Sonntag, 16. September 2012

Akte Fleisch: Einblicke in eine mörderische Industrie

250 Millionen Tonnen Fleisch verzehrt die Menschheit jährlich. 250 Millionen Tonnen Leid. Tendenz: steigend – mit drastischen Folgen für die Umwelt. Aber es steigt auch die Zahl der Stimmen, die es satt haben, sich an diesem Verbrechen zu beteiligen. Der Dokumentarfilm „Akte Fleisch“ befasst sich mit den globalen Auswirkungen einer mörderischen Industrie und lässt Ärzte, Wissenschaftler und Ernährungsexperten zu Wort kommen. Auch Metzger und Schlächter erzählen von ihrem blutigen Alltag. 

"Das Fleisch, das wir essen, ist ein zwei bis fünf Tage alter Leichnam" (Volker Elis Pilgrim, Schriftsteller).

Gerd Altmann  / pixelio.de

Fleisch und Gesundheit


1950 lag der Fleischverbrauch pro Kopf in Europa noch bei 26 Kilogramm, 2012 liegt er bei über 60 Kilogramm. Dieser Anstieg ist nicht folgenlos für die Gesundheit der Konsumenten. Dr. Annemarie Groß vom Internationalen Institut für Ernähurungsheilkunde erklärt, dass Herzkreislauferkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, Gicht, Gelenkerkrankungen und Tumorerkrankungen mit dem Fleischkonsum zunehmen.


"Wissenschaftlich längst widerlegt" sei, dass Fleisch für die menschliche Gesundheit notwendig ist, sagt Doktor Hans-Günther Kugler, Experte für Mikronährstoffmedizin.  Das Schlaganfallrisiko bei Frauen korreliere mit dem Fleischkonsum. Wohlstandskrankheiten verursachen rund 30 Prozent aller Ausgaben im Gesundheitssystem. Tendenz steigend.  1,7 Milliarden Übergewichtige gibt es nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Übergewicht ist die Hauptursache für Diabetes.  Prof. Dr Claus Leitzmann vom Institut für Ernährungswissenschaften in Gießen ergänzt: "Cholesterin findet sich nur in tierischen Lebensmitteln., auch gesättigte Fettsäuren überwiegend in tierischen Lebensmitteln, ebenso Purine, die zur Gicht führen können.“


Auch das Risiko für Darmkrebs und Magenkrebs steigt. Argentinien und Uruguay, die beiden Länder mit dem meisten Rindfleischkonsum, verzeichnen die höchste Rate an Brust- und Darmkrebs. Fleisch kann auch die Gedächtnisleistung negativ beeinflussen. Es gebe Hinweise für einen Zusammenhang mit Alzeimer, sagt Kugler. Die Aussage "Fleisch ist ein Stück Lebenskraft" ist "fahrlässig, wenn nicht absurd", resümiert Kugler.

Fleisch und Hunger


Jährlich werden unvorstellbare 250 Millionen Tonnen Fleisch verbraucht, 2050 sollen es sogar nochmal doppelt soviel sein, laut einer Prognose der Welternährungsorganisation FAO. Das hat drastische Folgen für Umwelt, Klima, Tiere - und Menschen. Rund ein Drittel der weltweiten Getreideernte wird als Tierfutter verwender. "Ohne den Umweg über den Tiermagen könnten mit der gleichen Menge Soja und Getreide rund zehnmal so viele Menschen satt werden", heißt es in dem Film. Zudem trage die Nutztierhaltung in großem Umfang zur Abholzung des Regenwaldes bei: 70 Prozent der abgeholzten Regenwaldfläche in Lateinamerika ist in Weidefläche umgewandelt worden.


Für die Herstellung von nur einem Kilo Fleisch werden bis zu 20.000 Liter Wasser verbraucht und 50 Quadratmeter Regenwald zerstört., die Umweltbelastung entspricht einer Autofahrt von etwa 259 Kilometern. Skandalös, dass angesichts dieser Fakten die Fleischproduktion über verschiedene Subventionen auch noch zusätzlich politisch unterstützt wird. Es ist eine Irrlehre, Fleisch sei ein Grundnahrungsmittel. Nicht zuletzt deshalb fordert unter anderem die Welternährungsorganisation FAO die Einführung einer Fleischsteuer in ihrem Jahresbericht 2009: „Das ist ein möglicher Weg um sicherzustellen, dass Produzenten, deren Tätigkeiten zu Umweltschäden führen, auch für diese Schäden gerade stehen müssen“. Indess schreitet der Klimawandel weiter voran. „Der blaue Planet wird durch die Fleischproduktion zerstört – das ist wissenschaftlich belegt und wir müssen davon abkommen“, resümiert Dr. Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater der Tierrechtsorganisation Peta.

Fleisch und Tierleid 

 

98 Prozent der angebotenen Fleischprodukte stammen aus konventioneller Massentierhaltung – also auch die Produkte vom „Metzger nebenan“. BUND-Chef Hubert Weigert fordert deshalb, die  Haltungsbedingungen zur Abschreckung auf den Etiketten der Fleischprodukte abzubilden. Schweine gelten als ebenso intelligent wie ein dreijähriges Menschenkind. Sie weinen, empfinden Trauer und Angst. Das gilt für Bio-Schweine genauso, wie für alle anderen. Das Schreien der Tiere, die einen mit großen Augen angucken, die Tränen der Kälber, wie hält man das aus? Der ehemalige Schlachter Hubert Liebertz bestätigt, was jeder ahnt: „Wenn man den Beruf eine gewisse Zeit lang macht, stumpft man einfach nur ab“. Die meisten seiner Kollegen seien irgendwann zu Alkoholikern geworden. Er selbst konnte irgendwann nicht mehr. Als er ein weinendes Kalb sah, hängte seinen Beruf  an den Nagel und wurde zum Vegetarier. Es ist die Banalität des Bösen, die ein anderer Metzger, angesprochen auf seine Tätigkeit, ausspricht: „Der Tod im Lebensmittelbereich gehört mit zum Leben. Wir produzieren hochwertigste Lebensmittel für den Verbraucher. Insofern ist das Thema Blut für mich zum Prozess gehörig.“ Ein anderer Schlachter spricht die ganze Verlogenheit der verbrecherischen Fleischindustrie in einem einzigen entlarvenden Satz aus: „Wir wollen Menschen nicht an die Tötung eines Tieres heranführen. Da würden wir Befindlichkeiten wecken, die wir nicht wecken wollen.“

 „Wären Schlachthäuser aus Glas, wäre jeder Vegetarier“, hatte der Vegetarier Paul McCartney einmal gesagt. Das ist wohl nur eine Wunschvorstellung. Man kann aber davon ausgehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine Tiere mehr essen würde, wenn die Tötungsstätten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht würden. Tiere werden nur noch als Produktionsmittel und nicht mehr als Lebewesen gesehen. Massentierhaltung gehört zu den schlimmsten Verbrechen der Menschheit. Es ist höchste Zeit, die Menschheit damit zu konfrontieren. 

"Akte Fleisch"- Der komplette Film:





 


 

Sonntag, 19. August 2012

Das Ende des Schlachtens?

Steaks aus Biotinte mit dem 3D-Drucker - das US-Unternehmen Modern Meadow plant nichts Geringeres, als die Revolutionierung der Fleischindustrie. Die Methode würde das grausame Schlachten überflüssig machen und Ressourcen schonen.

Ist Tiermord bald Geschichte? Foto: Stefan Schneider/pixelio
 Mit der Technik des Bioprinting will die Firma essbares Fleisch und Leder aus lebenden Zellen erzeugen.  Ein 3D-Drucker verhilft dem Gewebe zu einer festen Konsistenz. In einem Bioreaktor soll das Gewebe anschließend zu einem fertigen Produkt reifen. Hinter der Firma stehen Gabor und Andras Forgacs, die bereits die Bioprinting-Firma Organovo ins Leben gerufen haben. Organovo produziert organisches Gewebe für medizinische Zwecke, wie zum Beispiel Transplantationen. Andras Forgacs appeliert mit dem Vorhaben an das Gewisssen der Fleischkonsumenten: "Die Verwendung von Ressourcen bei der Herstellung eines Hamburgers ist eine Umweltkatastrophe", sagte Forgacs dem Newsportal Cnet. Die Produktion von Fleisch aus Biotinte würde außerdem verhindern, dass Tiere in Massenhaltung leiden und sterben müssten.

Wie umweltschädlich die Produktion von Fleisch ist, wird erneut in einer Studie deutlich, die das Journal of Animal Science veröffentlicht hat: Demnach werden für einen Hamburger aus 125 Gramm drei Kilo Fleisch, 200 Liter Wasser, sieben Qaudratmeter Land und über 40 Kilogramm Kohlendioxid verbraucht. Das entspricht einer Autofahrt von rund 200 Kilometern. Die 3D-Druck-Methode würde hingegen eine deutlich bessere Ökobilanz ermöglichen: Informationen des Guardian zufolge, werden bei der Herstellung von Loaborfleisch 96 Prozent weniger Treibhausgase und 55 Prozent weniger Energie verbraucht.

Untersützung soll von der Stiftung des Milliardärs Peter Thiel im Rahmen des Programms Breakout Labs kommen, der das Projekt mit 350.000 US-Dollar vornantreiben will. "Modern Meadow kombiniert regenerative Medizin mit dem 3D-Druck, um sich eine wirtschaftliche und mitfühlende Lösung für ein globales Problem vorzustellen", begründete Lindy Fishburne, die Leiterin von Breakout-Labs die Unterstützung: "Wir hoffen, unsere Unterstützung wird sie durch das frühe Entwicklungsstadium bringen, damit sie ihre spannende Vision umsetzen können." Werden Schlächter also bald arbeitslos? Hoffen wir´s.



Samstag, 4. August 2012

So betrügt die Lebensmittel-Mafia

Foodwatch klagt an: Gelatine im Saft, Schweineborsten in der Brotherstellung, Milchzucker für Veganer. Die Lebensmittel-Industrie betrügt Verbraucher in großem Stil. In vermeintlich "vegetarischen" Lebensmitteln versteckt sie tierische Bestandteile ohne Kennzeichnung auf der Zutatenliste.

Foto: Foodwatch
Recherchen der Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch zeigen, dass die Lebensmittel-Mafia Verbraucher in einem schockierenden Ausmaß betrügt. Wer sich tierfrei ernähren will, wird an allen Ecken und Enden hintergangen. "Ohne Deklarationspflicht kommen tierische Bestandteile als Trägerstoffe von Aromen und Vitaminen in Lebensmittel", erklärt Foodwatch: "Zum Beispiel befindet sich in den Multivitaminsäften Valensina und hohes C (Eckes Granini) Gelatine als Träger von zugesetzten Vitaminen, wie die Hersteller auf Anfrage bestätigten." Auch der  Chips-Produzent funny-frisch habe auf Anfrage angegeben, "dass weite Teile seines Sortiments tierische Bestandteile enthalten, je nach Sorte Wild, Fisch, Geflügel, Rind oder Schwein."

Das Problem ist eine Gesetzeslücke: Die tierischen Produkte müssen in der Zutatenliste nicht aufgeführt werden. So macht es der Gesetzgeber Verbrauchern quasi unmöglich, tierische Produkte in Lebensmitteln zu vermeiden. "Das ist eine Zumutung für Vegetarier und Veganer, aber auch für alle anderen Verbraucher, die gerade bei tierischen Lebensmitteln bewusste Kaufentscheidungen treffen, den Konsum reduzieren wollen oder nur bestimmte Formen der Tierhaltung unterstützen möchten", sagt Foodwatch-Mitarbeiter Oliver Huizinga. Die Organisation hatte über Facebook zahlreiche Hinweise von Verbrauchern über Produkte mit versteckten Tieren enthalten und daraufhin eine eigene Recherche gestartet.


Die bisher identifizierten Produkte:

  • Chips von Funny Frisch: Fisch, Schwein, Wild, Kalb und Geflügel gelangen in Form von Aromen in die Chips. In den meisten Fällen ohne entsprechende Kennzeichnung.
  • Frischkäse von Rotkäppchen und Bresso, Quark von Milram: Hier ist Gelatine drin, die aus Schweinhaut erzeugt wird.
  •  Ritter Sport Schokolade Marzipan und Halbbitter: Diese Sorten empfiehlt der Schokoladen-Hersteller ausdrücklich Veganern, da sie angeblich "keine Milchbestandteile" enthalten. Falsch: Die Sorten enthalten Spuren von Milchzucker, da die Sorte indenselben Produkionslinien hergestellt wird, die auch Milchschokolade produzieren.
  •  Katjes Yoghurt Gums: Katjes produziert Fruchtgummis mit und ohne Gelatine. Foodwatch erhielt auf wiederholte Nachfrage keine Antwort, ob bei Letzteren Verunreinigungen mit Gelatine auszuschließen seien. Keine Antwort ist auch eine Antwort.
  • Mutltivitaminsäfte von Hohes C und Valensina: Hier wird Gelatine als Trägerstoff für Vitamine eingesetzt. Aus dem Zutatenverzeichnis der Säfte geht das nicht hervor.
  • Orange-Ananas-Saft von Valensina: Auch hier ist Gelantine drin.
  • Maggi Tomatensuppe von Nestlé: In dieser Tomatensuppe ist Speck drin. 
Bestandteile von Tieren kommen zudem bei technischen Hilfsstoffen zum Einsatz, ohne dass dies für Konsumenten ersichtlich wäre. So verwenden einige Produzenten etwa Gelatine zum Klären von Wein  und Saft. Bäckereien verwenden Aminosäure L-Cystein, die aus Schweineborsten oder Federn gewonnen wird, um das Mehl knetbarer zu machen.

Foodwatch fordert deshalb eine gesetzliche Klarstellung mit der Transparenz und Wahlfreiheit erreicht werden soll. Verbraucher können die Forderungen von Foodwatch  mit einer E-Mail-Aktion an Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner unterstützen


Die Forderungen von Foodwatch im Wortlaut:

"1.   Wo Zutaten oder Verarbeitungshilfsstoffe tierischen Ursprungs eingesetzt werden, muss dies deutlich erkennbar sein. Das gilt auch für tierische Bestandteile in Aromen, Zusatzstoffen und technischen Hilfsstoffen, die während des Produktionsprozesses zum Einsatz kommen. Wer vollständig auf Zutaten tierischen Ursprungs verzichten möchte, muss die Möglichkeit dazu haben.
2.   Die Begriffe 'vegan' und 'vegetarisch' müssen wie folgt rechtlich definiert werden:
• Vegetarisch: Ohne Zutaten, die von einem toten Tier stammen, hergestellt (Ovo-Lacto-Vegetarismus) – erlaubt sind Ei- und Milchprodukte
• Vegan: Ohne tierische Lebensmittel (einschließlich Milch- und Eiprodukte) hergestellt
Wird ein Produkt ausdrücklich als 'vegan' oder 'vegetarisch' ausgelobt oder beworben, muss der Hersteller auch jegliche Kreuzkontamination ausschließen können."

Sonntag, 29. Juli 2012

Marathonläufer Mark Hoffmann: "Vegane Ernährung ist die Abkehr vom Extremen"

"Laufen gegen Leiden" lautet das Motto des 35-jährigen Marathonläufers Mark Hoffmann. Der Veganer setzt seine Energie dafür ein, auf das Unrecht und Leid aufmerksam zu machen, das den Tieren täglich angetan wird - in einer Gesellschaft, die an ihrer Doppelmoral krankt. Hoffmann will Vorbild für einen verantwortungsbewussten Lebensstil sein, ohne andere dabei zu missionieren.

Marathonläufer Mark Hoffmann
"Es dauerte knapp bis vor einem Jahr als mich nach dem Konsum meiner letzten fleischhaltigen Mahlzeit ein starkes Gefühl des Ekels und der Schuld überkam. Ich erkannte plötzlich, dass ich Teil von etwas Furchtbarem war und dies nie wieder sein wollte", beschreibt Hoffmann seine Abkehr von der tierischen Ernährungsweise: "Ich sah mich konfrontiert mit dem gesammten Elend und Leid dieser Welt und hundertausend Augen sahen mich an. Und ich war völlig nackt und hatte zu meiner Verteidigung nichts zu sagen."

Noch immer glauben viele, vegane Ernährung würde zwangsläufig zu Mangelerscheinungen führen. Dass dem nicht so ist, dass tierfreie Ernährung sogar förderlich zur Erlangung sportlicher Höchstleistungen sein kann, hat schon Patrik Baboumioan bewiesen, Gewinner der "Strongman-Meisterschaften" 2011 und damit "stärkster Mann Deutschlands". Wie Hoffmann setzt sich auch Baboumian öffentlich für die Rechte der Tiere und eine vegane Ernährung ein.

In einem Spiegel-Interview erklärt Hoffman, warum eine vegane Ernährung nicht "extrem" ist, wie die Frage des Journalisten suggeriert, sondern das genaue Gegenteil: "Ich finde es viel extremer, Tiere genetisch zu optimieren und unter Drogen gesetzt in enge Boxen einzupferchen. Tierversuche, Massentierhaltung - das ist extrem." Allerdings wolle er niemanden missionieren: "Das löst bei vielen den gegenteiligen Effekt aus. Ich lebe lieber vor und hoffe auf Nachahmer."

Hoffmann läuft gegen die vorherschende Gleichgültigkeit und die Doppelmoral, die es ermöglicht, dass Milliarden Tiere unter katastrophalen Bedingungen gehalten und misshandelt werden. Ihm geht es darum, "auf die schrecklichen Dinge hinzuweisen, vor denen ich selbst jahrelang den Kopf in den Sand gesteckt habe". Das erfordert eine Auseinandersetzung mit "der industriellen Massentierhaltung und deren abscheulichen Erfindungen und Praktiken. Mit dem Schulterzucken der Pelzträger. Mit der Doppelmoral welche es gesellschaftlich ächtet, einem Hundewelpen ins Gesicht zu treten, aber gleichgültig der Tatsache gegenübersteht, dass männliche Küken in Fabriken mit Schaufeln in überdimensionale Schredder geschippt werden. Mit der Entrechtung von Tieren."
  
Hoffmanns nächstes Projekt ist ein Spendenmarathon am 28. Oktober 2012 in Frankfurt am Main zugunsten von Seashepherd. Die Tierschutzorganisation setzt sich dafür ein, "die Zerstörung der Lebensräume und das Abschlachten der Tiere in den Weltmeeren zu beenden, um die Ökosysteme und Spezies nachhaltig zu schützen und zu erhalten". 

In der Zeit von 17. bis 20. Mai 2013 soll der "Staffellauf B12" folgen - ein Ultramarhonlauf entlang der 440 Kilometer langen Bundesstraße 12. Ausschließlich vegane Läufer sollen die jeweils 50 Kilometer langen Streckenabschnitte in gleichstarken Gruppen absolvieren. 

Donnerstag, 12. Juli 2012

Ethik und Ernährung: Süddeutsche Zeitung fordert Fleischverbot

Ernährung ist keine Privatsache. Das hat nun auch die Süddeutsche Zeitung erkannt. In einem aufrüttelnden Artikel schildert SZ-Autorin Petra Steinberger, warum wir kein Fleisch mehr essen sollten.

Foto: Dieter Schütz / pixelio
Ohne Umschweife kommt der Artikel zur Sache und nennt wesentliche (eigentlich hinlänglich bekannte) Problematiken der tierischen Ernährung: "Welthunger, Massentierhaltung, Kohlendioxid-Problem, überfischte Meere". In den vergangenen drei Jahrnzehnten hat sich der weltweite Fleischkonsum verdreifacht. Massentierhaltung ist eine der grausamen Folgen der Industrialisierung. Pro Jahr verschlingt der Durchschnittsdeutsche fast 100 Kilo Fleisch und Fisch  - damit muss Schluss sein.

"Es wird Zeit, sich vom Konsum von Tieren zu verabschieden" stellt Steinberger klar, denn wir brauchen kein Fleisch zum überleben.Vielmehr könnte es überlebenswichtig werden, kein Fleisch mehr zu essen: "Wir riskieren das Leben auf diesem Planeten, das ökologische Gleichgewicht, und ganz oben bei den Schuldigen steht unser Fleischverzehr. Der Konsum getöter Land- und Wassertiere. Wir werden ihn einschränken müssen, drastisch. Ihn vielleicht ganz aufgeben. Das gilt nicht nur für Rind, Schwein oder Geflügel. Es gilt genauso für Fische; und langfristig wohl auch für die Menge und Art, in der wir tierische Produkte insgesamt gebrauchen".

Für die perverse Gier nach Tier werden weltweit pro Jahr 53 Milliarden Landtiere ermordet, "oft nach Lebensumständen, die wir unseren Haustieren niemals zumuten würden".  Steinberger erklärt das so: "Der Skrupel, den die ersten Zivilisationen bei der Tötung von Tieren empfanden und den sie durch Rituale aufzufangen suchten, haben wir längst verdrängt. Vielleicht weil wir einen neuen Namen für diese biologische Lebensform gefunden haben: Vieh. Das klingt weniger nach Tier. Weniger nach Lebewesen." 

Es sind diese Bilder, die der Fleischesser gekonnt verdrängt, wenn er sich sein nächstes Schnitzel oder den tausendsten Hamburger in einer der Massentötungs-Fast-Food-Ketten reinzieht: "Tiere stehen in ihrem Kot, leben in ewiger Dunkelheit, Kälber werden der Mutter weggenommen, die Milch und noch mehr Milch produzieren muss, Schnäbel, Hörner, Schwänze, Hoden werden routinemäßig ohne Betäubung entfernt. Fische sind von Geschwüren übersät, werden von ihren Artgenossen erstickt und kannibalisiert, Rinder, Schweine, Vögel werden mit gebrochenen Gliedern zur Schlachtbank gezerrt, schwitzen Todesangst, sind oft nicht einmal tot, wenn sie aufgeschnitten, gerupft, in kochendes Wasser geworfen werden." Es ist traurig, dass man diese Bilder immer wieder bemühen muss, um gegen das Verdrängen anzukämpfen. Aber anders geht es nicht.

Hier sind die Medien in die Pflicht zu nehmen. Leider viel zu oft aber wird der Fleischkonsum angepriesen und dem Leser schmackhaft gemacht - auch im wöchentlich erscheinenden Magazin der SZ, wo sogenannte "Sterne-Köche" regelmäßig fleischlastige Rezepte vorstellen. Im Gegensatz zu vielen anderen Blättern ist die SZ aber zumindest schon das eine oder andere Mal mit fleischkritischen Artikeln aufgefallen. Etwa zu den gesundheitlichen "Folgen der Fleischeslust" anlässlich der Grillsaison, während von der Boulevardpresse nichts als unkritische Grilltipps zu lesen sind. Es wird höchste Zeit umzudenken. Tipp an die Presse: Einfach mal vegetarische Grillrezepte veröffentlichen.

Link zum Artikel: Nicht Fisch! Nicht Fleisch!





Sonntag, 10. Juni 2012

Bürgerinititative und Verein gegen Tierfabriken wehren sich gegen geplante Schweinefabrik

1080 Schweine sollen in einer geplanten Tierfabrik in Attendorf bei Graz auf engstem Raum eingesperrt werden. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative, die vom Verein gegen Tierfabriken (VGT) unterstützt wird.

Foto: Vier Pfoten - Stiftung für Tierschutz  / pixelio
Am 30. Juni 2012 wollen sich 1080 Menschen versammeln - stellvertretend für die 1080 Schweine, die in dem Schweineknast eingepfercht werden sollen - um gegen den Bau dieser und anderer Tierfabriken zu demonstrieren. Die geplante Grundfläche des Baus wird abgesteckt und soll für die Dauer von etwa einer halben Stunde mit den 1080 Menschen gefüllt werden. Dazu wird es am Grazer Hauptplatz eine Versammlung geben. Außerdem sollen die Menschen in den betroffenen Gemeinden informiert, und die Aufklärungsarbeit zu dem dubiosen Projekt verstärkt werden.

Der für den Bau der Tierfabrik verantwortliche Schweinebauer habe bereits 2009 bekanntgegeben, seinen Betrieb vergrößern zu wollen. Damals habe er sogar 1200 Schweine einsperren wollen. Das hatte zu einem großen Aufschrei in der Bevölkerung geführt, wie der Verein gegen Tierfabriken in Österreich berichtet: "Nun, mehr als zwei Jahre später, gibt es neue Pläne: der Bauplatz ist ein paar Meter vom Dorf weggerückt, und 'nur' noch 1080 Tiere sollen in die Halle. Laut Bauplan stehen jedem Schwein exakt 0,7 m² zur Verfügung - genauso viel, wie das Gesetz minimal vorschreibt."

Das Anliegen der Bürgerinitiative sind zum einen der Schutz der Schweine und zum anderen der Schutz ihres eigenen Lebensraumes:  "Denn solche Tierfabriken bringen auch für die Umgebung Lärm-, Geruchs- und Staubbelastung mit sich. Und ein Betonklotz, von dem die AnrainerInnen wissen, wie viel Tierleid darin verborgen ist, belastet ebenfalls. Die Folge ist auch eine Abwertung der Grundstücke - neben der Abwertung der Lebensqualtiät der Menschen, die bereits dort wohnen", schreibt der Verein gegen Tierfabriken weiter.

Die Familie des Bauwerbers betreibe auf dem Bauernmarkt am Lendplatz in Graz seit einigen Jahren einen Stand - genauso wie der Bürgermeister, der bei dem Bauvorhaben ebenfalls eine fragwürdige Rolle spiele. Daraufhin hatten Aktivisten der Bürgerinitiative und von VGT eine gemeinsame Versammlung in der Nähe des Bauernmarktes abgehalten, Flugblätter verteilt und Unterschriften gegen den Bau der Schweinefabrik gesammelt.





Samstag, 9. Juni 2012

Stärkster Mann Deutschlands ist Veganer

Der Leistungssportler und Veganer Patrik Baboumian darf sich seit seinem Sieg bei den "Strongman-Meisterschaften" im August 2011 offiziell der "stärkste Mann Deutschlands" nennen. Er ist der Beweis, dass Kraft - entgegen gerne verbreiteter Klischees - nichts mit Fleischkonsum zu tun hat.

"Die stärksten Tiere der Welt sind Pflanzenfresser: Büffel, Gorillas, Elefanten und ich". Mit diesem Slogan wirbt Baboumian für die Tierrechtsorganisation Peta. 200 Kilo kann er über seinen Kopf stemmen. "Ich bin ein Mensch, der sehr schlecht mit Widersprüchen in seinem eigenen Verhalten klarkommt", begründet der Psychologie-Student, der sich selbst als tierlieb bezeichnet, seinen Verzicht auf Fleisch.

Nach seiner Ernährungsumstellung ist er nicht etwa schwächer, sondern sogar stärker geworden:  "Aus einem ganz einfachen Grund: Fleisch ist eine riesige Belastung für den Stoffwechsel". Ohne Fleisch sei man in der Lage, mehr von den Sachen zu essen, die den Körper weniger belasten. Die nötigen Kalorien holt sich der Potsdamer gerne auch im veganen Restaurant des Berliner Kochs Björn Moschinski, mit dem er befreundet ist.

Über seinen Alltag als Sportler, seine Ernährung und den Bruch mit der tierverarbeitenden Industrie, die Tiere als Ware ansieht und versklavt, sprach der Veganer am 8. Juni 2012 in der NDR-Talkshow:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndr_talk_show/videos/ndrtalkshow1433.html