinmal dazu bereit ist, sein Leben entsprechend zu ändern?

Ausgerechnet "Du musst dein Leben ändern" lautet eines seiner Essays. Peter Sloterdijk, hiermit fordere ich dich auf: Fang bei dir selbst an, ändere dein Leben! Dann kannst du auch Interviewfragen offen und ehrlich beantworten. Für den Anfang: Ändere deine Ernährungsgewohnheiten, höre damit auf, Tiere zu essen. Du musst es nur wollen – das ist der Weg vom  Sollen zum Sein. 

Verdrängungskünstler

Ähnlich inkonsequent wie Sloterdijk laviert sich der Philosoph Robert Spaemann im Gespräch mit Richard David Precht durch die Tierrechtsthematik. So hält er es zwar für "verwerflich und unmoralisch, Tieren absichtlich Leid zuzufügen", im selben Atemzug aber hält er es für gerechtfertigt, Tiere zu töten ("weil Tiere keine Biographie haben"). Genau damit fügt er aber dem Tier vermeidbares Leid zu. Seine revolutionäre Konsequenz aus dem Umstand der vorherrschenden grausamen Massentierhaltung: "Ich esse nicht mehr jede Form von Fleisch". Auf diesen Minimalkonsens könnte sich wohl jeder Fleischesser einigen, denn wer isst schon "jede Form von Fleisch". Dann wiederum meint er, Menschen dürften immerhin keine Primaten töten. Weil die doch recht schlau seien. Es komme aber nicht auf die Intelligenz, sondern auf die Leidensfähigkeit eines Lebewesens an, hält ihm Precht entgegen.  Da flüchtet sich Spaemann in stumpfen Speziesismus: Allein die Tatsache Mensch zu sein, nicht Vernunft oder Leidensfähigkeit, entscheide, ob ein Lebewesen getötet werden darf oder nicht. Dann gibt er zu, dass jede Tötung mindestens einen Augenblicksschmerz verursacht. Es bleibt letztlich bei einem vagen "es kommt immer darauf an", so das erschreckend nichtssagende Fazit des Philosophen Spaemann. Mal sagt er so, dann wieder so, Tiere töten ist irgendwie schlecht, aber dann auch wieder irgendwie nicht, er biegt sich die Welt immer so zurecht, wie es ihm gerade passt. 

Precht bilanziert daraufhin: "Es ist unserer Verdrängungskunst geschuldet, dass es nicht mehr Vegetarier gibt". Und weiter: "Das, was unter der Decke stattfindet, das Treiben in den Schlachthäusern ist eine Grausamkeit, ein industrieller Tiertod unvorstellbaren Ausmaßes, viel brutaler als in den Zeiten des Barock. Wenn wir das tagtäglich vor Augen geführt bekommen, würden wir entweder wieder verrohen oder wir würden sofort sagen: Das muss alles abgeschafft werden!" Es scheint, dass auch die Philosophen wahre Meister in der Kunst des Verdrängens sind. Hauptsache der eigene alteingefahrene Lebensstil wird nicht hinterfragt. Und selbst Precht gesteht, seine Predigten nicht konsequent zu praktizieren: Denn "dann wäre man nicht nur Vegetarier, sondern Veganer" - und das ist auch dem lederschuhtragenden Moralisten zu anstrengend.


Die heutigen Mainstream-Philosophen scheinen unfähig, brauchbare Antworten auf drängende Probleme unserer Zeit zu finden – zugunsten der eigenen Bequemlichkeit. Von der Vorbildfunktion ganz zu schweigen. Bleibt die Frage: Wofür brauchen wir sie eigentlich, die Philosophen?




Dienstag, 20. November 2012

96-jähriger Vegetarier wird Vater

Der Inder Ramajit Raghav ist im Alter von 96 Jahren zum zweiten Mal Vater geworden. Die 52-jährige Frau des Bauern aus Nordindien brachte im Oktober 2012 einen Sohn zur Welt. Seine rekordverdächtige Potenz begründet der Mann damit, dass er sich sein Leben lang vegetarisch ernährt und keinen Alkohol trinkt.

Ramajit Raghav mit Frau und Kind. Foto: Rex
Dass eine fleischfreie Ernährung nicht nur besser für Umwelt und Tiere, sondern auch gut für Gesundheit und Potenz ist, zeigt der Fall des 96-jährigen Rekordhalters aus Nordindien eindrucksvoll. Bereits zwei Jahre davor sei der Bauer aus der Nähe der Hauptstadt Neu-Delhi weltweit ältester Vater eines Neugeborenen geworden. Auch damals brachte seine Frau einen gesunden Jungen zur Welt.

Und Ramahit Raghav hat einen zweiten Rekord gebrochen: Wie die Times of India berichtet, ist er nun auch der älteste Poster Boy der Tierrechtsorganisation Peta geworden. Peta stellt auf der Seite www.peta.xxx die Vorzüge von Gemüse für das Liebesleben dar: So kurbelt etwa Spargel die Hormonproduktion an und die Karotte - dank ihres hohen Gehalts an Vitamin A - die Spermienproduktion.

Der Times of India schilderte der jungebliebene Greis seinen Alltag so: "Ich stehe morgens um fünf Uhr auf und gehe abends vor acht Uhr ins Bett. Tagsüber arbeite ich auf dem Feld und halte ein bis zwei Stunden lang Mittagsschlaf."

Wie kein anderes Land der Welt ist Indien für seine vegetarischen Traditionen bekannt, nirgendwo gibt es mehr Vegetarier. Fleisch wird auf dem Subkontinent (noch) wesentlich weniger konsumiert, als in westlichen Gesellschaften. Während die indischen Muslime oftmals Fleisch essen, verzichten viele Hindus ganz darauf. Viele indische Schriften fordern das Prinzip der Gewaltlosigkeit gegenüber Tieren. Einen konsequenten Vegetarismus praktizieren die Anhänger des Jainismus, einzelne Richtungen des Hinduismus sowie manche Buddhisten. Die Sikhs lehnen den Konsum von Rindfleisch strikt ab. Pflanzenöle sind  als Bratfette zudem verbreiteter als tierische Fette.

Lakto-vegetarisch ernähren sich die Yoga-Praktizierenden und die Vaishnavas, die Verherer Vishnus. Diese schreiben dem Konsum von toten Tieren schlechte Auswirkungen auf den Bewusstseinszustand und den Charakter des Menschen zu. Fleischhaltiges Essen wird demnach der Guna Tama zugeordnet, dem Eigenschaftstypus der Trägheit und Verwirrung. Fleischnahrung bringe schlechtes Karma und wird daher als Hindernis auf dem Weg zu Reinigung und Erlösung gesehen. Etwa 43 Prozent der religiösen Inder geben an, sich vegetarisch zu ernähren. Bei den nicht-religiösen Hindus liegt der Anteil nur bei 28 Prozent.

Wie in wohl keinem anderen Land der Welt gibt es in Indien sogar vegetarische McDonalds-Filialen. Die Zukunft des weitverbreiteten Vegetarismus in Indien ist allerdings gefährdet. Für die rasch wachsende indische Mittelschicht wird Fleischkonsum immer wichtiger - als Statussymbol, weil viele armen Inder sich Fleisch gar nicht leisten können. 


Sonntag, 29. Juli 2012

Marathonläufer Mark Hoffmann: "Vegane Ernährung ist die Abkehr vom Extremen"

"Laufen gegen Leiden" lautet das Motto des 35-jährigen Marathonläufers Mark Hoffmann. Der Veganer setzt seine Energie dafür ein, auf das Unrecht und Leid aufmerksam zu machen, das den Tieren täglich angetan wird - in einer Gesellschaft, die an ihrer Doppelmoral krankt. Hoffmann will Vorbild für einen verantwortungsbewussten Lebensstil sein, ohne andere dabei zu missionieren.

Marathonläufer Mark Hoffmann
"Es dauerte knapp bis vor einem Jahr als mich nach dem Konsum meiner letzten fleischhaltigen Mahlzeit ein starkes Gefühl des Ekels und der Schuld überkam. Ich erkannte plötzlich, dass ich Teil von etwas Furchtbarem war und dies nie wieder sein wollte", beschreibt Hoffmann seine Abkehr von der tierischen Ernährungsweise: "Ich sah mich konfrontiert mit dem gesammten Elend und Leid dieser Welt und hundertausend Augen sahen mich an. Und ich war völlig nackt und hatte zu meiner Verteidigung nichts zu sagen."

Noch immer glauben viele, vegane Ernährung würde zwangsläufig zu Mangelerscheinungen führen. Dass dem nicht so ist, dass tierfreie Ernährung sogar förderlich zur Erlangung sportlicher Höchstleistungen sein kann, hat schon Patrik Baboumioan bewiesen, Gewinner der "Strongman-Meisterschaften" 2011 und damit "stärkster Mann Deutschlands". Wie Hoffmann setzt sich auch Baboumian öffentlich für die Rechte der Tiere und eine vegane Ernährung ein.

In einem Spiegel-Interview erklärt Hoffman, warum eine vegane Ernährung nicht "extrem" ist, wie die Frage des Journalisten suggeriert, sondern das genaue Gegenteil: "Ich finde es viel extremer, Tiere genetisch zu optimieren und unter Drogen gesetzt in enge Boxen einzupferchen. Tierversuche, Massentierhaltung - das ist extrem." Allerdings wolle er niemanden missionieren: "Das löst bei vielen den gegenteiligen Effekt aus. Ich lebe lieber vor und hoffe auf Nachahmer."

Hoffmann läuft gegen die vorherschende Gleichgültigkeit und die Doppelmoral, die es ermöglicht, dass Milliarden Tiere unter katastrophalen Bedingungen gehalten und misshandelt werden. Ihm geht es darum, "auf die schrecklichen Dinge hinzuweisen, vor denen ich selbst jahrelang den Kopf in den Sand gesteckt habe". Das erfordert eine Auseinandersetzung mit "der industriellen Massentierhaltung und deren abscheulichen Erfindungen und Praktiken. Mit dem Schulterzucken der Pelzträger. Mit der Doppelmoral welche es gesellschaftlich ächtet, einem Hundewelpen ins Gesicht zu treten, aber gleichgültig der Tatsache gegenübersteht, dass männliche Küken in Fabriken mit Schaufeln in überdimensionale Schredder geschippt werden. Mit der Entrechtung von Tieren."
  
Hoffmanns nächstes Projekt ist ein Spendenmarathon am 28. Oktober 2012 in Frankfurt am Main zugunsten von Seashepherd. Die Tierschutzorganisation setzt sich dafür ein, "die Zerstörung der Lebensräume und das Abschlachten der Tiere in den Weltmeeren zu beenden, um die Ökosysteme und Spezies nachhaltig zu schützen und zu erhalten". 

In der Zeit von 17. bis 20. Mai 2013 soll der "Staffellauf B12" folgen - ein Ultramarhonlauf entlang der 440 Kilometer langen Bundesstraße 12. Ausschließlich vegane Läufer sollen die jeweils 50 Kilometer langen Streckenabschnitte in gleichstarken Gruppen absolvieren. 

Donnerstag, 12. Juli 2012

Ethik und Ernährung: Süddeutsche Zeitung fordert Fleischverbot

Ernährung ist keine Privatsache. Das hat nun auch die Süddeutsche Zeitung erkannt. In einem aufrüttelnden Artikel schildert SZ-Autorin Petra Steinberger, warum wir kein Fleisch mehr essen sollten.

Foto: Dieter Schütz / pixelio
Ohne Umschweife kommt der Artikel zur Sache und nennt wesentliche (eigentlich hinlänglich bekannte) Problematiken der tierischen Ernährung: "Welthunger, Massentierhaltung, Kohlendioxid-Problem, überfischte Meere". In den vergangenen drei Jahrnzehnten hat sich der weltweite Fleischkonsum verdreifacht. Massentierhaltung ist eine der grausamen Folgen der Industrialisierung. Pro Jahr verschlingt der Durchschnittsdeutsche fast 100 Kilo Fleisch und Fisch  - damit muss Schluss sein.

"Es wird Zeit, sich vom Konsum von Tieren zu verabschieden" stellt Steinberger klar, denn wir brauchen kein Fleisch zum überleben.Vielmehr könnte es überlebenswichtig werden, kein Fleisch mehr zu essen: "Wir riskieren das Leben auf diesem Planeten, das ökologische Gleichgewicht, und ganz oben bei den Schuldigen steht unser Fleischverzehr. Der Konsum getöter Land- und Wassertiere. Wir werden ihn einschränken müssen, drastisch. Ihn vielleicht ganz aufgeben. Das gilt nicht nur für Rind, Schwein oder Geflügel. Es gilt genauso für Fische; und langfristig wohl auch für die Menge und Art, in der wir tierische Produkte insgesamt gebrauchen".

Für die perverse Gier nach Tier werden weltweit pro Jahr 53 Milliarden Landtiere ermordet, "oft nach Lebensumständen, die wir unseren Haustieren niemals zumuten würden".  Steinberger erklärt das so: "Der Skrupel, den die ersten Zivilisationen bei der Tötung von Tieren empfanden und den sie durch Rituale aufzufangen suchten, haben wir längst verdrängt. Vielleicht weil wir einen neuen Namen für diese biologische Lebensform gefunden haben: Vieh. Das klingt weniger nach Tier. Weniger nach Lebewesen." 

Es sind diese Bilder, die der Fleischesser gekonnt verdrängt, wenn er sich sein nächstes Schnitzel oder den tausendsten Hamburger in einer der Massentötungs-Fast-Food-Ketten reinzieht: "Tiere stehen in ihrem Kot, leben in ewiger Dunkelheit, Kälber werden der Mutter weggenommen, die Milch und noch mehr Milch produzieren muss, Schnäbel, Hörner, Schwänze, Hoden werden routinemäßig ohne Betäubung entfernt. Fische sind von Geschwüren übersät, werden von ihren Artgenossen erstickt und kannibalisiert, Rinder, Schweine, Vögel werden mit gebrochenen Gliedern zur Schlachtbank gezerrt, schwitzen Todesangst, sind oft nicht einmal tot, wenn sie aufgeschnitten, gerupft, in kochendes Wasser geworfen werden." Es ist traurig, dass man diese Bilder immer wieder bemühen muss, um gegen das Verdrängen anzukämpfen. Aber anders geht es nicht.

Hier sind die Medien in die Pflicht zu nehmen. Leider viel zu oft aber wird der Fleischkonsum angepriesen und dem Leser schmackhaft gemacht - auch im wöchentlich erscheinenden Magazin der SZ, wo sogenannte "Sterne-Köche" regelmäßig fleischlastige Rezepte vorstellen. Im Gegensatz zu vielen anderen Blättern ist die SZ aber zumindest schon das eine oder andere Mal mit fleischkritischen Artikeln aufgefallen. Etwa zu den gesundheitlichen "Folgen der Fleischeslust" anlässlich der Grillsaison, während von der Boulevardpresse nichts als unkritische Grilltipps zu lesen sind. Es wird höchste Zeit umzudenken. Tipp an die Presse: Einfach mal vegetarische Grillrezepte veröffentlichen.

Link zum Artikel: Nicht Fisch! Nicht Fleisch!





Samstag, 9. Juni 2012

Stärkster Mann Deutschlands ist Veganer

Der Leistungssportler und Veganer Patrik Baboumian darf sich seit seinem Sieg bei den "Strongman-Meisterschaften" im August 2011 offiziell der "stärkste Mann Deutschlands" nennen. Er ist der Beweis, dass Kraft - entgegen gerne verbreiteter Klischees - nichts mit Fleischkonsum zu tun hat.

"Die stärksten Tiere der Welt sind Pflanzenfresser: Büffel, Gorillas, Elefanten und ich". Mit diesem Slogan wirbt Baboumian für die Tierrechtsorganisation Peta. 200 Kilo kann er über seinen Kopf stemmen. "Ich bin ein Mensch, der sehr schlecht mit Widersprüchen in seinem eigenen Verhalten klarkommt", begründet der Psychologie-Student, der sich selbst als tierlieb bezeichnet, seinen Verzicht auf Fleisch.

Nach seiner Ernährungsumstellung ist er nicht etwa schwächer, sondern sogar stärker geworden:  "Aus einem ganz einfachen Grund: Fleisch ist eine riesige Belastung für den Stoffwechsel". Ohne Fleisch sei man in der Lage, mehr von den Sachen zu essen, die den Körper weniger belasten. Die nötigen Kalorien holt sich der Potsdamer gerne auch im veganen Restaurant des Berliner Kochs Björn Moschinski, mit dem er befreundet ist.

Über seinen Alltag als Sportler, seine Ernährung und den Bruch mit der tierverarbeitenden Industrie, die Tiere als Ware ansieht und versklavt, sprach der Veganer am 8. Juni 2012 in der NDR-Talkshow:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndr_talk_show/videos/ndrtalkshow1433.html

Sonntag, 6. Mai 2012

Grillsaison - Gestank verbrannter Leichen überall

Der beißende Gestank verbrannter Leichen sucht die Parks, Flussufer, Wiesen und Gärten heim - es ist wieder Grillsaison! Millionen von Tieren müssen wieder ihr Leben für der Deutschen liebste Sommerbeschäftigung lassen. Das ist ungesund und hat ernsthafte Folgen für die Umwelt. Dabei ginge es auch anders.

Kaum wird das Wetter wieder ein bisschen schöner in unseren Breitengraden, liefert sich die Presse, wie gleichgeschaltet, ein unermüdliches Wettrennen um den Grillhype, mit den immergleichen, unsäglich dümmlichen Grillartikeln - klar, die alljährlichen Grilltipps bringen Traffic und Leser.

Hinrichtungsopfer am Grill. Foto: TS  / pixelio.de
"Der Duft von frisch Gegrilltem lässt das Wasser im Mund zusammen laufen", lechzt der "Focus", "höchste Zeit zum angrillen!", diktiert der "Stern", und schiebt Tipps für die Zubereitung vom "Bierarsch-Huhn" und "Schwein aus der Kiste" hinterher oder verrät großzügig die "Geheimnisse eines Grillprofis", "wenn aus einem Stück Schweinefleisch purer Brutzel-Genuss werden soll, muss neben Fleischqualität und würziger Marinade auch das Gerät stimmen", schreibt im gewohnt dämlichen Duktus die "Bild" und macht den "Tüv-Test" für Grills, natürlich mit einer Nackten am Grill als Blickfang. 

Die "Süddeutsche Zeitung" macht zur Abwechslung - zwischen all den unkritischen Grilltipps der Gossenblätter - auch mal auf die "Folgen der Fleischeslust" aufmerksam:  "Während manch einer schon seinen Grill für die kommende Saison vorbereitet, warnen Harvard-Mediziner: Wer täglich rotes Fleisch, Wurst oder Schinken isst, verkürzt seine Lebenserwartung deutlich. Fleischmahlzeiten erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und verschiedene Krebsleiden." Harvard-Ernährungswissenschaftler Frank Hu rät deshalb, die Finger vom Fleisch zu lassen: "Wer sich hingegen für gesündere Eiweißquellen entscheidet, hat gleich mehrere Vorteile davon und ist weniger gefährdet, chronisch krank zu werden oder gar früh zu sterben", so der Forscher.

Die gesundheitliche Gefährung durch Fleisch ist aber nur ein Aspekt unter vielen anderen. Die meisten Tiere werden unter unsäglichen Bedingungen gehalten und geschlachtet, all das hat nichts mit der Glückliche-Kühe-auf-grünen-Wiesen-Propaganda der verlogenen Fleischindustrie zu tun - interessante Einblicke in die globalen Folgen der Massentierhaltung liefert die Arte-Doku "Nie wieder Fleisch?". Der Fleischkonsum zerstört die Regenwälder, vernichtet Resourcen, beschleunigt den Klimawandel, fördert das Artensterben und verbraucht bis zu 100 Mal mehr Wasser als eine vegetarische Ernährung.

Wer dieser Tage durch die Buchhandlungen geht, kann allerdings auch ein anderes Bild sehen, als das von den Medien vorrangig propagierte. Die Kochbuch-Abteilung wird inzwischen immer mehr geprägt von verschiedenen vegetarischen und sogar veganen Koch- und auch Grillbüchern. Ist hier etwa eine Trendwende hin zu einer bewussteren Lebensweise im Anmarsch? Zumindest werden auch die fleischlastigen Grilltipps der Zeitungen immer mehr um vegetarische Rezepte ergänzt. Damit Grillen aber irgenwann ganz ohne den furchtbaren Gestank verbrannter Tierleichen möglich ist, muss noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Wer aufs Fleisch beim Grillen verzichtet muss sich nicht auf Kartoffeln in Alufolie beschränken. Es gibt unzählige Möglichkeiten jenseits von Wurst und Steak. Hier ein paar Anregungen für tierfreundliche Grillaktivitäten:

http://www.peta.de/vegangrillen
http://www.vgt.ch/doc/rezepte/grill-rezepte.htm
http://www.vegetarisch-grillen.de/
http://www.brigitte.de/figur/ernaehrung/gesund-bio/grillen-rezepte-vegetarisch-569155/
http://www.vegetarier-grill.de/
http://www.veggieportal.de/vegetarisch-grillen/


...
Die Grillsaison ist eröffnet: Tricks für gesundes Grillen - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/tid-5829/grillen_aid_57345.html

Samstag, 31. März 2012

Nie wieder Fleisch!

"Nie wieder Fleisch?" heißt ein sehenswerter Film beim Arte Themenabend. Der Dokumentarfilm setzt sich kritisch mit dem verlogenen Mythos der Fleischindustrie auseinander, die den Konsumenten eine heile Welt mit gesunden Produkten vorgaukelt. 

"Nie wieder Fleisch?" geht den globalen Folgen der Massentierhaltung und Massenproduktion auf den Grund.  "Was auf dem Teller liegt, entspricht nicht dem was uns die Werbung verspricht", kritisiert Christoph Labbé, Journalist bei dem französichen Wochenmagazin "Le Point". "In der Realität leben die meisten Tiere weder im grünen, noch ist ihr Fleisch besonders gesund", stellt die Doku klar: "Viele Hühner überstehen die kurze Mastzeit in Massenhaltung nicht ohne Medikamente - und die können durch Rückstände im Fleisch auch für den Menschen schädlich sein. Dicht an dicht zusammengepfercht auf dem eigenen Kot, werden die durch schnelles Wachstum gezüchteten Tiere oft krank". Kritisch setzt sich der Film auch mit dem dubiosen Massentötungsbetrieb "Wiesenhof" auseinander, der es mit seiner skandalösen Tierhaltung jüngst wieder in die Schlagzeilen geschafft hat.


Arlarmierend: In den letzten 50 Jahren hat sich der weltweite Fleischkonsum verfünffacht 

 Besonders in China nimmt der tägliche Fleischkonsum explosionsartig zu. 1980 aß jeder Chinese im Schnitt 14 Kilo Fleisch pro Jahr, mittlerweile hat sich der Fleischverzehr in dem bevölkerungsreichsten Land der Erde mehr als vervierfacht. Eine der Folgen: immer mehr Chinesen leiden an Krankheiten, die zuvor nur im Westen bekannt waren - jeder dritte erwachsene Chinese hat inzwischen extremes Übergewicht. Bluthochdruck, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen steigen rasant an. Regelmäßiger Fleischkonsum erhöht das Risiko, frühzeitig an Krebs oder Herzinfarkt zu sterben, wie Harvard-Forscher herausgefunden haben.

Eine Drehgenehmigung in einem Schlachthof zu bekommen, sei fast unmöglich - und wenn dann nur unter der Auflage, dass man die Schlachtungen nicht zeigen dürfe, heißt es in dem Film: "Die Unternehmen gleichen oft streng bewachten Festungen, so, als hätte man etwas zu verbergen".
Immer wieder passiert es, dass betäubte Schweine aufwachen und bei lebendigem Leib ausgenommen werden. Schlachthöfe können die Mindestandards des Tierschutzes aufgrund der enormen Produktion nicht mehr einhalten, kritisieren Beobachter. Der Film zeigt auch Aufnahmen von Rindern, die bei lebendigem Leib aufgehängt und getötet werden. Das sei in vielen Betrieben die Regel und nicht die Ausnahme, sagen Experten. Auch Probleme wie die Zersörung des Klimas aufgrund von Methangasen durch die Massenhahltung von Rindern oder die Zerstörung von Märkten in Armutsregionen werden thematisiert. "Europa setzt auch weiter darauf, die Welt mit Fleisch zu versorgen. Es scheint egal zu sein, welchen Preis wir dafür zahlen", resümiert der Film.

Link zum Arte Themenabend "Nie wieder Fleisch?":
http://www.arte.tv/de/6449602.html

Mittwoch, 28. März 2012

Ein Gentleman isst keine Tiere

"Uns steht das Wasser bis zum Hals! Fleischessen zerstört das Klima" - mit diesem Slogan wirbt der Reggaemusiker Tilmann Otto alias Gentleman in einer Kampagne der Tierschutzorganisation Peta für eine bewusstere Ernährung:

"Ich bin Vegetarier, weil es tausend und mehr Gründe dafür gibt und einer davon ist, dass die Fleischindustrie vielmehr Treibhausgase ausschüttet, als der gesamte Verkehr auf der ganzen Welt. Ein Steak braucht tausend Liter Wasser", erklärt der Musiker.


Foto: Nela König für PETA 

Peta schreibt zu der Kampagne: "Dass das Essverhalten stark den Klimawandel beeinflusst, belegen u.a. Studien der UN Welternährungsorganisation (FAO), des World Watch Institutes oder des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung sowie der Bericht des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) von 2008. Allein in einem Kilogramm Rindfleisch stecken so viele Emissionen wie in einer Autofahrt von 250 km Länge".

Zu seiner Motivation, sich an der Kampagne zu beteiligen, erklärt Tilmann Otto, der erst seit zwei Jahren vegetarisch lebt: "Als Fleischesser verdrängst du ja die ganzen Informationen, in dem Moment wo du es an dich heranlässt, kannst du ganz anders darüber reden. Ich wusste zum Beispiel überhaupt nicht, wieviel Wasser Fleisch braucht. Es tut mir leid, dass ich 35 Jahre Fleisch gegessen habe."



Link zu der Kampagne:
http://www.peta.de/gentleman

Sonntag, 18. März 2012

Harvard-Forscher: höheres Risiko für Krebs und Infarkt durch Fleisch

"Das Ende der Fleischeslust" titelte die Süddeutsche Zeitung vom 13. März 2012. Dem Artikel zufolge "warnen Harvard-Wissenschaftler vor den gefährlichen Folgen von ausgiebigem Fleischgenuss": Wer täglich ein Hauptgericht mit rotem Fleisch oder Wurst und Schinken esse, so die Forscher im Fachblatt Archives of Internal Medicine, verkürze seine Lebenserwartung und habe ein erhöhtes Risiko für Infarkt, Schlaganfall, Diabetes und verschiedene Krebsleiden.
"Wer sich hingegen für gesündere Eiweißquellen entscheidet, hat gleich mehrere Vorteile davon und ist weniger gefährdet, chronisch krank zu werden oder gar früh zu sterben", sagt der Harvard-Ernährungswissenschaftler Frank Hu.

Weiter heißt es in dem Artikel: "Das Team aus Ärzten, Epidemiologen und Ernährungsexperten greift auf eine beeindruckende Datenbasis zurück, um seine Warnung zu untermauern. Die Forscher haben mehr als 37000 Männer und 83000 Frauen seit den 1980er Jahren beobachtet und immer wieder ihr Alltagsverhalten und ihre Ernährung analysiert. Nach durchschnittlich fast 30 Jahren zeigte sich, dass die Sterblichkeit der Studienteilnehmer um 13 Prozent erhöht war, wenn sie täglich eine Hauptmahlzeit Fleisch zu sich nahmen - und sogar um 20 Prozent anstieg, wenn sie jeden Tag Wurst, Schinken oder zu Aufschnitt verarbeitetes Fleisch aßen."


Link zum Artikel:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/542182

Sonntag, 12. Februar 2012

Ernährung und Erziehung: Schulklassen sollten Schlachthöfe besuchen.

Die Überzeugung, eine gesunde Ernährung sei nur mit Fleisch möglich, ist in den meisten Fällen anerzogen. "Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht" lautet ein bekanntes Sprichwort. Umgekehrt gilt natürlich das gleiche: "Was der Bauer (oder wer auch immer) kennt, frisst er". Und so ist es nur verständlich, dass ein Mensch, dem der tägliche Fleischkonsum von Anfang an vorgelebt wurde, dies für selbstverständlich und richtig hält und übernimmt. So wird es Menschen, die aus Familien kommen, in denen viel Fleisch gegessen wird umso schwerer fallen, mit dieser Ernährungsgewohnheit zu brechen. Umso wichtiger ist es, Kinder schon früh für dieses Thema zu sensibilisieren. Kinder sind sensibler als Erwachsene und haben noch ein natürliches und unverfälschtes Gerechtigkeitsempfinden. Gerade deshalb sollten Kinder wissen, wo das Fleisch auf ihrem Teller herkommt - und wie es entstanden ist. Die Konsequenz: Alle Schulklassen sollten mindestens einmal einen konventionellen Schlachthof besuchen. Das Argument, man könne Kindern so etwas nicht zumuten, ist pure Heuchelei. Wer tote Tiere ist, der soll auch wissen, wie diese Tiere getötet wurden - egal wie alt er ist. Es ist wichtig, die grausame Wahrheit über unsere Fleischindustrie zu kennen, um zu entscheiden, ob wir da mitmachen wollen oder nicht. Auch Kinder sind in der Lage, Entscheidungen zu treffen, und Verantwortung für ihre Umwelt zu tragen.

Der SPIEGEL berichtete im Januar über ein Kinderhilfswerk in Berlin, das junge Menschen zu gesunder Ernährung erziehen will. Zu Gast war der bekannte Koch und Veganer Björn Moschinski, der den Kindern zeigte, dass auch vegane Gerichte lecker sein können. Der Bericht verdeutlicht wieder einmal, dass Bildung eine entscheidende Rolle für die Art der Ernährung spielt - je geringer die Bildung, desto geringer auch die Wahrscheinlichkeit einer bewussten und damit vegetarischen Ernährung:

Der SPIEGEL, 16.01.2012:
 Im Lande Tofu
Von Gutsch, Jochen-Martin
Ortstermin: Das Kinderhilfswerk will junge Menschen in einem Berliner Problembezirk zu gesunder Ernährung erziehen.
 
Während Björn Moschinski eine Kiste Kürbisse hineinträgt, erklärt Theresa Reppenhagen die Sache mit der Bärchenwurst.
"Warum sieht die Wurst so aus, was denkt ihr?", fragt Reppenhagen und hält ein Bärchenwurstfoto hoch.
Vor ihr sitzen 18 Kinder an Tischen und schauen auf die Wurst in Bärchenform. "Kinder sollen das niedlich finden", sagt Frau Reppenhagen mit leicht brüchiger Stimme. "Sie sollen nicht daran denken, dass die Wurst aus einem Tier gemacht wurde, das leben wollte."
Zwei, drei Kinder kichern. Vielleicht aus Verlegenheit. Vielleicht, weil sie erst acht Jahre alt sind. Man hat ihnen erzählt, dass heute ein berühmter Koch vorbeikommt, hier in Berlin-Hellersdorf-Nord, um mit ihnen zu kochen. "Veganer Projekttag" heißt das Ganze, organisiert vom Deutschen Kinderhilfswerk und der Albert Schweitzer Stiftung. Aber Theresa Reppenhagen, eine runde Frau, von Beruf Tierschutzlehrerin, hat noch eine Frage.
"Alle Tiere wollen in Freiheit leben. Wir aber essen gern ihre Eier. Was machen wir da also?"
Ein Junge meldet sich. "Gar nichts", sagt er. "Einen Aufstand!", rät ein Mädchen. "Tofu essen?", fragt ein Junge.
Das ist das Zauberwort. "Ein toller Vorschlag", sagt Reppenhagen. "Ich habe früher auch Fleisch gegessen. Dann habe ich aber schreckliche Filme gesehen. Darüber, wie Tiere leiden. Ich habe geweint, wirklich geweint. Wenn nun kein Mensch mehr Fleisch essen würde und niemand mehr Tiere einsperrt, wäre das nicht toll?"
Die Kinder schauen Frau Reppenhagen an, als wollten sie sie trösten. "Deshalb ist heute der berühmte Koch Björn hier", sagt Reppenhagen. "Er wird euch zeigen, wie man tierfreundlich kocht."
Der Koch heißt mit vollem Namen Björn Moschinski, 32, betreibt ein veganes Gourmet-Restaurant in Berlin-Mitte, schreibt vegane Kochbücher, spricht manchmal im Fernsehen über veganes Kochen und lebt "aus Überzeugung" vegan, seit er 15 Jahre alt war. Vegan heißt: kein Verzehr tierischer Produkte. Also auch keine Eier, keine Milch, kein Honig. Moschinski steht dabei in der noch jungen Tradition des Kochs als Pädagoge. Jamie Oliver sorgt in britischen Schulen für gesundes Essen. Christian Rach rettet auf RTL Restaurants vor der Pleite. Björn Moschinski will den Veganismus nach Hellersdorf-Nord bringen. Das ist sicherlich die schwierigste Aufgabe.
"Wisst ihr denn überhaupt, was das ist, vegan?", fragt Björn Moschinski.
Ein Junge meldet sich.
"Ein Land!", sagt er.
Im Prinzip ist das gar nicht falsch. Vegan ist ein fernes, fremdes Land, von Hellersdorf-Nord aus betrachtet. So wie das Land Zamonien in den Büchern von Walter Moers. Die Kinder sitzen hier im "Haus Babylon", einem Sozialprojekt, untergekommen in einem dreigeschossigen DDR-Bau, von dem die Leiterin sagt, er sei "sanierungsbedürftig". In den nächsten zwei Stunden fällt dann auch fünfmal der Strom aus. Katja Franckowiak, die Klassenlehrerin, sagt, dass von den Kindern niemand Vegetarier oder Veganer sei. Dafür seien von den Eltern rund 70 Prozent Hartz-IV-Empfänger.
Tiere sind in Hellersdorf-Nord nicht die einzigen Lebewesen mit Problemen, heißt das wohl. Warum ist die Klasse überhaupt hier? "Ich wollte ja nur einen Raum für den Kinderfasching buchen", sagt Franckowiak. Dann habe man sie gefragt, ob die Klasse an einem "Veganen Projekttag" teilnehmen könnte. "Von einem Tierschutzvortrag war nie die Rede", sagt Franckowiak und rollt die Augen.
Zum Glück wird gekocht. "Hokkaidokürbiscremesuppe, Mangolassi und Spaghetti bolognese mit Soja", sagt Björn Moschinski, der mit Dreadlocks, Kopftuch, Koteletten aussieht wie ein RTL-Fernsehkoch, und der den Ernährungszeitgeist von Berlin-Mitte nach Hellersdorf-Nord trägt.
Der Zeitgeist heißt: Bewusstsein. Früher aß man in Deutschland eher unbewusst und unpolitisch. Essen war keine Gewissensentscheidung. Wichtig war, dass genug da war. Heute soll Essen gesund sein oder biologisch oder vegetarisch oder vegan. Je nachdem. Sag mir, wo du stehst.
"Essen heißt eine Entscheidung treffen", meint Moschinski. Die Frage ist nur: Wann fängt man damit an? Die Kinder gehen in die dritte Klasse. Sie halten "Vegan" für ein Land.
"Man kann sogar noch früher anfangen", sagt Moschinski und wischt die Hände an seiner Kochschürze trocken, auf der "Vegan Head Chef" steht. "Meine Nichten sind auch Veganer." Wie alt sind die? "Fünf und sieben", sagt Moschinski. Dann erzählt er von seinem Restaurant in Mitte, den Weinen, der Innenarchitektur, dem Lichtkonzept. Währenddessen fällt im Haus Babylon der Strom aus.
Als die Soja-Bolognese und die Hokkaidokürbiscremesuppe fertig sind, essen die Kinder. Niemand beschwert sich. "Vegane Küche kann lecker sein", sagt Moschinski in die Runde. Es klingt wie eine Losung. Ein veganischer Merksatz für Hellersdorf-Nord.
Dann tippt ein Mann, Mitarbeiter im Haus Babylon, Moschinski auf die Schulter. "Woll'n Se vielleicht Kaffee?"
"Gern", sagt Moschinski.
"Mit Milch?", fragt der Mann.

Quelle: DER SPIEGEL 3/2012
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-83588356.html

Samstag, 4. Februar 2012

Studie: Fleischesser feinden Vegetarier an

Eine Erfahrung, die wohl jeder Vegetarier schon häufig machen musste, wird nun offiziell in einer Studie belegt: Fleischesser fühlen sich von Vegetariern moralisch angegriffen und feinden diese deshalb an - selbst dann, wenn die Vegetarier ihre Ernährungsweise überhaupt nicht thematisieren.  

Fleischesser sind Meister der Verdrängung, und anstatt sich mit den eigenen Widersprüchen zu befassen (der Klassiker: liebt sein Haustier, hat aber kein Problem mit dem täglichen anonymen Schnitzel), ist es eben einfacher Vegetarier anzufeinden oder sich über sie lustig zu machen. Dieses Verhalten zeigt, dass Fleischesser offenbar - bewusst oder unbewusst - doch nicht so ganz von der Richtigkeit ihres Lebensstils überzeugt sein können. Andererseits würden sie wohl souveräner gegenüber Vegetariern reagieren.


Psychologie und Ernährung: Warum Fleischesser Vegetarier anfeinden

Süddeutsche Zeitung, vom 03.02.2012

Von Sebastian Herrmann
 
"Kommt zu Tisch, das Essen wird welk": Viele Menschen reagieren auf Vegetarier wie auf Angehörige eines exotischen Volksstammes, die erst bestaunt und dann lächerlich gemacht werden. Psychologen haben eine ganze Reihe Erklärungen für Vegetarierwitze und andere Abwehrreaktionen der Fleischesser. 

Wie nennt man einen dicken Vegetarier? Biotonne. Und was sagt ein Vegetarier, der seine Familie zu Tisch ruft? "Kinder, das Essen wird welk." Im Internet sprießen Vegetarierwitze wie diese. Und in den immer gleichen Diskussionen, in denen Menschen, die kein Fleisch essen, ihre Entscheidung rechtfertigen müssen, fällt in aller Regel ein Spruch wie dieser: "Ich mag Vegetarier nicht, die essen meinem Steak das Essen weg." Warum aber reagieren viele Menschen auf Vegetarier wie auf Angehörige eines bislang isoliert lebenden Volksstammes, die erst bestaunt und dann lächerlich gemacht werden?
Julia Minson von der Universität Pennsylvania und Benoît Monin von der Universität Stanford bieten eine Erklärung an (Social Psychological and Personality Science, Bd. 3, S. 200, 2012). Fleischesser hätten oft das Gefühl, dass Vegetarier sie moralisch verurteilten und fühlten sich zu schlechten Menschen degradiert. Und Attacken auf ihr positives Selbstbild wehren Menschen ab, indem sie Angreifer lächerlich machen.

Ihren Exotenstatus haben Vegetarier eigentlich längst eingebüßt. In Deutschland verzichten heute bis zu sechs Millionen Menschen auf Fleisch und befolgen eine der unterschiedlich strengen Formen des Vegetarismus. Die Mehrzahl habe sich aus ethischen Gründen zu diesem Schritt entschieden, schreiben die Ernährungswissenschaftler Claus Leitzmann und Markus Keller in ihrem Buch "Vegetarische Ernährung". Sie lehnen die Tötung von Tieren ab oder wollen vermeiden, dass die Umwelt etwa durch Klimagase aus der Viehzucht belastet wird. 

Diese Haltung qualifiziere Vegetarier zum Status einer Minderheit, deren moralischer Anspruch über den der gesellschaftlichen Mehrheit hinausweise, argumentieren Minson und Monin. Deshalb müssen Vegetarier nicht einmal penetrant mit ihrer Entscheidung hausieren gehen, um bei Fleischessern Abwehrreaktionen auszulösen. Schon ein stummer Vegetarier stellt einen impliziten moralische Vorwurf dar, auf den Menschen hochsensibel reagieren.

Das zeigte sich in zwei Studien von Minson und Monin. Sie baten ihre Probanden - alles Menschen, die Fleisch essen - sämtliche Begriffe zu notieren, die ihnen zu Vegetariern in den Sinn kamen. Knapp die Hälfte der Teilnehmer nannte vor allem negative Begriffe wie "arrogant", "nervig" oder "selbstgerecht". Anschließend baten die Psychologen sie um ihre Einschätzung, wie Vegetarier Fleischesser moralisch bewerten. Wer zuvor negative Begriffe genannt hatte, fühlte sich auch eher durch Vegetarier abgewertet, weil er Fleisch aß. In ihrem zweiten Versuch drehten die Psychologen den Spieß um. Nun ging es zuerst um das Bild, das Vegetarier von Fleischessern haben könnten und fragten dann nach Assoziationen. Damit stellten sie den Angriff auf das moralische Selbst quasi in den Raum - und nun ergab sich ein noch dunkleres Bild als zuvor.

Konflikte durch das Fleisch-Paradoxon

Auch Psychologen um Brock Bastian erkundeten kürzlich, weshalb sich Fleischesser implizit angegriffen fühlen könnten (Personality and Social Psychology Bulletin, online). Die Forscher von der Universität Queensland analysierten die innere Rechtfertigung, durch die Menschen mit dem sogenannten Fleisch-Paradoxon zurechtkommen: Warum genießen Menschen Fleisch und empfinden gleichzeitig Zuneigung zu Tieren? Grundsätzlich werden Tier und Steak in der Vorstellung getrennt.
Bastian zeigte nun, dass es vielen Menschen als gerechtfertigt erscheint, Tiere zu essen, wenn deren geistige Fähigkeiten als sehr gering gelten. Nun sind zum Beispiel Schweine bekanntermaßen sehr schlaue Tiere. Doch das können Fleischesser laut Bastian verdrängen und sich weiter als gute Menschen fühlen, wenn sie ein Schnitzel auf dem Teller haben - außer ein Vegetarier isst neben ihnen seinen panierten Sellerie.

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-und-ernaehrung-warum-fleischesser-vegetarier-anfeinden-1.1274443

 

Donnerstag, 26. Januar 2012

Tiere sind auch nur Menschen

Ein wegweisendes Essay von Iris Radisch aus der Zeit vom 12.08.2010, das den Argumenten unverbesserlicher Fleischesser mit überzeugenden Argumenten den Wind aus den Segeln nimmt.

Wer darf wen töten und warum? Es gibt keine ethische Begründung für die Schlachthäuser. Ein Plädoyer für den Vegetarismus

Wer darf wen töten und warum? Es gibt keine ethische Begründung für die Schlachthäuser. Ein Plädoyer für den Vegetarismus
Die alles entscheidende Frage, dürfen wir Tiere töten, um ihre Leichen zu essen, haben wir seit Ewigkeiten beantwortet. Vielleicht nicht mit dem Kopf, aber doch mit den Zähnen. Der Tieresser steht auf der Siegerseite der Evolution. Er ist der König der Nahrungskette.

Ausgiebiger Fleischgenuss signalisierte lange Zeit Wohlstand, und Wohlstand signalisierte soziale Integration. Je bedeutender der Mensch, desto größer die Fleischportion auf seinem Teller. Vegetarismus hingegen war eine Lebensweise mit dem zweifelhaften Odium einer sektiererhaften Marotte. Sie berief sich zwar gelegentlich auf eine ferne antike Überlieferung (die Orphiker und die Pythagoräer waren Vegetarier), entstand aber im fleischessenden Abendland recht eigentlich erst in den unübersichtlichen Umtrieben der Lebensreformbewegung am Ende des 19. Jahrhunderts, die ihrerseits eine politisch unzuverlässige, teils radikaldemokratische, teils völkische, in jedem Fall widerspenstige und anarchische Reaktion auf die Zwänge der beginnenden Industrialisierung war.

Der Vegetarier war ein Sonderling, ein Außenseiter der Gesellschaft. An ihm haftete der Makel, sich einem zentralen Übereinkommen des vernünftigen Zusammenlebens zu widersetzen. Wer nicht wie alle anderen Fleisch aß, war womöglich auch sonst zu nichts Ordentlichem zu gebrauchen. Zahlreich waren die Anekdoten, die das berufliche Missgeschick dieses oder jenes Großonkels auf die in meiner Familie seit Generationen verbreitete Unfähigkeit, Tiere zu essen, zurückführten.

Das alles scheint lange her zu sein und ist doch erst seit Kurzem vorbei. Heute ist der Vegetarismus in jedem Sinn in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vegetarische Speisegaststätten gibt es überall in den Innenstadtvierteln, in Berlin hat soeben die erste vegetarische Mensa eröffnet. Es gibt viele Intellektuelle und Künstler, die sich für den Vegetarismus einsetzen. Und es gibt einen Vegetarismus-Chic in den besseren Kreisen. Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Safran Foer hat gerade ein sehr erfolgreiches und viel diskutiertes Buch veröffentlicht, das uns in schönster Offenheit dazu auffordert, am besten keine und am zweitbesten weniger Tiere zu essen. Alles schön und gut. Bleibt nur noch die Frage, ob wir Tiere überhaupt töten dürfen.

Normalerweise werben die Vegetarier für ihre Lebensart, indem sie den Fleischessern die gesundheitlichen Nachteile ihrer Ernährungsweise mahnend vor Augen halten. Dazu zählen die vielen Herz- und Krebsleiden, die Übertragung von Viren und Giftstoffen, die Gefahr, an Osteoporose, Gicht, Rheuma, Bluthochdruck, Adipositas und so weiter zu erkranken. Das alles ist bedenkenswert. Für die Frage nach unserem Recht, Tiere zu töten, um sie zu essen, sind diese luxuriösen Diskussionen um die möglichen Zuwachsraten unseres ohnehin bereits beträchtlichen leiblichen Wohlergehens aber unerheblich.

Das gilt auch für den noch viel gewichtigeren Trumpf in der Hand der Vegetarier: die ungeheuere Belastung der Erde durch die Treibhausgasemissionen, die durch die Massentierhaltung entstehen. Gerade veröffentlichte das unabhängige Washingtoner Worldwatch Institute seine jüngsten Messungen, nach denen die Massentierhaltung nicht nur wie bisher angenommen für 18 Prozent, sondern sogar für über 50 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. Fleisch essen ist schlimmer als Auto fahren.

Von dem unverantwortlichen Wasserverbrauch, der unwirtschaftlichen Vernichtung von Anbaufläche, der Rodung der Wälder zur Vermehrung von Weideflächen noch gar nicht zu reden. Niemand bezweifelt diese für unsere Überlebensaussichten äußerst betrübliche Diagnose. Sie ist ein starkes Argument für eine drastische Senkung des Fleischkonsums. Doch erspart auch sie uns nicht die alles entscheidende Frage, die man auch unseren ökologisch korrekten Urahnen hätte stellen müssen: Wer darf wen töten und warum?

Die Entscheidung ist bereits gefallen. Der Mensch genießt das Recht auf leibliche Unversehrtheit. Das Recht des Tieres, das wir ihm einräumen, besteht demgegenüber darin, vor dem Zerstückelt- und Ausgenommenwerden durch einen Metallbolzen, der ihnen den Schädel spaltet, betäubt oder an einem Haken kopfüber aufgehängt durch ein elektrisches Wasserbad gezogen zu werden.
Das Ungleichgewicht der Rechte springt ins Auge, wird aber außer von einigen Tierethikern wie Peter Singer, Tom Regans, Helmut F. Kaplan, Ursula Wolf und den unermüdlich, teils auch radikal kämpfenden Tierrechtsorganisationen wie Peta kaum infrage gestellt. Es ist die Grundlage dessen, was wir als Normalität bezeichnen. Aber was, wenn wir uns einfach geirrt haben? Ist es möglich, dass, was seit Jahrtausenden als normal gilt, dennoch ein ungeheueres Unrecht ist?

Ja, es ist möglich. Die Gründe, die wir für das eklatante Ungleichgewicht der Rechte zwischen Mensch und Tier geltend machen, sind allesamt windig. Überdies sind sie widersprüchlicher Natur. Sie stehen sich gegenseitig im Weg, weil sie sich wahlweise auf den tierischen oder auf den göttlichen Ursprung des Menschen berufen. Einerseits, heißt es, tötet der Mensch Tiere, weil er – selbst ein Tier – nicht anders kann.
Das ist die sogenannte Naturthese: Tiere fressen eben Tiere. Andererseits behauptet man, gerade die evolutionäre Überlegenheit des Menschen erlaube ihm, das Tier zu töten und mit seinen Leichenteilen Handel zu treiben. Das wäre die Kulturthese: Der Mensch isst Tiere, weil er besser ist als sie. Beide Begründungen hinken und sollten uns nicht ruhig schlafen beziehungsweise essen lassen. Einzig wer meint, dass man Tiere schon allein deswegen töten darf, weil ihre sterblichen Überreste, gut gebraten und gewürzt, gut schmecken, kann sich unbesorgt zu Tisch setzen (und wird betrüblicherweise spätestens an dieser Stelle die Lektüre des Artikels abbrechen).

 Welche Entschuldigung haben wir den vier Rindern, 46 Schweinen, vier Schafen, 46 Truthähnen, zwölf Gänsen, 37 Enten und 945 Hühnern, die jeder Fleischesser durchschnittlich in seinem Leben verspeist, für ihren Tod also zu bieten? Betrachten wir zunächst die Naturthese. Fleisch essen gehöre angeblich zur menschlichen Natur. Doch was ist die Natur des Menschen? Vor allem ist sie ein Wort, das, wenn es im Sinn von Ursprünglichkeit oder Gottgegebenheit verwendet wird, jede Diskussion beendet (siehe Natur der Frau, Natur der Schwarzen und so weiter).

Die akademische Debatte darüber, ob der Steinzeitmensch eher ein Pflanzen- oder ein Fleischfresser war, verliert sich schnell im Nachmessen der Darmzotten und des Zungendurchmessers. Die eine Fraktion beruft sich auf die Reißzähne und die Magensäure des Menschen, um ihn den Karnivoren zuzuschlagen. Der anderen gilt als Beweis für sein natürliches Pflanzenfressertum, dass er anders als jedes karnivore Tier Fleisch im rohen Zustand nicht herunterbekommt.

Für die Frage, ob wir dürfen, was wir tun, nämlich morden, um zu essen, spielt dieser Streit um die Ernährungsgewohnheiten des Menschen in der Frühzeit keine Rolle. Denn selbst wenn der Urmensch die Tiere den Blättern vorgezogen hat oder vorziehen musste, ist dies kein Grund, ihm nachzueifern. Seit Jahrtausenden ist der Mensch damit beschäftigt, die rohen Sitten seiner Urahnen zu zähmen und zu kultivieren. Ein Vorgang, den man Zivilisation nennt und der uns immerhin schon so weit gebracht hat, Zeitung zu lesen, zum Mond zu fliegen und von der Unsitte des angeblich besonders schmackhaften Menschenfleischverzehrs abzulassen (es gibt Berichte von bekehrten Wilden, die auf dem Totenbett in Erinnerung an die Menschenfleischgenüsse ihrer Kindheit vor Sehnsucht geweint haben sollen). Warum sollten wir ausgerechnet an der Fleischtheke in der Steinzeit stehen bleiben?

Auch die Mär, dass der Mensch von Natur so eingerichtet sei, dass er sich nur mit Fleisch gesund erhalten kann – noch vor wenigen Jahren häufig in seriösen Publikationen nachzulesen –, ist, abgesehen von kleinen Problemen bei einer dauerhaft veganen Ernährung, reiner Unsinn. Die Ernährungswissenschaft hat inzwischen nichts mehr gegen eine völlig fleischfreie Kost einzuwenden.
Womit das Naturargument an sein verdientes Ende kommt: Tiere essen ist purer Luxus. Nichts als ein paar Sekunden Gaumenkitzel, der einen blutigen Preis hat. Doch selbst die Fleischeslust kann völlig verschwinden. Wer noch nie Fleisch gegessen hat, kennt sie nicht einmal. Sie ist offensichtlich kein dunkler, unbeherrschbarer Naturtrieb, sondern nur eine Gewohnheit unter anderen Gewohnheiten. Eine, die man in der modernen Welt mühelos in wenigen Generationen verlernen könnte.
Bleibt das Kulturargument. Es läuft, vereinfacht gesagt, darauf hinaus, dass der Mensch das Tier essen darf, weil er Verstand und das Tier keinen hat. Der Mensch kann Klavier spielen und Porsche fahren, das Schwein kann sich nur im Sand suhlen. Was also liegt da näher, als es zu essen?

Was für ein Hochmut! Ein paar minimale Unterschiede im genetischen Code sollen uns dazu berechtigen, unsere nahen Verwandten, die Kühe, Schweine, Pferde und Schafe, essen zu dürfen? Das Tier, sagt die im Christentum gepflegte Legende, könne nicht denken und habe keine Seele. Sein »Mangel an Vernunft«, so Kirchenvater Augustinus, bestimme es zum Schlachtvieh, die »gerechte Anordnung des Schöpfers« habe sein »Leben und Sterben unserem Nutzen angepasst«. Im Inneren der Tiere befinde sich, glaubte Descartes, nur eine »Maschine«, im Inneren der Menschen hingegen »eine vernünftige Seele«. Mit solchen und ähnlichen Phrasen geben wir uns bis heute zufrieden, wenn wir festlegen, welches Leben wertvoll und zur Erhaltung und welches wertlos und zur Vernichtung bestimmt ist.
Was die Herren offenbar nicht bedachten: Setzte man sie einsam auf einer Palme im Dschungel aus oder hieße sie, im Winter nach Afrika zu fliegen, wären sie samt ihrer vernünftigen Seele ziemlich ratlos. Denn Tiere, zumindest unsere Verwandten, die Säuge- und Wirbeltiere, sind nur anders schlau als wir. Es wäre »pervers«, so der Harvard-Forscher Steven Pinker, »den Säugetieren das Bewusstsein abzusprechen«. Auch Vögel und andere Wirbeltiere hält er für »beinahe bei Bewusstsein«, nur bei niederen Tieren wie Austern und Spinnen verlieren sich die Gewissheiten in den unerfindlichen Abgründen der Schöpfung.

Das Rätsel des tierischen Innenlebens werden wir, eingesperrt in die menschliche Sicht der Dinge, nie ganz lösen, auch wenn wir uns mit dressierten Affen ganz passabel in Zeichensprache unterhalten, mit Pferden flüstern und unserem Hund ohnehin jeden Wunsch von den Augen ablesen können. Tiere leben in einem anderen Universum, die Botschaften, die wir von dort erhalten, können wir nicht alle verstehen. Doch der Respekt vor der fremden Intelligenz muss heute die alte Überheblichkeit ablösen.
Was, wenn die Tiere uns für ebenso seelenlos halten wie wir sie, nur weil wir so anders sind? Und was, wenn die Evolution noch eine Ehrenrunde dreht und eine Spezies hervorbringt, die uns für zu dumm hält und deswegen einsperrt und auffrisst? »Eines Tages«, frohlockte der erste Tierrechtler und Philosoph Jeremy Bentham im Jahr 1789, »wird man erkennen, dass die Zahl der Beine, die Behaarung der Haut und das Ende des os sacrum sämtlich unzureichende Gründe sind, ein lebendiges Wesen schutzlos den Launen eines Peinigers auszuliefern.« Der Tag ist gekommen.

Heute weiß man, dass sich der Mensch entgegen den frommen Wünschen der christlichen Philosophen hinsichtlich der Erbinformation nur geringfügig von den anderen Säugetieren unterscheidet. Das Nervensystem, die Verarbeitung von Reizen, Emotionen wie Angst und Panik sowie das Empfinden von Schmerzen sind bei Mensch und Tier identisch. Das komplizierte Paarungsverhalten, das Zusammenleben in Gruppen und Familien, die Fähigkeit, vorzusorgen und zu planen, die vielfältigen wortlosen Verständigungssysteme der Tiere untereinander weisen sie als unsere nächsten Verwandten aus. Die Unterschiede, die zwischen uns und ihnen bestehen bleiben, sind nur gradueller, aber keineswegs prinzipieller Natur.

In vielem sind Tiere dem Menschen sogar weit überlegen. Der Seh-, Hör- und Tastsinn ist bei den meisten Säugetieren höher entwickelt als bei uns. Vom genialen tierischen Navigationssystem, von den Feinheiten der Brutpflege, der beneidenswerten animalischen Work-Life-Balance, der Schönheit und Eleganz der Bewegung, dem bewundernswert genügsamen Lebensstil der Tiere gar nicht erst zu reden. Kurzum: Es gibt überhaupt keinen Grund, den Menschen Leidensfähigkeit und Lebensrecht zuzusprechen und es den Tieren abzuerkennen.

 Auch die sogenannte Kulturthese, nach der wir töten dürfen, weil wir so besonders klug sind, gehört also auf den Friedhof für ausgediente Ideologien. Rechtfertigen sollten sich nicht mehr diejenigen, die keine Tiere essen, sondern diejenigen, die es dennoch tun. Denn abgesehen von den kognitiven Fähigkeiten sind Tiere genauso Menschen wie Menschen umgekehrt Tiere sind. Doch während das Menschliche im Tier in seinen Angstschreien und seiner Todespanik in den Schlachthäusern nur allzu deutlich wird, hat der Mensch das Tier in sich auf seinem zivilisatorischen Siegeszug gezähmt oder ausgerottet. Furchtbares – so eine der zentralen Thesen der Frankfurter Schule – habe die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen, geschaffen war. Etwas von dieser Selbstverstümmelung, behauptete Max Horkheimer, werde in jeder Kindheit wiederholt. Und, genau besehen, auch bei jedem Mittagessen.

Die Verstümmelung und Herabwürdigung der Tiere zur toten Ware, und zwar ausgerechnet solcher Tiere, die uns am ähnlichsten sind (aus welchem anderen Grund sollten wir lieber Schafe und Schweine als Würmer und Käfer essen?), setzt die Gewalt gegen das Tier in uns selbst fort. »Es herrscht nicht nur Krieg zwischen uns und ihnen«, schreibt Jonathan Safran Foer in seinem neuen Buch, »sondern zwischen uns und uns.«
Wir haben das Tier in uns vergessen und vergessen das Tier, sobald es auf unserem Teller liegt. Das gehört zur Verhaltensweise der Kälte, der vielleicht zentralsten psychosozialen Technik fortgeschrittener Kulturen. Dennoch dürfte es wenige Fleischesser geben, die unbeeindruckt blieben, wenn sie sich der Unbequemlichkeit aussetzten, beispielsweise einen Film anzusehen, der ihnen zeigt, wie das Fleisch auf ihre Teller kommt (sehr häufig werden Tiere in der industriellen Schlachthausroutine nicht gründlich genug betäubt und schreiend bei lebendigem Leib gehäutet und zerstückelt). Der südafrikanische Literaturnobelpreisträger J. M. Coetzee erinnert in seiner bewegenden Erzählung Das Leben der Tiere an die »gewaltige gemeinschaftliche Anstrengung«, derer es bedarf, um »unsere Herzen vor den Schlachtstätten zu verschließen«.

Gleichwohl kultivieren wir inmitten dieser offensichtlichen Mitleidslosigkeit sonderbare Mitleidsnischen. Niemand möchte seinen eigenen Hund oder sein eigenes Pferd essen, obgleich Hunde und Pferde durchaus gegessen werden. Für unsere Katzen kaufen wir altersgerechtes Katzenfutter und lassen sie beim Tierarzt gegen Diabetes behandeln, während wir Kühe und Hühner, sauber in Cellophan verpackt, in der Tiefkühltruhe aufbewahren. Dabei ist die Artengrenze, die festlegt, welches Tier geliebt und welches gemordet wird, völlig willkürlich und abhängig von den Sitten und Moden.
Wenn wir die Tiere selbst töten müssten, die wir essen, würde der Fleischkonsum, der sich in den letzten 40 Jahren weltweit verdreifacht hat, vermutlich sprunghaft zurückgehen. Doch die Fleischindustrie, die uns das tote Tier, von Blut gesäubert und zur Unkenntlichkeit zerstückelt, ins Haus liefert, betäubt unsere Empathiefähigkeit. Es fällt uns schwer, uns in unsere Opfer hineinzuversetzen, sie uns als lebendige Individuen überhaupt noch vorzustellen. In diese Vorstellungslücke stoßen die Tiere als Haustiere, Filmhelden, Comic- oder Plüschfiguren.
Sie sind die einzigen Tiere, die viele Kinder neben den gebratenen Tierresten auf ihrem Teller noch kennenlernen. Doch sie sind nur Dekor, Erinnerungsstücke an die wirkliche Tierwelt, die selbst nicht mehr zu sehen ist. »Der Blick zwischen Tier und Mensch«, schreibt der Schriftsteller John Berger, »mit dem alle Menschen noch bis vor weniger als einem Jahrhundert gelebt haben, wurde ausgelöscht.«
Was folgt nun aus alldem? Für Jonathan Safran Foer folgt daraus, dass wir zumindest die industrielle Massenhaltung der Tiere unbedingt boykottieren sollten. Tiere müssen wieder artgerecht gehalten und sorgfältig, nicht am Fließband, geschlachtet werden. Und weil aber nahezu alle Tiere, die wir essen, aus Massentierhaltung stammen und in Todesfabriken geschlachtet werden, empfiehlt selbst der Wohlfühlvegetarier Foer, auf Fleisch ganz zu verzichten. Und nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf Eier und Fisch, wenn uns das Leben der Legehennen und der sinnlose Tod unzähliger Meerestiere dauert, die für jedes Sushi-Essen als Beifang gestorben sind und wieder ins Meer geworfen werden.
Dem Mitleidsgebot – du darfst die dir verwandten Tiere überhaupt nicht töten, nur weil sie dir schmecken – weicht Foer aus. Er sei, schreibt er, »nicht allgemein dagegen, Tiere zu essen«. Das Glück der Tiere und die Qualität ihres Fleisches liegen ihm mehr am Herzen als ihr Recht auf Leben. Für ihn gibt es, was für mich undenkbar ist: »ethisch unbedenkliches Fleisch«.

 So viel Versöhnlichkeit mag die Argumentation dieses eindrücklichen Buches schwächen, aber sie ist nicht unvernünftiger als die Wirklichkeit: 94 Prozent der Deutschen essen gern tote Tiere. Foer agiert wie ein Emissär mit weißer Fahne, der im unversöhnlichen Krieg zwischen der winzigen Minderheit der Tierrechtler und der überwältigenden Mehrheit der Tieresser Frieden stiften will, um das schwerfällige Rad der Geschichte gemeinsam ein wenig zugunsten der Tiere voranzudrehen. Das ist schon viel.
Am Ende wird der Verzicht auf Fleisch allen helfen, den Tieren und den Menschen. Er wird nicht alle Menschheitsprobleme lösen. Er löst noch nicht einmal alle moralischen Probleme, vor die uns unser Hunger stellt. Die Grenzen des Tötungsverbots sind niemals eindeutig zu bestimmen in der unendlichen Kette der Lebewesen. Warum verschone ich die Kuh und töte die Fliege? Ist das Seepferdchen weniger wert als das Pony? Und was ist mit dem Seelenleben der Pflanzen? Der grelle Scheinwerfer der Erkenntnis durchdringt die Materie, doch die meisten Geheimnisse des Lebens bleiben im Dunkeln. Es ist unmöglich, in unserem Zusammenleben mit den Tieren alles richtig zu machen. Doch gibt uns das noch lange nicht das Recht, alles falsch zu machen.

Quelle: www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Essay